Bauunternehmer prüft Umsetzen von Schweriner Speicher nach Wolgast

Investor Joachim Tenkhoff  ist   häufig in Schwerin, um Gespräche zu führen und Konsens herzustellen zur  Marienplatz-Galerie.  Derweil  laufen schon die bauvorbereitenden Maßnahmen. Foto: Hentschel
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Investor Joachim Tenkhoff ist häufig in Schwerin, um Gespräche zu führen und Konsens herzustellen zur Marienplatz-Galerie. Derweil laufen schon die bauvorbereitenden Maßnahmen. Foto: Hentschel

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14. August 2008, 05:50 Uhr

Schwerin/Wolgast - Der zum Abriss vorgesehenen historischen Kornspeicher am Schweriner Marienplatz könnte den Neubau der Marienplatzgalerie überstehen.

Der Speicher, der einem Einkaufszentrum weichen soll, könnte in Wolgast in Ostvorpommern wieder aufgebaut werden. An der Stelle, wo vor zwei Jahren ein riesiger Speicher abgebrannt war.

Tenkhoff: Prüfen technische und finanzielle Konsequenzen einer Umsetzung
„Wir prüfen jetzt, ob wir das technisch überhaupt in einem vertretbaren Rahmen bringen können“, sagte der Bauunternehmer Joachim Tenkhoff am Donnerstag. Mit Sicherheit würde ein Millionenbetrag an zusätzlichen Kosten zusammenkommen, zudem würde das Vorhaben Zeit kosten.

Abriss zunächst gestoppt

Die Abrissarbeiten, gegen die eine Bürgerinitiative zu Felde zieht, sind zunächst gestoppt. Die Stadt hatte den Abriss des denkmalgeschützten Bauwerks genehmigt, um die seit Jahren verzögerte Sanierung des Innenstadtbereichs endlich in Gang zu bringen.

Wolgast springt ein

Wolgasts Bürgermeister Jürgen Kanehl (SPD) sagte am Donnerstag, die Stadt habe dem Investor angeboten, ein Grundstück für den Wiederaufbau des Speichers zur Verfügung zu stellen. Der Investor müsse jetzt prüfen, wie er eine Verlagerung eventuell unter Einsatz von Fördermitteln finanzieren könne.

Treffen zwischen Bürgermeister und Investor

Am Mittwoch traf sich der Berliner Unternehmer mit Mitgliedern der Bürgerinitiative und zeigte sich am Ende des Gesprächs "begeistert" über das Einvernehmen. Die Denkmalschützerin Prof. Dr. Sabine Bock von der Bürgerinitiative war zuvor vom Anklamer Bürgermeisterin von der Option in Kenntnis gesetzt worden. Tenkhoff bleibt allerdings bei seiner Position bezüglich der anderen Gebäude, die für einen Neubau der Marienplatzgalerie abgerissen werden müssten - "Wir werden jetzt gemeinsam nochmal über die Architektur des Centers und die Fassade beraten, am Abriss der Häuser führt aber kein Weg vorbei."

Wolgasts Bürgermeister: Umsetz-Kosten sollten drin sein

Kanehl meinte, diese Kosten sollten angesichts einer derart großen Investition in einer 1A-Lage in der Landeshauptstadt eingeplant werden können. Allerdings wäre der Schweriner Speicher kein Ersatz für den abgebrannten Kornspeicher, der für eine Nutzung als Museum im Gespräch war. Doch ließen sich auch für den kleineren Speicher sinnvolle Nutzungskonzepte finden.

Tenkhoff hat Bedingungen für eine möglich Umsetzung des Speichers

Tenkhoff betonte, dass sein Unternehmen ein Umsetzen des um 1850 errichteten Speichers ernsthaft prüfe, er dämpfte aber zu große Hoffnungen. „Ich habe noch nie einen Speicher umgesetzt“, sagte Tenkhoff, dessen Unternehmen in Berlin den denkmalgeschützten Kaisersaal auf Luftkissen in das Sony-Center verschob.

Bis zu drei Monaten, bis 50 Prozent Holz

Bei dem Fachwerkspeicher könnten die Steinfüllungen im Ganzen herausgelöst und das Holzgerüst dann auseinandergenommen werden. Wenn aber 50 oder 60 Prozent des Holzes ersetzt werden müssten, lohne die Sache nicht, sagte der Unternehmer. Zudem sei eine Bauzeitverzögerung von mehr als drei Monaten nicht vertretbar.

Streit zwischen Denkmalschützern und Galerie-Befürwortern

Zuvor kochte in Schwerin ein heftiger Streit um den Abriss des Speichers hoch - unlängst gründete sich zum Thema eine Bürgerinitiative. Investor Tenkhoff zeigte sich am Mittwoch im Gespräch mit unserer Zeitung verwundert, dass sich die Kritiker des Einkaufszentrums, denen es um den Erhalt der historischen Substanz geht, erst zu so einem späten Zeitpunkt zusammenfanden und ihre Bedenken nicht innerhalb der Bürgerbeteiligung äußerten.

Kaum juristische Chancen für Bürgerinitiative

Rein rechtlich hat die Initiative tatsächlich wenig Möglichkeiten - ein Bürgerentscheid über die Aufstellung eines B-Planes ist nach Paragraf 20 Absatz 2 Kommunalverfassung nicht zulässig. "Wir wollen aber einen möglichst breiten Konsens in der Stadt für unser Projekt", sagt Tenkhoff.

Bürgerbeteiligung bereits abgeschlossen

Einen Monat lang - von Mitte Juni bis Mitte Juli - lief die Bürgerbeteiligung zur Marienplatz-Galerie. Unterlagen waren im Stadthaus und im Internet einzusehen. In dieser Zeit konnte jeder Bürger Bedenken und Anregungen einbringen. "Die Beteiligung daran war relativ gering", sagt Bauamtsleiter Hans-Hermann Bode.

Verwaltungsakte im Gange

Die Bürgerhinweise werden jetzt für die Stadtvertreter aufbereitet, gleichzeitig wird eine Beschlussvorlage für die Sitzung im September erarbeitet. Wenn die Stadtvertreter dem Satzungsbeschluss zustimmen, sei das Bebauungsplan-Verfahren für die Marienplatz-Galerie abgeschlossen.

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