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Attacken auf gutgläubige Bürger häufen sich : Betrugswelle schwappt über Parchim

vom

In diesen Tagen müssen Bürger im Landkreis Parchim starke Nerven haben. Denn keine Idee scheint zu dumm für Betrüger, um den Bürgern das Geld aus der Tasche zu ziehen.

svz.de von
erstellt am 24.Feb.2013 | 07:10 Uhr

parchim | In diesen Tagen müssen Bürger im Landkreis starke Nerven haben. Auch kriminalistisches Gespür wäre nützlich, um nicht auf eine der Maschen hereinzufallen, mit denen zwielichtige Firmen oder Berater derzeit Briefkästen und E-Mail-Fächer fluten. Keine Idee scheint zu dumm, um den Adressaten das Geld aus der Tasche zu ziehen.

Der Parchimer Franz P. (Name der Red. bekannt) hatte ein Déjà-vu-Erlebnis, als er vor einigen Tagen einen Umschlag aus dem Briefkasten mit dem Kopf "Mecklenburgische Seenplatte - Müritz" zog. "Sie, Herr P. sind ein Gewinner", war da zu lesen. Und: "Ihre Teilnahmekarte wurde aus vielen richtigen Einsendungen ausgelost." Die Hauptgewinn-Übergabe solle am 26. Februar während eines "schönen Tages ausflugs" erfolgen, Überraschungsgeschenke wie DVD-Player und reichhaltiges Mittagsmenü inklusive.

Franz P. hat genau so einen "unvergesslichen Urlaubstag" schon einmal mit rund 50 Parchimern verbracht. Statt die Mecklenburgische Seenplatte anzusteuern, öffnete der Busfahrer damals die Türen vor einem Gasthof in Holthusen südlich von Schwerin - das einzige Gewässer dort ist der Feuerlöschteich. Statt Urlaub gab es eine "Werkmesse" genannte Verkaufsveranstaltung - die Veranstalter kalkulieren natürlich ein, dass niemand bei Minustemperaturen in der Einöde spazieren geht. Ein Moderator pries wahre Wunderdinge an - wie eine nach neuesten Forschungsergebnissen hergestellte Matratze für schlappe 2398 Euro oder ein Gerät zur Körperstimulation für 2400 Euro. Franz P. : "Weil der Moderator Verkaufsnachlässe gewährte, kauften einige Parchimer."

Und der Gewinn? Franz P. müsse schon genau lesen, belehrte ihn der Moderator. Schließlich sei er "ein" Gewinner, was nicht heiße, dass er 3 x 3000 Euro gewonnen habe, auch wenn sein Name daneben stehe. Denn über den Tabellen stehe nur "Auszug aus der Gewinnerliste". Die Verbraucherzentrale Mecklenburg-Vorpommern kennt solche Maschen. "Viele Gewinnmitteilungen sind leider nicht so eindeutig formuliert, wie es beim ersten Lesen erscheinen mag: Anstatt zum bereits gewonnenen Preis wird zur großen Chance gratuliert, den Preis zu ergattern und demnächst in Empfang nehmen zu können. Das bedeutet, dass ein solches Gewinnschreiben nicht den Adressaten tatsächlich als glücklichen, sondern nur als möglichen Gewinner benennt. Die freudige Mitteilung ist ihrem Gesamteindruck nach zu urteilen nur eine Täuschung", warnt der Verein.

Kommen die Gewinnopfer noch relativ glimpflich aus so einer Verkaufstour heraus, könnten vermeintliche Erbschaftsangebote weit größeren Schaden anrichten. Auch sie kursieren derzeit, wie ein Leser aus Domsühl berichtet. Ein Spanier hat ihn angeschrieben und sich als Verwalter eines namensgleichen Verstorbenen, der 6,5 Millionen Euro hinterlassen habe, ausgegeben. Wörtlich heißt es in holprigem Deutsch: "Meine Absicht Sie zu kontaktieren geht darum, Ihre Mitwirkung um die Geld von unserer verstorbenen Kunde zu sichern, und zu verhindern das es nicht von der Bank beschlagnahmend wird oder verzollt wird, wo das Geld in Wert von 6,5 Millionen Euro von der verstorbene eingezahlt wurde, bevor er starb." Der Spanier könne Dokumente besorgen, die eine Verwandtschaft belegen, "da Sie den gleichen Nachname haben und somit wird der Betrag an Ihnen gezahlt". Das Geld werde geteilt, der Angeschriebene solle sich per Telefon, Fax oder Mail melden.

Klaus Wiechmann, Sprecher der für Parchim zuständigen Polizeiinspektion Parchim, kennt die Masche: "Es ist davon auszugehen, dass die Hintermänner schließlich für die Überweisung bzw. Übergabe des vermeintlichen Erbes im Vorab Gebühren oder Steuern verlangen, um so an das Geld der Opfer zu kommen. Es ist zu vermuten, dass nach Zahlung einer solchen Gebühr die Täter weiterhin anrufen, um mit erfundenen Begründungen weiteres Geld zu fordern. Das in Aussicht gestellte Millionenerbe ist dabei nur ein Trick, um Geld von gutgläubigen Opfern zu ergaunern."

Auf gutgläubige und hilfsbereite Opfer setzen offenbar auch die Absender einer zumindest fragwürdigen Hilferuf-Mail, die gestern in der Redaktion der Parchimer Zeitung einging. Unter der Mail-Adresse eines bekannten Abenteurers und Autors schreiben sie, er hätte in Großbritannien seine Tasche verloren und bräuchte Geld: "Ich muss unbedingt den nächsten Flug bekommen." Natürlich werde der Betrag später sofort zurückgezahlt. Telefonisch war der Mann gestern nicht zu erreichen. Ähnliche Mails mit anderen Namen kursieren, so dass auch hier eine Masche wahrscheinlich ist, Menschen abzuzocken. Polizeisprecher Wiechmann: "Obwohl manche Masche nicht neu ist, versuchen dreiste Betrüger immer wieder an das Geld gutgläubiger Menschen zu gelangen."

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