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Lokales

16. Dezember 2017 | 00:48 Uhr

Bei Investition Wechselbad der Gefühle

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erstellt am 26.Mai.2010 | 08:05 Uhr

Friedrichsruhe | Manchmal habe ihn ein mulmiges Gefühl in der Magen gegend beschlichen, wenn er die Baustelle auf dem Milchhof sah, räumt Holger Rebert nachdenklich ein. Doch im nächsten Moment, wenn er weiter erzählt, huscht ein befreites Lächeln über sein Gesicht. Als der Milchpreis immer weiter absackte und mancher Berufskollege von Kühen nichts mehr wissen wollte, entstand 2009 in Friedrichsruhe ein neuer Stall.

Die Investition war langfristig geplant, mit den Banken alles geregelt, Fördermittel standen bereit, blickt der Geschäftsführer der Landwirtschaftlichen Erzeuger- und Absatzgemeinschaft (Leag) Friedrichsruhe zurück. Als es mit dem Bauen losging, habe doch niemand ahnen können, dass das Preistal so tief werden würde. Es führte dazu, dass die Genossenschaft im vorigen Jahr für die gleiche Menge Milch eine Viertelmillion Euro weniger von der Molkerei bekam als 2008, bringt Ökonom Wilfried Bahl das ganze Ausmaß auf den Punkt. "Wir sind mit Ach und Krach durch die Talsohle gekommen", sagt er.

Heute sind Rebert und Bahl froh, die Investition durchgezogen zu haben. "Damit sind wir für die Zukunft gewappnet", ist der Geschäftsführer überzeugt. Die Haltungsbedingungen hätten sich sichtlich verbessert, vorherige Bergeräume und Strohlager würden für die Kühe nicht mehr gebraucht. Die haben jetzt viel frische Luft und stehen auf so genannten Gummi-Komfortmatten, die speziell gepolstert sind. Die Friedrichsruher beteiligen sich am Programm für umwelt- und tiergerechte Haltung, das das Land 2009 für fünf Jahre neu aufgelegt hat. Die Prämien, die vom Kalb bis zur Milchkuh nach Tiergröße gestaffelt ausgezahlt werden, helfen bei weiterer Modernisierung und Instandhaltung im Betrieb, sind aber an Kriterien geknüpft wie Mindestplatzbedarf, Lichtverhältnisse, Größe des Fressplatzes und Haltungsform. Bei letzterer seien herkömmlicher Stroheinstreu und Weidehaltung favorisiert, doch auch die Gummi-Komfortmatten erlaubt. Auf keinen Fall dürfen die Tiere angebunden sein, betont Wilfried Bahl.

Insgesamt 870 000 Euro hat die Leag im Vorjahr investiert, neben dem neuen Stall für Siloanlage, Futtermischwagen, Fahrzeugwaage und Befestigung des Hofes. 240 000 Euro davon kamen aus der Agrarförderung. "Sonst hätten wir so ein Vorhaben nicht stemmen können", sagt Holger Rebert. "In diesem Jahr müssen wir bei Investitionen kürzer treten, kaufen lediglich Feldtechnik, wo es nötig ist, doch schon eine neue Strohpresse kostet 30 000 Euro."

Der Milchpreis tendiere derzeit nach oben, habe im April an 27 Cent pro Liter gekratzt. Hinzu kämen ein, zwei Cent Qualitätszuschag für reichlich Fett und Eiweiß in der Milch. Von Euphorie sind die Friedrichsruher aber weit entfernt. 40 Cent pro Liter, wie gefordert, um dringende Investitionen schultern zu können, ohne auf der Kante des Abgrunds zu stehen, halten sie für nicht durchsetzbar. "Wir drehen deshalb an kleinen Schrauben, zum Beispiel bei der Tiergesundheit, damit sich die Lebensleistung der Kühe verlängert, und versuchen gutes Futter selbst zu produzieren", erklärt Wilfried Bahl. "Die neue Siloanlage, die vier abgeschlossene Kammern hat und luftdichten Abschluss beim Ein lagern gewährleistet, verbessert die Futterökonomie ganz erheblich. Das macht sich schon bemerkbar. Es entstehen kaum noch Verluste, und die Qualität ist deutlich besser. So lässt sich mit Grobfutter eine Menge Milch erzeugen." Hinzu komme hochwertige, selbst produzierte Feuchtsilage aus Körnermais, ein ener gie reiches Konzentrat. Dadurch müsse die Genossenschaft weitaus weniger Kraftfutter zukaufen. Die durchschnitt liche Milchleistung liege bei 8700 Litern pro Kuh und Jahr. "Die sind keine Spitze, doch um noch höher zu kommen, würde der Aufwand unverhältnismäßig steigen", so die Position von Holger Rebert.


Einen Einblick in ihre Arbeit gibt die Leag am Sonntag beim Tag des offenen Hofes.

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