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Besitzer des Horrorhauses spurlos verschwunden

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Parchim | Der Abrissbagger ist abgerückt und zurück blieb eine Ruine. "Das Horrorhaus ist eine Schande für Parchim", empört sich Sabine S., die in der Nachbarschaft in der Straße Am Mühlenberg wohnt. Sie kann wie viele Kreisstädter kaum glauben, dass sich daran auf längere Sicht nichts ändern soll. Auf der jüngsten Stadtvertretersitzung hat auch der SPD-Fraktionsvorsitzende Eckhard Büsch seinen Unmut über die seiner Meinung nach "unhaltbaren Zustände" Luft gemacht und dafür Beifall aus allen Fraktionen bekommen. Für den Ersten Stadtrat Detlev Hestermann ist der Teilabriss ohnehin "halbherzig". "Das hätte man sich kneifen können", richtet er seine Kritik an den Landkreis Parchim. Dort versteht man die Aufregung nicht. "Wir haben unsere Pflicht erfüllt", kontert Hans-Georg Zwang, Leiter der Unteren Bauaufsicht. "Das Privathaus war nicht mehr standsicher. Nachdem wir dem Eigentümer nicht habhaft werden können, mussten wir handeln", sagt Zwang.

Dabei ist der Hausbesitzer ein durchaus stadtbekannter Mann. Der frühere Intendant des Landestheaters, André Hiller, der im Dezember 2002 wegen finanzieller Unregelmäßigkeiten fristlos entlassen worden war, steht im Grundbuch als Eigentümer. "Seit Jahren müssen wir mit ansehen, wie das frühere Stammhaus meiner Großeltern dem Verfall preisgegeben ist", sagt Mark Riedel, der sich als Chef des Parchimer Heimatbundes für die Aufarbeitung der Geschichte der Stadt engagiert. Seinen Vorfahren, der Familie Rasenack, gehörte das stattliche Gebäude mit schickem Balkon in bester Lage von 1885 bis 1913. "Meine Großmutter hat immer gesagt, Grundbesitz verpflichtet. Aber das scheint heute ja nicht mehr zu gelten", gibt sich der junge Mann enttäuscht. "Die Ruine muss schleunigst weg. Das ist einer Kreisstadt einfach unwürdig", meint Mark Riedel.

Hans-Georg Zwang macht allerdings wenig Hoffnung, dass das Horrorhaus bald endgültig verschwindet. "Für den Landkreis ist die Sache zunächst erledigt. Wir haben für den Teilabriss bereits 15 000 Euro bezahlt und stellen kein weiteres Geld zur Verfügung." Die Ruine stelle keine Gefahr mehr dar. Und schließlich gebe es im Landkreis noch gut zwei Dutzend ähnliche Problemhäuser.

Der Chef der Unteren Bauaufsicht gibt zu bedenken, dass seine Mitarbeiter seit mehr als zwei Jahren intensiv damit beschäftigt sind, den Hauseigentümer ausfindig zu machen. "Wir haben uns an Meldestellen, Finanzämter u.ä. in ganz Deutschland gewandt", sagt Zwang. Die amtliche Post dürfte sich inzwischen als unzustellbar beim Amtsgericht stapeln. Die Spur von André Hiller, der inzwischen als freischaffender Schauspieler tätig sein soll, verlaufe sich in Sachsen.

Der Landkreis wird nun eine Zwangshypothek ins Grundbuch eintragen lassen. "Das Geld holen wir uns zurück, auch wenn das dauern kann", sagt Hans-Georg Zwang.

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erstellt am 21.Sep.2010 | 08:07 Uhr

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