Bildhauerin trifft auf Reh aus Plastik

Die Metallbildhauerin Takwe Kaenders  präsentiert den  goldenen Hirsch   als 'Der kleine Spießer' in der  Ausstellung 'Kunst Heute', die derzeit im Kulturhaus Mestlin zu erleben ist. katharina roese
Die Metallbildhauerin Takwe Kaenders präsentiert den goldenen Hirsch als "Der kleine Spießer" in der Ausstellung "Kunst Heute", die derzeit im Kulturhaus Mestlin zu erleben ist. katharina roese

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30. Oktober 2010, 01:57 Uhr

Mestlin/ Rothen | "Diese goldenen Rehe und Hirsche musste ich als Kind in Souvenir-Bilderrahmen kleben", erzählt Takwe Kaenders und hält eine kleine blitzende Figur hoch: einen röhrenden Hirsch und ein Rehkitz. "Ich habe von meinem Großvater, der einen Souvenir-Großhandel in Köln betrieb, einen ganze Kiste voll davon geerbt. Einige habe ich nun in meiner Wandinstallation in Mestlin verarbeitet."

Denn derzeit ist die Diplombildhauerin mit Werkstatt in Rothen auch als Kuratorin für die Ausstellung "Kunst Heute" im Kulturhaus Mestlin tätig. 16 Künstler hat Takwe Kaenders eingeladen, dort auszustellen. "Dabei sind Künstler, die ich persönlich kenne und solche, deren Arbeiten mir einfach gut gefallen", erzählt sie. Die Ausstellenden hätten probiert, "zum Haus in Mestlin zu arbeiten", sagt Kaenders, das hieße, ihre Vergangenheit zu bearbeiten, den Ost-West-Konflikt zu verarbeiten - auch Politisches dabei einfließen zu lassen. "Wir zeigen hier Arbeiten, die speziell für eine Ausstellung gedacht sind." So präsentiert Dahny Melzig 40 Augen, dazu einen gläsernen Laptop, auf dem ein Auge den Betrachter anblickt - er wird von allen Seiten beobachtet. "Das würde sich ja so keiner Zuhause aufhängen oder hinstellen", sagt Kaenders und lacht. Sie selbst stellt auch Arbeiten aus: Beschäftigt hat sich die 47-Jährige mit der eigenen Vergangenheit. Dazu hat sie eine Wandinstallation kreiert - 36 Arbeiten rund um das Goldene Reh. "Der kleine Spießer" nennt die Künstlerin ihr Werk und erklärt: "Spießer ist ein einjähriges Reh, dessen Geweih nicht verzweigt ist, sondern wie ein Spieß gerade zuläuft." Daneben sei es auch eine Spitze auf den Plastik-Kitsch, mit dem sie groß geworden sei, erzählt die gebürtige Kölnerin, die seit zehn Jahren im Rothener Hof e.V. tätig ist. "Bei mir war es eben ganz anderer Kitsch als hier im Osten", sagt sie. Für die Ausstellung in Mestlin hat die Diplombildhauerin die kleinen goldenen Plastikrehe nun aus der Kiste geholt und Freundschaft mit ihnen geschlossen.

Takwe Kaenders geht durch die Schmiede, die ihr als Arbeitsplatz dient, weiter in eine große Scheune. Hier lagern neben den Kunstwerken aus Stahl auch einige Sensen zum Ausbessern. "Manchmal muss ich auch was Handwerkliches machen", sagt die Künstlerin und lacht. "Ich gebe zum Beispiel Sensen- und Dengelkurse." Neben den künstlerischen Projekten brauche sie auch den handwerklichen Ausgleich, sagt Kaenders und wendet sich einem schmiedeeisernen Gitter zu, um dieses zu bearbeiten.

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