Begräbniskultur: Epoche geht zu Ende

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20. November 2010, 10:10 Uhr

Güstrow | War die Erdbestattung über Jahrhunderte der Normalfall, so ist sie heute zur Ausnahme geworden. Nur noch acht Prozent der Beisetzungen auf dem Güstrower Friedhof finden auf diese Weise statt. Bei bisher 350 Bestattungen in diesem Jahr sind das nicht mehr als 29. "Damit geht bei der Begräbniskultur eine Epoche zu Ende", stellt Holger Büttner fest und denkt dabei auch an die Friedhöfe. Ihrem Charakter nach werden sie sich mehr und mehr zu Parkanlagen entwickeln, denkt der Güstrower Friedhofsverwalter.

Für das Jahr 1991 stehen in der Statistik 235 Erdbestattungen in Güstrow. Vor zehn Jahren waren es noch 99 von damals 500 Bestattungen, also rund 20 Prozent. Etwa diesen Anteil haben Erdbestattungen in Bützow heute noch. "Und das über Jahre relativ konstant", sagt Matthias Knappe. Hier fallen die anonymen Bestattungen auf, auch wenn sie offiziell nicht so bezeichnet werden. "Es ist keine Streuwiese", erklärt der Friedhofsverwalter. Etwa die Hälfte der Beisetzungen findet auf einer Urnengemeinschaftsanlage statt. Kein Name bleibt hier. Auf dem kommunalen Friedhof in Laage sind in diesem Jahr 15 von 35 Bestattungen anonym. Vier Erdbestattungen sind registriert. Anders sieht das auf dem kommunalen Friedhof in Liessow aus: drei Urnen- und vier Erdbestattungen.

Dass es in Güstrow "nur" etwa 20 Prozent anonyme Bestattungen gibt, darf sich daraus erklären, dass hier Gemeinschaftsanlagen, wo Urnen beigesetzt werden und die Namen der Verstorbenen auf Steinplatten verewigt werden, seit Jahren im Trend liegen. "Da ist uns Güstrow ein weites Stück voraus", stellt der Bützower Friedhofsverwalter fest.

2004 wurde in Güstrow die erste Gemeinschaftsanlage geschaffen. Inzwischen ist die fünfte Anlage bereits gestaltet. Eine Belegung wird im nächsten Jahr erfolgen. "Bestattungen erfolgen hier der Reihe nach", berichtet Holger Büttner. Eine Ausnahme gäbe es mit der Partner-Bestattungsanlage. "Hier bleibt Platz für eine zweite Urne", erklärt der Friedhofsverwalter. Die Anlage habe man in Güstrow dieser Tage noch erweitert, um für die Wintermonate gewappnet zu sein.

Mit leichtem Bedauern, aber viel Verständnis betrachtet der Güstrower Friedhofsverwalter den Trend. "Gräber sollen heute einfach und pflegearm sein", stellt er fest. Vielfach könne diese Pflege nicht mehr geleistet werden, weil Angehörige weit entfernt wohnen, weil sie der Arbeit hinterher gezogen sind. Gleichzeitig beobachte er, dass auf den Gemeinschaftsanlagen oft mehr Blumen lägen und Pflanzen stünden, als das eigentlich vorgesehen wäre. "Das macht deutlich, dass die Menschen doch einen Ort zum Trauern brauchen, dass sie vielleicht doch pflanzen, hacken und harken möchten, weil auch das ein Stück Trauerbewältigung ist", meint Büttner.

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