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Anwohner stoppen Baufahrzeuge und kassieren dafür eine Anzeige : Baustellenstress eskaliert in Mestlin

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Von der chaotischen Dauerbaustelle im Ort genervte Bürger blockierten am Freitag spontan eine Anwohnerstraße, durch die trotz Verbot immer wieder schwere Baustellen-Lkw rumpeln.

svz.de von
erstellt am 10.Jun.2011 | 05:43 Uhr

Mestlin | Polizeieinsatz in Mestlin: Von der chaotischen Dauerbaustelle im Ort genervte Bürger blockierten gestern spontan eine Anwohnerstraße, durch die trotz Verbot immer wieder schwere Baustellen-Lkw rumpeln. Jetzt müssen die Anwohner mit einer Anzeige wegen Nötigung rechnen. Pikant: Der Bürgermeister hat den Baufirmen die Durchfahrt erlaubt.

Weil die erst vor einigen Jahren gebaute und mit teuren Anliegerbeiträgen finanzierte Straße von den 22-Tonnern beschädigt werden könnte, handelten die Anlieger gestern, nachdem sie wochenlang vergeblich das Gespräch mit ihrem Bürgermeister gesucht hatten. Mit ihren Privatautos versperrten sie die Gartenstraße. "Wir haben unser Auto quer auf die Fahrbahn gestellt. Wir wehren uns auf diese Weise gegen die andauernde Verletzung des bestehenden Durchfahrtsverbotes für Lastkraftwagen in unserer Straße", sagten Betroffene vor Ort. Im Zuge der umfangreichen Sanierung des Wasser- und Abwassernetzes wird die Gartenstraße genutzt, um die Transporte zwischen den Baugruben und den Zwischenlagern abzuwickeln. Bürgermeister Uwe Schultze bestätigte, dass er den Bauarbeitern gestattet habe, "vorübergehend die Straße zu nutzen, um zusätzliche Kosten für die Baufirmen zu sparen".

Hanna und Hans-Joachim Klatt und weitere Anwohner sind sich einig: "Ein Bürgermeister kann nicht einfach Verkehrsschilder außer Kraft setzen". Dies bestätigte gestern auch Manfred Borchert, Mitarbeiter der kreislichen Baubehörde. Auch auf den wöchentlichen Bauberatungen sei dieses Thema nicht erörtert worden.

Gestern nun musste die Polizei schlichten. Die Situation drohte zu eskalieren. "Auch wenn die Lkw-Fahrer das Schild missachten, so haben die Bürger nicht das Recht Selbstjustiz zu üben", sagt Bürgermeister Schultze. Aus diesem Grunde hat die Polizei gegen eine der Familien eine Strafanzeige wegen Nötigung aufgenommen. Eine Anzeige der Familie gegen den Lkw-Fahrer werde geprüft, das sei aber nur eine Ordnungswidrigkeit, hieß es.

Der Baubetrieb muss nun ein zusätzliches Fahrzeug bereitstellen und "um das halbe Dorf fahren". Diese Kosten werden den Gesamtetat negativ beeinträchtigen, was man nicht gewollt habe, so der Bürgermeister. Die betroffenen Anwohner sehen die Mehrkosten nicht als erwähnenswert an und kritisieren vor allem die mangelnde Kommunikation zwischen dem Bürgermeister und den Beteiligten.


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