Bildung als politischer Spielball

Das Ernst-Barlach-Gymnasium soll mit der Thomas-Müntzer-Regionalschule eine Gesamtschule bilden. Unterricht bis Klasse 12 bliebe, nur über den Wert des Abschlusses bestehen unterschiedliche Auffassungen.Pubantz (2), Lang (3), Hoppe
Das Ernst-Barlach-Gymnasium soll mit der Thomas-Müntzer-Regionalschule eine Gesamtschule bilden. Unterricht bis Klasse 12 bliebe, nur über den Wert des Abschlusses bestehen unterschiedliche Auffassungen.Pubantz (2), Lang (3), Hoppe

Das Güstrower Ernst-Barlach-Gymnasium wird wohl ab dem Schuljahr 2010/11 wegen sinkender Schülerzahlen eine Kooperative Gesamtschule mit der Thomas-Müntzer-Schule bilden. So will es der Bildungsausschuss des Kreistages, so bevorzugt es der Landrat. Die CDU ist dagegen.

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22. April 2009, 07:26 Uhr

Güstrow | Die Entscheidung über den gymnasialen Standort am Distelberg ist im Grunde gefallen: Der Bildungsausschuss des Kreistages votierte mehrheitlich für die Bildung einer Kooperativen Gesamtschule mit der Müntzerschule. Nur so sei der weiterführende Schulstandort dort zu halten. Für ein Gymnasium reicht es nicht mehr, da die Anmeldungen zu gering sind. 49 Schüler wollten ab dem kommenden Schuljahr in die 7. Klasse kommen, 61 wären laut Schulgesetz nötig. Das Brinckmangymnasium in der Innenstadt hat weit über 70 Anmeldungen (SVZ berichtete).

Der Weg zur Entscheidung war lang: Nach Bekanntwerden der Zahlen stimmten zunächst die Lehrer der Schule ab - nach SVZ-Informationen 14:10 für ein Gymnasium. Eltern seien wiederum für die Gesamtschule, die Schüler mehrheitlich für ein Gymnasium gewesen. In der Schulkonferenz habe es ein Patt gegeben.

Entscheiden muss letztlich der Landrat; ihm obliegt die Schulentwicklungsplanung. "Ich bin 100-prozentig dafür, dass wir es so machen", sagte gestern Lutz da Cunha (SPD). Nur die Gesamtschule rette den Schulstandort. Möglich, dass er den Kreisausschuss oder den Kreistag noch mit einbeziehe.

Im Bildungsausschuss votierten SPD und Linkspartei für die Kooperative Gesamtschule. Eine logische Entscheidung, findet SPD-Kreischef Norbert Nieszery. "Ich sehe keinen Makel in einer Kooperativen Gesamtschule. Das Abitur ist gleichwertig."

Torsten Renz (CDU) sieht das anders. Er sei für die Variante Gymnasium gewesen - als zweiter Standort des John-Brinckman-Gymnasiums. Renz glaubt: "Die Eltern werden mit den Füßen abstimmen." Dann wäre die Gesamtschule an Klasse 11 womöglich nur einzügig. Renz: "Das wäre dann eine qualitative Einschränkung."

Sascha Zimmermann, FDP-Regionalchef, kritisiert die Entscheidung pro Gesamtschule und fordert zwei eigenständige Gym-nasien in Güstrow - über eine Änderung des Schulgesetzes. Dagegen schießt Ilka-Lochner Borst (CDU), Vorsitzende im Bildungsausschuss des Landtages, scharf. Die Rahmenbedingungen seien seit langem bekannt, die Schule selbst hätte agieren müssen, da sie wusste, "dass die Bestandsfähigkeit nicht abgesichert ist". Der FDP wirft sie "populistische Forderungen" vor. Im Bildungsausschuss des Kreistages enthielt sich die FDP übrigens der Stimme.

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