Berufsschul-Streit geht in die nächste Runde

Parchims Landrat Klaus-Jürgen Iredi ist ausgewiesener Kritiker der Gebietsreform.
Parchims Landrat Klaus-Jürgen Iredi ist ausgewiesener Kritiker der Gebietsreform.

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19. Februar 2010, 09:37 Uhr

parchim/Ludwigslust | Die Ausbildung von Kfz-Mechatronikern muss am Standort Hagenow erhalten bleiben und dafür müsse mit aller Macht gekämpft werden. Darüber sind sich Vertreter der Kreishandwerkerschaft, des Unternehmerverbandes und von Ausbildungsbetrieben einig.

Mit dieser gemeinsamen Willenserklärung wollen alle Beteiligten ganz deutlich den Forderungen der Landeshauptstadt eine Absage erteilen. Bezogen auf die geburtenschwachen Jahrgänge ist die Diskussion um die Schulstandorte neu entbrannt. Schwerin will unbedingt die Kfz-Azubis selbst ausbilden und den Gastronomiebereich (bisher Parchim) an sich ziehen, sieht sich aufgrund der desolaten Haushaltslage nicht in der Lage, den Schullastenausgleich zu zahlen. "Der Landkreis Ludwigslust macht das schon seit Jahren, das geht in die Hunderttaussende", sagt Ludwigslusts Landrat Rolf Christiansen (SPD). Parchims Landrat Klaus-Jürgen Iredi (SPD) hat kein Verständnis für die jüngsten Schweriner Attacken: "Wir denken als kommunale Familie in Westmecklenburg. Die Landkreise Parchim, Ludwigslust, Nordwestmecklenburg und die Stadt Wismar schicken in Größenordnungen Schüler nach Schwerin - und zahlen dafür Schullastenausgleich."

Im Jahr 2004/05 habe es einen Kompromiss zur weiteren Entwicklung der Berufsschul standorte in Westmecklenburg gegeben, dem damaligen dramatischen Rückgang der Schülerzahlen geschuldet. Schwerin, Hagenow, Ludwigslust und Parchim sollten das gleichermaßen auffangen, geschehen sei das aber letztlich nur in Westmecklenburg. Schwerin habe von diesem Kompromiss profitiert, erhielt so u.a. den Standort für die Ausbildung der Friseur-Azubis. Kfz-Mechatroniker sollten ganz klar in Wismar und Hagenow ihre Ausbildung erhalten.

Rückhalt im Kampf um den Erhalt des Berufsschul standortes Hagenow erhält die Innung auch von der Regionalgruppe des Unternehmerverbandes. Wolfgang R. Hildesheim als stellvertretender Obermeister und Vorsitzender der Regionalgruppe des Unternehmerverbandes: "Für den Erhalt der Einrichtung müssen wir alle an einem Strang und in eine Richtung ziehen. Die hier bestehenden Bedingungen und Ausbildungskapazitäten finden wir anderswo so schnell nicht wieder. Hagenow muss bleiben, dafür setzen wir uns mit ganzer Kraft ein und dafür müssen wir auch Parchim mit einbinden. Mit Schwerin als Standort wollen wir uns in keiner Weise abfinden, wenn die Entscheidung so fallen sollte, dass die Landeshauptstadt künftig Kfz-Mechatroniker ausbildet, dann schicken wir unsere Azubis eben nach Hamburg."

Millionenschwer in die Kfz-Ausbildung in Schwerin neu zu investieren, sehe Ludwigslusts Landrat Rolf Christiansen zudem als Verschwendung von Steuergeldern an. "Das ist unverantwortlich, dafür kann es auch keine Fördermittel vom Land geben", bringt es der Verwaltungschef auf den Punkt.

In der vergangenen Woche hatte Schwerin gefordert, die Ausbildung der Gastronomieberufe in der Landeshauptstadt zu bündeln. Schul dezernent Dieter Niesen (SPD) hatte sich mit einem entsprechenden Schreiben an das Bildungsministerium gewandt und sich für den Berufsschulstandort Schwerin stark gemacht. Das hatte zu scharfen Protesten von Parchims Landrat Klaus-Jürgen Iredi geführt.

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