Bildungsminister will integrative Schulen

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20. November 2010, 10:34 Uhr

Nordwestmecklenburg | Ab dem Schuljahr 2010/2011 wird es keine ersten und zweiten Klassenstufen an Förderschulen im Land geben, das teilte gestern Bildungsminister Henry Tesch (CDU) mit.

Aus diesem Grund fürchten zahlreiche Sonderpädagoginnen und -pädagogen Nordwestmecklenburgs um die Zukunft der Förderschulen. Aber vor allem geht es ihnen um die Zukunft ihrer Schülerinnen und Schüler, die bisher individuell an den Förderschulen unterrichtet wurden.

Selinde Krause, Schulleiterin der Pestalozzi-Förderschule Gadebusch befürchtet, dass die Sonderschulen nach und nach abgebaut werden. "Um integrativen Unterricht machen zu können, muss Integration streng durchdacht sein. Die Voraussetzungen dafür muss das Bildungsministerium schaffen", sagt die Sonderpädagogin. Krause ist nicht allein mit ihren Befürchtungen, auch die Eltern wollen wissen, was aus den Förderschulen im Land wird.

Mit Inkrafttreten der UN-Konvention zu den Rechten von Menschen mit Behinderung im März 2009 verpflichtete sich Deutschland, etwas an seinem Schulsystem zu verändern. Das Land Mecklenburg-Vorpommern hat auf Grundlage dieser Konvention im vergangenen Jahr das Schulgesetz geändert und eine Förderverordnung Sonderpädagogik erarbeitet. Demnach sollen Kinder mit Behinderung oder Defiziten beim Lernen künftig an Grundschulen, an so genannten inklusiven Schulen, eingeschult werden. "Wir wollen Kindern mit Lernbeeinträchtigungen durch die Integration in die allgemeinen Schulen bessere Lebenschancen ermöglichen", sagte Henry Tesch gestern in seiner Rede vor den Landtagsabgeordneten. Dabei geht es dem Bildungsminister um die Chancengleichheit aller Kinder im Bundesland.

Sorgen um ihren Arbeitsplatz müssten sich die Sonderpädagogen nicht machen, wie ein Sprecher des Bildungsministeriums mitteilte. Denn die integrativen Schulen benötigen die Hilfe dieser Lehrer, vor allem deren Erfahrung im Umgang mit Förderschülern. "Alle Kinder sollen möglichst wohnortnah ihre Schullaufbahn meistern und ihren Bildungsweg an einer Grundschule beginnen", sagte Tesch. In einem nächsten Schritt sollen die Förderschulen im Land schrittweise zu Kompetenz- und Beratungszentren für die allgemeinen Schulen entwickelt werden, so ein Ministeriumssprecher. Nun gilt es, das Schulsystem schrittweise umzugestalten. Dafür stehen auch die vier zentralen diagnostischen Dienste der Staatlichen Schulämter zur Verfügung.

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