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Arbeitslose über 50 kommen nur schwer zurück in die Arbeitswelt : Beruflicher Neustart mit 52 Jahren

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50 plus und arbeitslos - eine schwierige Situation, die jedoch nicht das Ende aller beruflichen Perspektiven bedeuten muss, wie es das Beispiel Artur Brummund zeigt.

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erstellt am 28.Apr.2011 | 09:19 Uhr

Lüblow/Schwerin | Die Zahl der Arbeitslosen hat im Bereich der Geschäftsstelle der Agentur für Arbeit in Ludwigslust auch in diesem Monat wieder abgenommen. Insbesondere junge Menschen profitierten von der positiven Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt, denn die Zahl der Arbeitslosen unter 25 Jahren sank im Vergleich zum Vorjahr um 16 Prozent. Dagegen haben es die Jobsuchenden zwischen 50 und 65 Jahren wesentlich schwieriger. Ihre Zahl blieb fast konstant hoch und stellt mit 34,3 Prozent den höchsten Anteil aller Erwerbslosen. 50 plus und arbeitslos - eine schwierige Situation, die jedoch nicht das Ende aller beruflichen Perspektiven bedeuten muss, wie es das Beispiel Artur Brummund zeigt.

Zehn Minuten zwischen Hoffen und Bangen. Zehn Minuten, in denen sich die beiden Geschäftsführer der Firma Gesmex nach dem zweiten Vorstellungsgespräch beraten, ob er wohl der richtige Mann für die ausgeschriebene Stelle ist. Zehn Minuten, in denen entschieden wird, ob er und nach zwei Jahren Arbeitslosigkeit weiter ohne Job bleibt, oder, ob er mit 52 Jahren noch einmal beruflich durchstarten kann. Artur Brummund wartet - zehn Minuten können so unendlich lang sein.

Lehre, Meisterschule, Betriebswirt - und immer wieder ohne Job

Rückblende: Das Arbeitsleben für Artur Brummund beginnt 1975. Der junge Mann aus Lüblow will Maschinenbauer werden. Zwei Jahre später ist die Lehrzeit vorbei, Brummund wird als Schweißer übernommen und tauscht 1982 das Schweißgerät gegen einen Bürostuhl. Jetzt arbeitet er als Sachbearbeiter Einkauf, paukt parallel im Abendstudium, um Maschinenbaumeister zu werden. Dann kommt die Wende, Anfang 1992 die Teilung seines Unternehmens, bis die Maschinenbau GmbH Ludwigslust fünf Jahre später dicht macht. 25 Mitarbeiter müssen gehen. Schluss, Aus, Feierabend. Auch für Brummund. Plötzlich ist er arbeitslos. Ein halbes Jahr später findet er wieder einen Job, kauft nun für die neue Firma Materialien ein, die für Fenster- und Türfertigungen benötigt werden. Es dauert nicht lange, da speckt das Unternehmen ab, und Brummund muss sich wieder neu orientieren. Es folgen ein neuer Job, wieder eine Arbeitslosenphase, wieder ein neuer Job. Brummund ist flexibel. Mal arbeitet er in Bayern, dann in Berlin, mal kauft er für seine Arbeitgeber Elektroteile ein, dann Technik für Automobile. Mal ist die Stelle befristet, mal geht die Firma in Insolvenz, mal wird wieder die Belegschaft reduziert. 2008. Das Jahr hat gerade begonnen und Brummund steht wieder ohne Arbeit da. Er hat seine Arbeit immer gut gemacht, ist fleißig, mobil, erfahren. Brummund hat es mittlerweile auch zum Betriebswirt geschafft. Nun ist er fast 50. Wird er jetzt überhaupt noch gebraucht? Rund 200 erfolglose Bewerbungen später hat der Vater von drei Kindern das Gefühl, dass die Antwort auf diese Frage "nein" lautet. In Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit qualifiziert sich der Lüblower weiter. Er lernt jetzt Englisch, fünf Monate lang, jeden Tag acht Stunden. Englisch ist in seinem Job und im Zuge zunehmender Globalisierung wichtig. Bisher haben Qualifikationsmaßnahme und eine Krankheit Artur Brummund vor Hartz IV bewahrt. Doch jetzt, nach zwei Jahren Arbeitslosigkeit, steht er kurz davor. Es muss was passieren. Die Luft wird immer dünner.

"Gute Englischkenntnisse sind für den Job des Einkäufers bei uns Voraussetzung", sagt Thomas Bieler, Geschäftsführer der Gesmex GmbH in Schwerin. Jetzt, nach der Erholung von der der Wirtschaftskrise, startet das 2007 gegründete Unternehmen durch. Die Aufträge kommen aus China, den USA, Skandinavien oder Russland, denn die einzigen weltweit mit Lasertechnik hergestellten Wärmeübertrager kommen von der Firma aus Schwerin und sind begehrt. Bieler und Geschäftspartner Mike Hallmann suchen einen Vollzeit-Einkäufer und haben 20 Bewerbungen auf dem Tisch. Eine ist von Artur Brummund. Er wird eingeladen zum Vorstellungsgespräch, dann zu einem zweiten. Die Geschäftsführer beraten sich. Brummund wartet, zehn Minuten können so unendlich lang sein.

Erfahren, qualifiziert und engagiert - "das ist der Richtige für uns"

Seit gut zwei Monaten hat Artur Brummund wieder einen eigenen Schreibtisch und gehört zur 20-köpfigen Belegschaft der Firma Gesmex, die bis zum Jahresende weitere sechs Mitarbeiter einstellen möchte. "Wir haben einen qualifizierten, erfahrenen technischen Einkäufer gesucht, der auch englisch sprechen kann", sagt Thomas Bieler. "Mein Geschäftspartner und ich waren uns nach dem zweiten Vorstellungsgespräch einig, dass Herr Brummund genau der richtige Mann für uns ist. Das haben wir ihm dann auch sofort mitgeteilt", fügt Bieler an. Das Alter habe dabei keine Rolle gespielt, denn wichtig sei es, ins Stellenprofil und ins Team zu passen. "Für mich war das ein absoluter Glücksfall", sagt Artur Brummer und greift zufrieden zum Telefonhörer. Der nächste Einkauf steht an.

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