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Lokales

22. September 2017 | 19:09 Uhr

Bienensterben geht weiter

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erstellt am 30.Mär.2011 | 07:35 Uhr

Prignitz | Die Verluste der Brandenburger Imker werden auch im zurückliegenden Winter 2010/11 wieder über dem Durchschnitt liegen - wenngleich sich die Situation regional sehr unterschiedlich darstellt. Dieses erste Resümee zieht Lothar Lucke vom Landesimkerverband. "Zehn bis 15 Prozent sind normal, wir werden voraussichtlich bei 20 bis 25 Prozent Verlusten liegen."

Die Ursachen für das Bienensterben sind vielschichtig. Im Deutschen Bienenmonitoring - eine Langzeituntersuchung, die von 2004 bis 2009 lief und von der Arbeitsgemeinschaft der Institute für Bienenforschung koordiniert wurde - hat man die Varroamilbe als Hauptgrund für das Schwinden vieler deutscher Bienenvölker während der Wintermonate ausgemacht. Die Auswertung des Monitorings liegt seit kurzem vor.

Für Imker, wie Lothar Lucke, aber auch für Fachpolitiker, wie die Bundestagsabgeordnete Dr. Kirsten Tackmann (Die Linke), ist das nur ein Teil der Wahrheit. "Andere Ursachen, wie Pflanzenschutzmittel oder artenarme Agrarlandschaften, sind aus Sicht der Bundesregierung weniger von Bedeutung", so Tackmann. Die Linksfraktion im Deutschen Bundestag hatte in einer Kleinen Anfrage die Wissenschaftlichkeit des Monitorings angezweifelt. Dass die Wirkung von Pflanzenschutzmitteln als Risikofaktor ausgeklammert werde, liege daran, dass die chemische Industrie das Bienenmonitoring mitfinanzierte, so Tackmann. Die Politikerin fordert die Bundesregierung auf, das Monitoring zu erweitern und auch Sommerverluste in die Untersuchungsziele aufzunehmen.

Sowohl Lothar Lucke als auch Frank Schlünz, Imker aus Abbendorf (Prignitz), bestätigen die Argumente Tackmanns. Die Auswirkungen von Pflanzenschutzmitteln spielten eine zunehmende Rolle, so Schlünz. Er hält 40 Völker, bekam seine Tiere relativ gut über den Winter - füttert allerdings ab Herbst kiloweise Zucker zu, um das Manko an Nektar auszugleichen. "Die Natur wird immer ärmer. In anderen Bundesländern, wie beispielsweise Mecklenburg-Vorpommern, gibt es Förderprogramme für blühende Landschaften, um die Artenarmut aufzufangen. In Brandenburg ist so etwas leider nicht möglich", kritisiert der Hobbyimker.

Und auch die Witterung kann den Bienen zusetzen. Lothar Lucke: "Noch problematischer als ein langer, kalter Winter ist für die Bienen ein spätes, unkonstantes Frühjahr. Wenn sie Anfang Februar mit der Bruttätigkeit beginnen, müssen die Bienen im Stock eine Temperatur von 35 Grad halten." Sei es zu kalt, bewegen sie sich nicht mehr zu ihren Vorratswaben und verhungern regelrecht. Ebenso wichtig, sagen die Imker, sei eine konsequente und qualifizierte Behandlung der Völker gegen die Varroamilbe. Auch da lägen Reserven.

Grosse Bedrohung: Die Varroamilbe

1977 wurden asiatische Honigbienen zu Forschungszwecken nach Deutschland geholt. Mit ihnen kam die Varroamilbe nach Europa. Die 1,6 Millimeter kleine, rundliche Milbe gilt als die größte Bedrohung in der Imkerei.

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