Biogas bringt mehr "Güllebomber"

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19. Februar 2010, 01:57 Uhr

Güstrow | Seit Biogasanlagen wie Pilze aus dem Boden schießen, wird auch mehr Flüssigdünger auf die Felder der Region ausgebracht. Gülle und Gärreste stapeln sich aber momentan in Landwirtschaftsbetrieben und Bio gasanlagen. Letztere potenzieren das Problem in diesem Winter. "Es muss mehr dazu übergegangen werden, Gärreste aus Biogasanlagen zu Granulat-Dünger aufzuarbeiten", sagt Hans-Joachim Meier, Leiter des Staatlichen Amtes für Umwelt und Natur (StAUN) in Rostock. Der Dünger in Form von Pellets lasse sich gerade in einem strengen Winter wie diesem, wo die Flüssiglager voll sind, besser aufbewahren. Dazu ist der logistische Aufwand, ihn auf die Felder auszubringen, deutlich geringer. Denn: "Zwei Drittel des Gärrestes sind Wasser. Das muss transportiert werden", sagt Norbert Hoogen, Betriebsleiter des Bio energieparks in Güstrow, die größte Anlage in der Region. 700 bis 800 Kubikmeter flüssiger Gärrest fallen hier gegenwärtig täglich an.

Eine Überproduktion an Naturdünger (Gülle und Gärreste) gebe es durch die in den vergangenen Jahren vielfach gebauten Biogasanlagen dennoch nicht, so Hoogen. "Wir haben hier ja keine überproportionale Tierhaltung. Gärreste sind ein attraktiver Dünger. Unsere Biomasse-Lieferanten nehmen sie uns gerne ab", sagt der Betriebsleiter des Bioenergieparks. Nur zurzeit gebe es aufgrund der anhaltenden Witterung eben Engpässe.

Sobald es taut, werden Landwirte in der Region Gülle und Gärreste auf ihre Felder ausbringen. Zum Leidwesen vieler geruchsempfindlicher Menschen. "Aber das ist guter Dünger, besser als Kunstdünger aus der Tüte", sagt der Horster Landwirt Eckhard Meiners. Die Transport-Strecken halten sich bei dezentralen Biogasanlagen, wie er selbst für seinen Betrieb eine bauen will, in Grenzen. "Ich bringe meine Gärreste ringsum auf meine Felder auf", sagt Meiners. Die Menge des Flüssigdüngers ist seit dem Bau von Biogasanlagen gestiegen. Ein Landwirt berichtet: Seit dem Bau einer Biogasanlage bringe sein Betrieb 20 Prozent mehr Flüssigdünger aus als zuvor. Im Gegenzug benötige man weniger Kunstdünger.

Der logistische Aufwand ist insbesondere für Großanlagen wie in Güstrow hoch. Dort geht nach Auskunft des Betriebsleiters Ende März ein Düngemittelwerk in Betrieb. Dem Gärrest werde das Wasser entzogen, übrig bleibe ein Granulat. "So minimieren wir in Zukunft die Überland-Transporte", sagt Norbert Hoogen.

Wie viel Dünger die Betriebe ausbringen dürfen, regelt die Düngemittel-Verordnung. "Die Stickstoff-Bilanz muss stimmen", sagt Dr. Regina Rinas, Leiterin des Bützower Landwirtschaftsamtes. Zu viel Flüssigdünger gebe es auch mit den zahlreichen Biogasanlagen nicht. Die müssen, um genehmigt zu werden, Flächen zum Ausbringen des Gärrestes vorweisen. "Da werden Verträge geschlossen", sagt der Rostocker StAUN-Chef Meier. Auch ausreichend Lagerkapazitäten für den Winter müssten nachgewiesen werden. "Für sechs Monate", so Meier.

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