Abzocke auf Schweriner Friedhof : Billigfarbe statt Gold, Grabstein falsch gesetzt

Gutachter prüfen, ob tatsächlich Gold verwendet wurde.
Gutachter prüfen, ob tatsächlich Gold verwendet wurde.

Zur Trauer auch noch Ärger: Ein unsachgemäß gesetzter Grabstein, billige Farbe statt Gold und eine undurchsichtige Rechnung - so ging es dem Schweriner M. Im Frühjahr dieses Jahres war seine Ehefrau gestorben.

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05. November 2010, 12:04 Uhr

Schwerin | Zur Trauer auch noch Ärger: Ein unsachgemäß gesetzter Grabstein, billige Farbe statt Gold und eine undurchsichtige Rechnung - so ging es dem Schweriner M. Im Frühjahr dieses Jahres war seine Ehefrau gestorben.

Er hatte bei einem Schweriner Bestattungsunternehmen die Beerdigung seiner Frau im Familiengrab auf dem Alten Friedhof angemeldet. Dort wurde er jedoch nicht nur über die Zeremonie beraten, sondern auch gedrängt, den Auftrag zur notwendigen Beräumung der Grabstätte einem bestimmten Steinmetzbetrieb zu übergeben. M. hielt dem Druck nicht stand und unterschrieb den Auftrag für einen Handwerksbetrieb aus Schleswig-Holstein. Mit dessen Arbeit war M. überhaupt nicht zufrieden.

"In der Rechnung sind die einzelnen Posten nicht konkret aufgeschlüsselt, so dass ich gar nicht weiß, was ich genau bezahlte", beklagt er. "Außerdem wurde der neue Stein sofort auf die frische Grabstelle gesetzt, obwohl jeder weiß, dass es hier noch zu Absenkungen kommt. Die Einfassung neigt sich extrem und der Gipfel: Die schriftlich festgehaltene Vergoldung der Inschrift schien mir nicht ausgeführt worden zu sein." M. holte sich Rat bei der Steinmetz- und Bildhauerinnung des Kammerbezirks und fand sein Misstrauen bestätigt: Bauliche Vorgaben wurden nicht eingehalten und die angeblich vergoldete Schrift hat nie Gold gesehen. Dafür gibt es ein Gutachten eines Sachverständigen, der direkt am Grabstein mehrere Proben erstellte.

Bei der Schweriner Innung ist die Abzocke von M. kein Einzelfall, in der Region gab es in jüngster Zeit ein Dutzend solcher Rechnungen. "Die Kollegen der Schweriner Innung distanzieren sich von so einer Arbeit", so Obermeister Uwe Lange. Sie raten allen Trauernden, sich nicht drängen zu lassen, sondern eine gründliche und ausführliche Beratung einzufordern. Uwe Lange: "Ein gutes Grabmal sollte man mit dem Steinmetz gemeinsam entwickeln. Jeder unserer Kollegen wird Angehörige bei der Suche nach dem richtigen Grabmal fachmännisch begleiten."

Ein Grabmal - egal in welcher Form oder Größe - kaufe man am besten beim Fachmann, betont auch die Schweriner Verbraucherzentrale. Beratungsstellen-Leiterin Cornelia Nagel: "Der Bestatter ist der Fachmann für die Bestattung, der Steinmetz oder Steinbildhauer der Experte für das Grabmal." Sie ermuntert die Betroffenen, sich mit unsachgemäßer Arbeit oder gar Betrug - wie beim fehlenden Gold in der "goldenen" Schrift - nicht abzufinden. In einer Broschüre der Verbraucherzentrale mit dem Titel "Was tun, wenn jemand stirbt?" sind alle wichtigen Schritte in einem Trauerfall, aber auch die möglichen Probleme aufgeführt.

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