Deutschlands größte Jugendherberge : Bauverzug im Koloss von Prora

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Ein halbes Jahr vor Eröffnung der künftig größten Jugendherberge Deutschlands ist das Interesse an einem preiswerten Urlaub direkt an Rügens Ostseestrand so groß, dass schon für August 2011 alle Zimmer vermietet sind.

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24. November 2010, 08:42 Uhr

Bergen | Von solch einem Buchungsstand können Hoteliers sonst nur träumen. Gut ein halbes Jahr vor Eröffnung der künftig größten Jugendherberge Deutschlands ist das Interesse an einem preiswerten Urlaub direkt an Rügens Ostseestrand so groß, dass schon für August 2011 sämtliche 96 Gästezimmer verkauft sind. Für Juli gebe es nur noch wenige freie Plätze, sagt Karen Löhnert, Vorstandschefin des Deutschen Jugendherbergswerks (DJH) in Mecklenburg-Vorpommern. Auf ihrem Schreibtisch liegt der neue Hauskatalog. Zur Internationalen Tourismusbörse im März wird er werbewirksam in Umlauf gebracht.

Doch die Vorfreude auf das neue Vorzeigeprojekt des Landesverbandes, der bereits 27 Häuser und einen Jugendzeltplatz betreibt, wird durch Bauverzug getrübt. Denn die neue Jugendherberge entsteht in einem der riesigen Kolosse von Prora, und die Umbauarbeiten stellen die 15 Baufirmen vor Ort vor bislang nicht gekannte Probleme. "Wir liegen zwei Monate im Zeitplan zurück", sagt Rügens Bauamtsleiter Rainer Roloff. Mit Improvisationen und Sonderschichten versuche man, den Einweihungstermin Ende Juni doch noch halten zu können.

Obwohl "nur" ein 150 Meter langer Teil des insgesamt 500 Meter messenden, ruinösen und durchfeuchteten Blocks V umgebaut wird, sind die Aufgaben gigantisch. Insgesamt müssen zum Beispiel 840 Fenster durch neue Verbundfenster ausgetauscht werden. Der Mega-Auftrag stellte die Fensterbaufirma vor Lieferprobleme, so dass bislang erst die Hälfte der Fenster in dem Komplex eingebaut werden konnten. Weil der sechsstöckige Bau für den Innenausbau im Winter beheizt werden muss, setzen die Bauherren bei der Abdichtung nun erst mal teilweise auf Planen.

Um die Mega-Herberge künftig ganzjährig wirtschaftlich betreiben zu können, entwickelten Experten des Fraunhofer-Instituts Stuttgart ein energieeffizientes Umbaukonzept. Es sieht neben dem Einbau dreifach verglaster Fenster auch eine 20 bis 30 Zentimeter starke Wärmedämmung an der Fassade und auf dem Dach des in den 30er-Jahren errichteten und inzwischen unter Denkmalschutz stehenden Komplexes vor. Zudem sollen im Keller eine Heizungsanlage auf Rapsölbasis und auf dem Dach eine Photovoltaikanlage installiert werden.

Auch die Innengestaltung nach Plänen des Rotterdamer Architekturbüros Kempe Thill und der Rauh Damm Stiller Planungsgesellschaft Greifswald stellt das Bauteam vor besondere Herausforderungen. Unter anderem wurde das Erdgeschoss, in dem Empfangsfoyer, Cafeteria und Speisesaal untergebracht werden sollen, wieder teilweise entkernt. Zwischenwände, die zu DDR-Zeiten in den NVA-Unterkunftsblock eingezogen worden waren, werden nun wieder entfernt. Auf diese Weise wird der ursprünglich von dem Architekten Clemens Klotz (1886-1969) entworfene Durchgang wieder frei, der sich durch den gesamten Block zieht.

Mit Ausnahme des Dachgeschosses, das erst später ausgebaut werden soll, entstehen in allen Etagen Zwei- Vier- und Sechs-Bett-Zimmer mit separaten Sanitärzellen und Seeblick. Für den Betrieb des Hauses will das Jugendherbergswerk 20 neue Arbeitsplätze schaffen. Hinzu kommen weitere Jobs bei externen Reinigungs- und Wachfirmen.

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