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Bis zu 70 Prozent weniger Kunden seit Beginn der Arbeiten : Baustelle setzt Einzelhändlern zu

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Wahr ist: Die Bauarbeiten an der Lindenstraße waren überfällig. Auch die Einzelhändler halten die Bauarbeiten für wichtig und sinnvoll. Wahr ist aber auch: Für die Einzelhändler bedeuten dies harte Einschnitte.

svz.de von
erstellt am 07.Jul.2011 | 08:44 Uhr

Ludwigslust | Wahr ist: Die Bauarbeiten an der Ludwigsluster Lindenstraße waren überfällig. Maroder Asphalt und darunter alte Leitungen - keine gute Kombination. Auch die Einzelhändler halten die Bauarbeiten für wichtig und sinnvoll. Wahr ist aber auch: Für die Einzelhändler bedeuten die Arbeiten harte Einschnitte. Dies jedenfalls zeigt eine Umfrage der SVZ unter den Einzelhändlern.

Bei Schuhhändler Thomas Warmbier liegen die Nerven bereits jetzt ein wenig blank. Die Bagger dröhnen vor seinem Schaufenster und machen das Einkaufen nicht gerade zu einem Vergnügen. Bereits kurz nach dem Beginn der Baustelle brach die Zahl der Kunden deutlich ein. "Wir spüren, dass viel weniger Menschen in unser Geschäft kommen", sagt der Einzelhändler. Und dass, obwohl der Gehsteig noch frei ist. Mit Betonung auf "noch". Denn auch die Gehsteige werden in den kommenden Wochen aufgebrochen. Unter den Betonplatten liegen nämlich die Frischwasser- und Gasleitungen, die ebenfalls erneuert werden.

Arbeitsagentur hat Initiative ergriffen

Die Arbeitsagentur informiert seit Wochenbeginn zum Thema Kurzarbeit. Ute Salis vom gemeinsamen Arbeitgeberservice der Arbeitsagentur und des Jobcenters ist in den Geschäften in der Lindenstraße und der Breiten Straße unterwegs, um Aufklärungsarbeit zu leisten. Kurzarbeit bedeutet, dass die Angestellten in der Zeit der Baustelle weniger arbeiten und dafür von der Arbeitsagentur das Arbeitslosengeld I ausgezahlt bekommen. Der Arbeitgeber wird dadurch entlastet. "Viele Einzelhändler wissen über das Kurzarbeitergeld nicht viel, weil es für sie bisher noch nie Thema war", sagt Salis.

Geschäftsleute sehnen dem Ende der Baustelle entgegen

So geht es auch Thomas Warmbier, für den die Kurzarbeit durchaus eine Option ist. "Ich kann mir vorstellen, dass wir von der Möglichkeit Gebrauch machen, wir müssen aber zuerst einmal die Entwicklung der kommenden Woche abwarten", sagt der Schuhhändler. Einen Überblick verschaffen, das will sich auch Karl Rudolf-Prill, Inhaber eines Lebensmittelmarktes in der Breiten Straße. Auch in seinem Markt sind seit Beginn der Baustelle deutlich weniger Kunden. "Eigentlich ist der Markt ohne Einschränkungen zu erreichen, aber jeder Mensch sucht sich eben den bequemsten Weg", erklärt sich Prill die Situation. Kurzarbeit sei ein Thema, aber erst im Extremfall. Er wolle vorerst abwarten, wie sich die Lage entwickelt.

Dies sei üblich, sagt Ute Salis. "Meistens müssen sich die Einzelhändler zuerst einmal einen Überblick verschaffen", so die Expertin. Sie erwartet allerdings, dass es Anträge auf Kurzarbeitergeld geben wird. "Oberstes Ziel ist es, Entlassungen zu verhindern", sagt sie. Über die Initiative des Arbeitgeberservices zeigten sich die Händler erfreut.

Von der Informationspolitik der Stadt hingegen sind einige Einzelhändler enttäuscht. "Wir wären gerne eher und konkreter von der Stadt in den Prozess hineingenommen worden", heißt es in einer Apotheke. Diese trifft es besonders hart, denn viele alte Menschen gehören zum Kundenstamm und die haben es nun schwerer, über die Baustelle zu kommen. Vom ersten Tag der Baustelle an habe es schlagartig einen Einschnitt gegeben, die Kundenzahlen seien drastisch gesunken. "Mindestens um 40 Prozent", schätzt eine Mitarbeiterin. Sogar von bis zu 70 Prozent weniger Kunden spricht Nadine Maak. Sie betreibt einen Bekleidungsladen für Kinder. "Es trifft mich härter, als ich es vorher erwartet hätte", so Maak. Sie spürt zwar das Bemühen der Stadt, aber es sei noch "Luft nach oben".

Luft nach oben, die Bürgermeister Reinhard Mach zu füllen bemüht ist. Gestern war er zusammen mit einem Mitarbeiter der Stadt in den Geschäften unterwegs. "Um O-Töne zu sammeln", so Mach. Und diese Töne waren nicht nur positiv. "Uns liegt es am Herzen, mit den Händlern in Kontakt zu sein", so Mach. Er erwarte allerdings auch ein stärkeres Miteinander unter den Händlern, etwa für eine gemeinsame Marketingstrategie. Denkbar sei etwa ein gemeinsames Baustellenbergfest der Händler zur Halbzeit der Arbeiten. Noch gebe es zu dieser Idee unter den Händlern allerdings unterschiedliche Auffassungen.

Bauleiter Dominik Rolfs versicherte, dass er und seine Mitarbeiter alles dafür tun wollen, um die Beeinträchtigungen für die Händler so gering wie möglich zu halten. Und noch eine gute Nachricht zum Schluss: Dass die Baustelle wegen der Ferien eines Baubetriebes demnächst zwei Wochen lang ruhen werde, ist nicht mehr als bloß ein Gerücht.

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