Bis zu 80 Nandus verendet

<fettakgl>Die meisten Nandus </fettakgl>haben den vergangenen Winter nicht überlebt. Frank Phillip zeigt die Reste eines toten Tieres.<foto> Steffen Oldörp</foto>
Die meisten Nandus haben den vergangenen Winter nicht überlebt. Frank Phillip zeigt die Reste eines toten Tieres. Steffen Oldörp

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06. Juli 2010, 09:16 Uhr

Thandorf | Die einen sagen, es sind zu viele - andere können gar nicht genug von ihnen bekommen von den südamerikanischen Laufvögeln, die sich in Nordwestmecklenburg angesiedelt haben. Seit 2000 gibt es in der Schaalseeregion eine in Europa einmalige Population dieser Nandus. Im Herbst liefen dort noch fast 120 dieser straußenähnlichen Tiere herum. Wie viele davon haben nun den strengen Winter überlebt? Das hat eine Inventur ergeben.

Der vergangene Winter hat an den eingewanderten Vögeln stark gezehrt. 80 Nandus, das sind mehr als zwei Drittel der Tiere, haben den strengen Winter nicht überlebt. Das ist das Ergebnis der Zählung von Hobby-Ornithologen und Rangern des Biosphärenreservates Schaalsee. Nur 35 Nandus haben sie noch gesehen. Der Biologe Frank Phillip hat die Zählung geleitet. Er hat schon seine Diplomarbeit über diese Laufvögel aus Südamerika geschrieben.

"Was wir feststellen können ist, dass eigentlich alle Jungtiere den Winter nicht überlebt haben. Bis auf ein einziges. Das zeigt einfach, dass die Tiere noch nicht kräftig genug waren und auch noch keine Fettreserven angelegt hatten, weil sie den ganzen Sommer viel Energie ins Wachstum gesteckt haben, um eben rasch auf die Größe zu kommen."

Die jungen Nandus, die im vergangenen Frühjahr geboren wurden, haben auf den schneebedeckten und gefrorenen Rapsfeldern einfach nicht genügend zu Fressen gefunden. Obwohl gerade der strenge Frost den Tieren weniger ausgemacht hat, meint Reiner Schmahl, Artenschutzexperte beim Biosphärenreservat. Denn den sind sie aus ihrer Heimat in Südamerika gewohnt. "Aber ich denke mal das große Problem war nachher zum Endwinter der verharschte Schnee, das heißt, wenn der Schnee antaut, dann wieder überfriert und so eine kleine Eisschicht bildet, dann kriegen die jungen Nandus echt ein Problem da durchzukommen. Und da kommen die Nandus dann nicht mehr durch die Eisschicht an die Nahrung", sagt Schmahl. Im November haben die Fachleute noch 118 Nandus gezählt. Damit haben zwei Drittel der Tiere den strengen Winter in Nordwestmecklenburg nicht überlebt.

Für Frank Phillip ist das keine Überraschung. "Bei diesen Verhältnissen dachte ich schon, dass wirklich viel mehr Tiere auch zum Opfer fallen. Aber das zeigt natürlich auch, dass sich der Nandu hier etablieren kann. Das ist in Zukunft anzunehmen." Gerade deshalb ist es für den Artenschutzexperten Mathias Hippke vom Biosphärenreservart sehr wichtig, die Nandus und deren Bestand auch in Zukunft genau zu beobachten: "In diesen relativ geringen Mengen in diesem relativ großen Aktionsraum stellen sie für mich noch kein Problem dar. Auch nicht für die Landwirtschaft. Aber man muss natürlich die Entwicklung stets im Auge behalten. Und je mehr Nandus wir haben, desto eher können natürlich auch mal Probleme auftreten."

Auch für Autofahrer, wenn die bis zu 1,30 Meter großen Nandus die Straßen überqueren. Allein im vergangenen Winter registrierte die Polizei drei Unfälle mit diesen Tieren in Nordwestmecklenburg.

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