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Lokales

17. Oktober 2017 | 19:12 Uhr

Beim Blackout liefern Biogasanlagen Strom

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svz.de von
erstellt am 20.Jun.2011 | 06:08 Uhr

Prignitz | Brechen in Teilen der Prignitz die Stromnetze zusammen, können Biogasanlagen eine Versorgung in begrenztem Umfang gewährleisten. Das ist das Ergebnis einer vom Landkreis Prignitz in Auftrag gegebenen Studie, die gestern vorgestellt wurde.

Das Szenario sei keinesfalls unwahrscheinlich, sagte Erich Schlotthauer, Sachbereichsleiter Katastrophenschutz. Heiligabend 2010 fiel bedingt durch Schneefälle im Raum Cumlosen der Strom fast 24 Stunden lang aus. November 2005 brach nach einem Eisregen die Versorgung im Münsterland sechs bis acht Tage zusammen und Orkan "Kyrill" ließ 2007 in der Lausitz die Lichter für sechs Tage ausgehen.

Die Studie des Instituts für Agrar- und Stadtökologie an der Humboldt-Universität Berlin bezieht sich auf die Biogasanlage in Karstädt. "Bis zu vier Tage lang könnte sie stabil weiter laufen und über ihr Blockheizkraftwerk Strom liefern", sagte Diplomingenieur Boris Habermann. Zeit genug, um die Primärnetze reparieren zu können. Bisher hätten alle durchgespielten Szenarien für die Prignitz im Katastrophenfall einen maximal dreitägigen Stromausfall ergeben, so Schlotthauer.

Für Karstädt hätte sich der Kreis entschieden, weil hier neben der Bevölkerung auch eine große Milchviehanlage auf Strom angewiesen sei. Kreisweit werden 175 Großviehanlagen betrieben. Mit einer 800 Meter langen Stromleitung könnten Biogasanlage und der Karstädter Agrarbetrieb direkt miteinander verbunden werden. Technisch und finanziell sei diese kleine Insellösung mit relativ geringem Aufwand machbar, so Habermann.

Deutlich umfangreicher sei es, die Versorgung weiterer Einrichtungen zu sichern. Der Kreis hatte für die Studie unter anderem das Klärwerk, Schule und Mehrzweckhalle als mögliche Notunterkünfte sowie das Rathaus benannt. Alles machbar, aber dazu sei der technische Aufwand für Anlage und Stromnetz deutlich höher. "Die konstante Leistung der Biogasanlage von ein Megawatt würde aber ausreichen, damit könnten bis zu 2200 Einfamilienhäuser versorgt werden", erklärte Habermann.

Für Biogas habe man sich entschieden, weil diese Anlagen relativ unabhängig von äußeren Einflüssen seien. Die Betreiber müssten lediglich ausreichend Substrate für vier Tage vorhalten. Windkraft und Solar würden sich ausschließen. Mit eingebunden in die Studie war die Wemag als Stromlieferant. Im Herbst folge ein Workshop. Danach könnten Versorger und Anlagenbetreiber entscheiden, ob sie Investitionen durchführen wollen, so Landrat Hans Lange.

Im Kreis gibt es 42 Biogasanlagen. Hauptsubstrat sei noch immer der Mais. Dessen Anbau steigt deutlich und erreicht in diesem Jahr 24 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche. Damit sei eine Schmerzgrenze für eine ausgewogene Landwirtschaft erreicht, sagte gestern Gabriele Knoblauch, Sachbereichsleiterin Landwirtschaft.

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