Biosphäre muss mehr Kernzonen festlegen

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02. November 2010, 08:02 Uhr

Rühstädt | Im Unesco-Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe-Brandenburg sind deutlich zu wenig Kernzonen ausgewiesen, Flächen, die unter einem besonders hohen Schutz stehen. Leiterin Jeanette Fischer sieht dringenden Handlungsbedarf und das Landesumweltamt in der Pflicht. Perspektivisch wäre sonst der Unesco-Titel gefährdet. Kernzonen bedeuten aber auch Einschränkungen für die Öffentlichkeit.

"Drei Prozent der Gesamtfläche müssen als Kernzone eingestuft werden, wir sind aktuell bei 0,6 Prozent und damit bundesweit Schlusslicht", so Fischer. Zwar hätte die Hälfte aller 16 deutschen Biosphärenreservate diese Vorgabe noch nicht erfüllt, aber so schlecht wie die Prignitz sei kein anderes. Doch Kernzonen sind ein heißes Eisen, weiß Jeanette Fischer. Kritiker seien stets schnell zur Stelle. Deshalb setze sie auf Gespräche und Kompromisse.

Einzige Kernzonen bisher seien im Naturschutzgebiet Jackel und im Bereich des Perleberger Schießplatzes. Theoretisch seien alle Flächen innerhalb des Biosphärenreservates geeignet, "doch praktisch durchsetzbar ist es nur auf landeseigenen Flächen oder auf denen des Naturschutzfonds", verdeutlicht Fischer.

Vordergründiges Ziel ist das Gebiet der Deichrückverlegung bei Lenzen. Nachhaltiges Wirtschaften und wissenschaftliche Begleitung seien bereits gewährt. Weitere potenzielle Flächen befinden sich im Rühstädter Vorland, bei Gnevsdorf und im Quitzöbeler Vorland. Auch Gadows Forst, Elsbruch und Rambower Moor sind auf der Karte des Biosphärenreservats als Suchraum ausgewiesen. "Größter Knackpunkt ist die Jagd", sagt Fischer. Konkrete Vereinbarungen und Regeln gilt es zu treffen. "Wir setzen aber nicht auf Konfrontation, sondern auf Kompromisslösungen", betont sie. Grundsätzlich gelte, dass der Wildtierbestand in angrenzenden Gebieten keine massiven Schäden verursachen dürfe. Deshalb sei ein gewisses Wildmanagement erforderlich, was eine regulierte Jagd mit einschließe.

Grundsätzlich wolle man nicht über die Köpfe von Pächtern hinweg entscheiden, sondern mit jedem einzelnen das Gespräch suchen. Das umfasse auch andere Interessengruppen, wie Angler. "Es geht uns nicht um Totalreservate, die Gebiete sollen erlebbar bleiben", so die Reservatsleiterin.

Zeit bleibe bis 2017. Dann evaluiert die Unesco das nächste Mal. "Wir brauchen die drei Prozent, sonst ist unser Status bedroht und das will bestimmt niemand", bekräftigt Jeanette Fischer. Reagieren müssten aber das Landesumweltamt bzw. das Ministerium. Sie seien für die Ausweisung von Naturschutzgebieten zuständig und nicht mehr die Reservatsleitungen. Fischer forderte eine Änderung der Prioritäten, da diese in den vergangenen Jahren auf FFH-Gebieten gelegen habe. Professor Matthias Freude kündigt genau diesen Prioritätenwechsel an. Der Präsident des Landesumweltamtes habe das Signal vernommen und bereist reagiert.

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