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"Beweisen, dass wir komplexen Schiffbau können"

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Drei Fragen an den Vorsitzenden der P+S-Geschäftsführung Dr. Dieter Brammertz. Das Interview führte Ralph Sommer

svz.de von
erstellt am 28.Jul.2011 | 08:21 Uhr

Stralsund. | Was waren aus Ihrer Sicht die wichtigsten Entscheidungen für die Konsolidierung der beiden Werften in Stralsund und Wolgast?

Brammertz: Nach der Werftenkrise mit bundesweiten Auftragsrückgängen um 90 Prozent mussten wir uns auf neue Geschäftsfelder orientieren. Wir haben uns für Offshore und technisch anspruchsvollen Funktions-Schiffbau entschieden. Außerdem erledigten wir unsere Hausaufgaben. Die beiden Werften wurden gesellschaftsrechtlich verschmolzen, Geschäftsprozesse optimiert und dabei Synergieeffekte genutzt. So unterstützten bis Juni 200 Stralsunder Mitarbeiter den Standort Wolgast, und seit Juli arbeiten Wolgaster Kollegen an den Scandlines-Fähren in Stralsund mit.

Wie wollen Sie Volkswerft und Peene-Werft künftig auf dem internationalen Markt positionieren?

Zuerst müssen wir potenzielle Kunden davon überzeugen, dass wir komplexen Schiffbau auch beherrschen. Da helfen Visitenkarten wie die von uns gebauten Ankerziehversorger oder der in Wolgast gebaute Notschlepper "Nordic", der weltweit erste Schlepper, der auch in gefährlichem Umfeld operieren kann, etwa wenn nach einem Unfall explosive Stoffe austreten. Der komplexe Schiffbau mit Stückzahlen von maximal zwei Einheiten je Schiffstyp erfordert aber auch, dass Geschäftsprozesse und Ressourcen entsprechend angepasst werden. Die bisherigen Anstrengungen haben sich gelohnt. Von Oktober 2010 bis Februar 2011 konnten wir einen Auftragseingang von 600 Millionen Euro erzielen.

Die Modernisierung der beiden Werften liegt mittlerweile über 15 Jahre zurück. Wo sehen Sie Handlungs- und Investitionsbedarf, um konkurrenzfähig zu bleiben?

Beide Werften müssen sicher keinen Vergleich scheuen. Im Gegenteil, es gibt kaum eine Werft in Europa, die bezüglich der Fertigungseinrichtungen und -möglichkeiten einem Vergleich mit der Volkswerft standhält. Die wichtigste Investition aber ist die Investition in unsere Mitarbeiter. Wir haben hervorragend ausgebildetes Fachpersonal. Dieses Niveau müssen wir ausbauen. Bedingt durch die Änderung unserer Produktpalette müssen wir unsere ingenieurtechnischen Kapazitäten verbreitern. Ein Schwerpunkt der Ausbildung liegt zum Beispiel in der Integration von Systemen und der Anwendung der Mechatronik. Und mit der seit 1949 bestehenden Ausbildung von Jugendlichen in Wolgast und Stralsund schaffen wir uns die Spezialisten von morgen selbst. Unsere Azubis waren, sind und bleiben die wichtigste Investition in die Zukunft.

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