zur Navigation springen
Lokales

19. August 2017 | 03:32 Uhr

Bei Integration ist Rostock Vorreiter

vom

Rostock | Die Vermittlung von Migranten an den Arbeitsmarkt gehört zu den schwierigsten Aufgaben für Arbeitsberater. Trotz teils hoher Qualifikationen haben Zugewanderte nur geringe Chancen. Ein Modellprojekt in Mecklenburg-Vorpommern will dies ändern.

Ärgerlich ist für Experten, dass viele Migranten Qualifikationen aus ihrer Heimat in Deutschland mühsam wiederholen müssen – weil Zertifikate hier oft nicht anerkannt werden. „Von den Arbeitsverwaltungen und Bildungsdienstleistern wird da vieles angeboten“, sagt Michael Hugo vom Rostocker Integrationsfachdienst Migration (Migra). Aber wirklich zufrieden seien weder Migranten, Arbeitgeber oder Arbeitsagenturen. Zu gering seien die Erfolge. „Niemand koordinierte, keine Maßnahme wurde zurückverfolgt, es gab kaum einen roten Faden“, sagt Hugo.

Überregionale Fort- und Weiterbildung

Diesen roten Faden will das 2009 ins Leben gerufene Programm „Integration durch individuelle berufliche Qualifizierung“ (IBQ) aufnehmen. Als einmaliges Projekt in Deutschland koordiniert der Fachdienst Fort- und Weiterbildung über Kreisgrenzen hinweg. Im Migra-Büro laufen die Fäden für Migranten zusammen, die in Rostock sowie in den Kreisen Güstrow, Bad Doberan und Nordvorpommern leben. „Wir konzentrieren uns nur auf berufliche Integration“, sagt Hugo. Alle Förderprogramme von EU, Bund, Ländern oder Stiftungen würden genutzt. Und das so erfolgreich, dass sich für Ende September Bundesagentur-Vorstand Heinrich Alt zum Informationsbesuch angemeldet hat.

Es ist kein Zufall, dass das Projekt ausgerechnet in Rostock läuft. Nach mehr als 18 Jahren sind die Erinnerungen an den August 1992 in Rostock-Lichtenhagen dennoch frisch. Hunderte hasserfüllte Jugendliche und Rechtsradikale griffen die Zentrale Aufnahmestelle für Asylbewerber mit Molotow-Cocktails und Feuerwerkskörpern unter dem Beifall tausender Schaulustiger an. „Rostock hat nach den Pogromen von Lichtenhagen 1992 viel gelernt“, sagt Oberbürgermeister Roland Methling (parteilos). Viele kleine Schritte seien die Menschen auf dem Weg hin zu einem integrationsfreundlichen Klima gegangen. Meilensteine waren der Verein Diên Hông, der sich speziell um Vietnamesen kümmerte, die Etablierung eines Ausländerbeirates und die Gründung der Bürgerinitiative „Bunt statt braun“.

Die Zahl von Migranten ist im Norden Mecklenburg-Vorpommerns vergleichsweise gering. In Rostock und den drei benachbarten Landkreisen leben etwa 16 000 Zugewanderte, hauptsächlich aus den ehemaligen GUS-Ländern. Seit 2009 sind mehr als 1000 Menschen in den Genuss von Weiterbildungen gekommen, sagt Hugo. Knapp 800 haben die Bildungsmodule mit Abschluss besucht, eine sehr hohe Quote. Bislang konnten 64 Menschen in den Arbeitsmarkt integriert werden. Ein ermutigendes Signal für den Chef der Rostocker Arbeitsagentur, Christoph Möller.

zur Startseite

von
erstellt am 14.Sep.2010 | 09:10 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen