Bio-Technologie: Dassow im Aufwind

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20. Juli 2010, 11:24 Uhr

Dassow | Die Zukunft von Dassow heißt Biotechnologie. Dabei setzt die Stadt auf Euroimmun. Das Lübecker Unternehmen fertigt Testsysteme zur Bestimmung von Antikörper. Dadurch lassen sich Infektionskrankheiten sowie Allergien diagnostizieren.

Das Unternehmen mit Sitz in Lübeck wächst seit Jahren zwischen zehn und 20 Prozent. Allein in diesem Jahr sind es bislang zwölf Prozent, sagt Finanzvorstand Axel Blankenburg. Hier gibt es flache Hierachien, die Mitarbeiter duzen sich, egal ob Chef oder Angestellter, Unterschiede beim Gehalt zwischen Mitarbeitern aus Ost und West gibt es nicht.

Euroimmun war gestern der Auftakt der Arbeitsmarktsommerreise, wie Jürgen Goecke der Vorsitzende der Bundesagentur Nord sie nennt. Goecke ist begeistert von dem Biotechnologieunternehmen. Denn Euroimmun habe längst begriffen, dass auch eine familienfreundliche Personalpolitik aufgrund der demografischen Entwicklung immer wichtiger werde.

Im nächsten Jahr soll ein Betriebskindergarten mit Krippe eröffnet werden. "Man tut hier sehr viel, um die Mitarbeiter ans Unternehmen zu binden. Der Wettbewerb der Regionen, der Betriebe um Mitarbeiter hat begonnen", sagt Goecke.

Der demografische Wandel sei entscheidend dafür verantwortlich, dass es vor fünf Jahren im Land noch 180 000 Menschen gab, die auf der Suche nach Arbeit waren. Heute seien es weniger als 100 000. Der Grund: Immer mehr Leute verlassen das Land. So sinke die Zahl der Erwerbstätigen im Alter von 15 bis 65 Jahren jedes Jahr um 14 000.

Nach knapp einer Stunde war Goeckens Rundgang beendet. Das Urteil des Vorsitzenden der Bundesagentur Nord: "Ich bin fasziniert. Es ist ein Vorzeigeunternehmen in MV." Das Biotechnologieunternehmen sei ein gelungenes Beispiel für einen "Strukturwandel einer Firma, die nicht mehr lebensfähig war". Goeckens meint damit ODS, das ehemals größte CD- und DVD-Werk Europas. 1 200 Mitarbeiter arbeiteten hier. Trotz Millionenschwerer Investitionen der Landesregierung ging ODS pleite.

Die Auftragsbücher bei Euroimmun scheinen gut gefüllt. Was den Experten im Biotechnologiesektor fehlt, sind Fachleute. Man spüre den demografischen Wandel meint Blankenburg: "Wir merken im Bereich Ingenieurwesen, dass es hier Vakanzen gibt. Informatiker und Biochemiker zu bekommen, ist nicht so einfach." Sorgen bereitet ihm das sinkende Bildungsniveau. "Wir wissen nicht, was wir in den nächsten fünf, sechs Jahren auf dem Arbeitsmarkt finden. Das liegt natürlich an der Bildungspolitik", meint Blankenburg. Wer eine drei vor dem Komma habe, fliege bei Euroimmun auch in Zukunft durchs Raster.

Qualifizierte Mitarbeiter sind für die Zukunft wichtig für das international ausgerichtete Vorzeigeunternehmen aus Dassow. Bis Ende 2011 wolle Euroimmun 50 weitere Mitarbeiter einstellen. Zurzeit arbeiten hier 150.

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