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Lokales

16. Dezember 2017 | 14:12 Uhr

Befristete Verträge kontra Kinderwunsch

vom

svz.de von
erstellt am 05.Aug.2010 | 07:11 Uhr

Hagenow/Ludwigslust | Im Vergleich zu den vergangenen Jahren kommen heute mehr Frauen in die Schwangerschaftsberatung. "Letztlich wissen wir aber nicht, wie sich die Frauen, die zu uns in die Beratung kommen, entscheiden, unsere Beratungen sind ergebnisoffen", so Andrea Milkau, die Leiterin der Schwangerschaftsberatung beim DRK-Kreisverband Ludwigslust e.V. "Wir wissen aber, warum sie die Beratung aufsuchen. Es sind fast immer existenzielle Gründe", so die Erfahrung von Andrea Milkau.

Im Jahr 2009 kamen 491 Frauen zur allgemeinen psychosozialen Beratung nach Paragraf 2 Schwangerschaftskonfliktgesetz. Dabei geht es um Möglichkeiten der Familienförderung. Zur Konfliktberatung nach Paragraf 219 Strafgesetzbuch in Verbindung mit dem Paragrafen 5 bis 7 Schwangerschaftskonfliktgesetz kamen im vergangenen Jahr insgesamt 151 Frauen. Diese Beratungen nehmen nicht nur Frauen aus der unmittelbaren Region wahr, auch aus Niedersachsen, Hamburg und der Landeshauptstadt melden sich Interessenten an. Insgesamt ist in Mecklenburg-Vorpommern die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche gestiegen. Entschieden sich im Jahr 2008 noch 3111 Frauen für einen Abbruch, waren es im vergangenen Jahr 3134.

Die Sorge um die Zukunft, egal ob berufstätig, arbeitslos oder zu Hause, bringt viele Frauen in den Konflikt, sich für oder gegen ein Kind zu entscheiden.

Arbeit, Geld, finanzielle Probleme, darum machen sich Frauen oft mehr Sorgen als die Männer. Die Sparpläne der Bundesregierung machen das Ganze nicht besser. "Wenn das Elterngeld für Harz-IV-Empfänger gestrichen werden soll, ist zu befürchten, dass sich noch weniger Frauen für ein Kind entscheiden werden. Bisher beträgt der Sockelbetrag 300 Euro. Wenn diese monatlich wegfallen, kann vieles für die Kinder nicht gekauft werden", fürchtet die Beraterin.

Die weitere Zunahme der befristeten Arbeitsverträge behindern in vielen Fällen die Planungen in den Familien. Die jungen Leute wollen Sicherheit für ihre Kinder. Und Sicherheit ist bei diesen Verträgen nicht gegeben, weiß die Leiterin der Schwangerschaftsberatungsstelle. Andere junge Frauen haben nach längerer Arbeitslosigkeit wieder Aussicht auf eine Arbeit, da kommt ein Kind auch "ungelegen". Die finanzielle Unabhängigkeit vom Partner ist vielen Frauen auch wichtig.

"Ein Kind durchkreuzt in vielen Fällen die Lebenspläne junger Eltern. Wir aber versuchen, in der Beratung in die Gefühle und Wünsche der Frauen etwas Ordnung zu bringen. Es ist oft hilfreich, wenn die Frauen einen kleinen Schritt zurückgehen, sich Distanz schaffen, Zeit nehmen. Dann hoffen auch wir, dass sie für sich eine angemessene Entscheidung treffen", so Andrea Milkau.

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