Bei der Bahn geht es nicht so schnell

Unmögliches erledigen wir sofort, Wunder dauern etwas länger, heißt ein gängiger Spruch. Ein Wunder sollte die Antwort auf eine Bürgerreklamation aber eigentlich nicht sein. Kathrin Lockenvitz hoffte einfach auf Fahrgeldrück erstattung wegen massiver Zugverspätung. Doch die Reaktion kam ziemlich spät und die allerletzte Antwort lässt noch immer auf sich warten.

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08. Dezember 2008, 07:07 Uhr

Breese/Berlin | Am 17. Oktober war es, da wollte Kathrin Lockenvitz mit ihrer kleinen Tochter mit der Bahn nach Döbeln reisen. "Von Wittenberge nach Elsterwerda sollten wir den IC 2071 (ab 17.52 Uhr) nutzen können, im Anschluss daran den RB 17523, so dass wir rund drei Stunden unterwegs gewesen wären, was ich in den Abendstunden mit einem knapp siebenjährigen Kind vertretbar finde", erinnert sich die Breeserin. Doch bereits in Wittenberge kam der IC (Ersatzzug) verspätet an.

"In Berlin mussten wir in einen weiteren Zug umsteigen und hatten dann in Elsterwerda 34 Minuten Verspätung. Der Anschluss-RB wartete nicht - und ich saß um 20.38 Uhr mit dem Kind bis zum nächsten Anschlusszug um 22.16 Uhr fest. Um 23.16 Uhr waren wir dann endlich in Döbeln, zwei Stunden später als geplant und letztlich auch teuer bezahlt: 56 Euro. Ich hatte aus Zeitgründen diese Verbindung gewählt. Hätten wir das gültige Länderticket genommen, wären wir bei hälftigem Preis dieselbe Zeit unterwegs gewesen", stellt Kathrin Lockenvitz klar.

Sie wandte sich am 19. Oktober per Mail mit dieser Argumentation an die Deutsche Bahn und bat aus Kulanz um eine Teilrückerstattung des Fahrpreises, hielt 26 Euro für angemessen. Per Telefon erfuhr sie am 21. Oktober, dass ihrer Bitte nicht entsprochen werde. "Der freundliche Mitarbeiter nahm sich vor, die Ablehnung nochmals zu prüfen, da er auf meine Schilderung hin fand, dass zuvor nicht alle Aspekte betrachtet worden waren und mein Anliegen gerechtfertigt sei."

So weit, so gut. Doch dann passierte nichts mehr, weshalb sich die Breeserin im November an den "Prignitzer" wandte. Manchmal, so mutmaßte sie, wird eine Presseanfrage ja schneller beantwortet.

Doch weit gefehlt. Unsere detaillierte E-Mail an Bahnsprecher Burkhard Ahlert blieb tagelang unbeantwortet. Auf Nachfrage wurden wir an Silvia Seidel vom Regionalbüro Kommunikation Berlin verwiesen. Am 4. Dezember erreichten wir unter deren Telefonanschluss eine Mitarbeiterin, die versprach nachzuhaken. Gestern nun erhielten wir nach nochmaliger Nachfrage die Antwort zugesandt, die laut Aussage von Silvia Seidel am 4. Dezember Kathrin Lockenvitz zugegangen sei.

Darin heißt es unter anderem, "dass Entschädigungen gemäß unseren Beförderungsbedingungen erst ab einer Verspätung von mehr als 60 Minuten im Fernverkehr gewährt werden". "Dies traf in Ihrem konkreten Fall nicht zu … da aber auch wir durchaus Ihre Situation verstehen, haben wir diesem Schreiben aus Kulanz einen Reisegutschein im Wert von 15 Euro beigefügt, mit welchem wir uns gleichfalls für die Unannehmlichkeiten entschuldigen. Diesen können Sie innerhalb eines Jahres in einer unserer DB Verkaufsstellen einlösen."

Allein: Bei Familie Lockenvitz in Breese kamen weder das Schreiben noch der Gutschein bis einschließlich gestern Abend an. "Wir warten weiter", kommentiert Kathrin Lockenvitz die lange Leitung.

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