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Lokales

14. Dezember 2017 | 03:43 Uhr

Baumeister setzt auf Artenschutz

vom

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erstellt am 17.Mai.2010 | 09:27 Uhr

Bestenrade | Das dürfte der Kreis-Baubehörde gerade noch gefehlt haben: Nachdem Holzbaumeister Ernst Schönherr den Bestenrade Eiffelturm nach monatelangem Streit kappte, will er sich nun gegen den Abriss eines nachgebauten Bauernhauses wehren - mit Argumenten. Denn Schönherr ist nicht nur ein kauziger Holzbaumeister der Region, sondern auch ein Vogelfreund. Und als solcher setzt er voll auf den Artenschutz. Nachdem sich bereits Vampire der Lüfte - sprich Fledermäuse - im "Brandenburger Tor" einquartierten, bietet Schönherr Singvögeln Wohnungen im bzw. am umstrittenen Bauernhaus an. Mehrere Einfluglöcher sind bereits vorhanden. Hinzu kommen Nistkästen und -hilfen. Schnell könnte aus einem Schwarzbau eines der schwalbenfreundlichsten Häuser der Gemeinde Königsfeld werden.

Ernst Schönherr hat aber auch ein weiteres Argument, warum der Nachbau des Fachwerkhauses stehen bleiben sollte. Denn er zählt mittlerweile zu den Attraktionen in dem kleinen Dorf. Schon 132 Menschen beteiligten sich an der Unterschriftenaktion pro Bauernhaus. Darin bitten sie um den Erhalt des nachgebauten Fachwerkhauses. "Heute will ich die Unterschriftensammlung direkt an Frau Landrätin Birgit Hesse schicken. Ich hoffe, dass Frau Landrätin Gnade vor Recht ergehen lässt und dass das Bauernhaus nicht abgerissen werden muss. Ich habe doch bewiesen, dass ich einsichtig bin und stutzte den Eiffelturm von elf auf vier Metern Höhe", verdeutlicht Schönherr. Beim Bauernhaus gehts u. a. "nur" um das Kappen der Gebäudehöhe um einen Meter.

Bis zum 30. Juni hat Schönherr Zeit, der Aufforderung des Kreises Folge zu leisten. "Danach drohen mir Strafen in Höhe von mehreren hundert Euro. Dabei soll dieses Kunstwerk doch nur eine Hommage an unsere Vorfahren sein, die solche Häuser einst gebaut haben", sagt Schönherr. Er steckte ein Jahr Arbeit in den Nachbau und kündigt an, jetzt Schilder mit der Aufschrift "Betreten auf eigene Gefahr" vor dem Bauernhaus aufstellen zu lassen. "Natürlich ist das Haus sicher, was man von anderen nicht sagen kann", meint Schönherr. Dabei tippt er mit dem Zeigefinger auf ein herunter gekommenes, einsturzgefährdetes Fachwerkhaus in der Gemeinde Königsfeld. "Das ist frei zugänglich und ich musste schon Kinder ermahnen, dort nicht zu spielen. Dem Landkreis werde ich ein Bild davon gleich mitschicken", so Schönherr.

Die künst lerischen Holzscheitstapel des Bestenraders sind nur ein Kuriosum, das die Baubehörde des Landkreises beschäftigt. Leider, so Fachdienstleiterin Petra Zecher, entwickele sich nicht selten auch ein richtiger Streit zwischen Antragstellern und Sachbearbeitern. Landrätin Birgit Hesse ist wie Petra Zecher darum bemüht, das angekratzte Image der Baubehörde etwas aufzupolieren. "Ich habe gemerkt, dass eine enorme Brisanz und viel Emotionen in diesem Thema stecken. So höre auch ich von außen, das sei keine Baubehörde, sondern eine Bauverhinderungsbehörde. Aber es kommt enorm viel Engagement von den Mitarbeitern, Bauvorhaben zu ermöglichen", sagt die Landrätin.

Dafür benötigen die Sachbearbeiter aber vollständige und korrekte Unterlagen zum Beispiel für einen Bauantrag und eine daraus resultierende Baugenehmigung. "Das beginnt mit den Unterlagen nach der Vorlageverordnung, die am besten ein zugelassener Architekt erarbeitet", sagt Petra Zecher. "Dazu gehört ein Lageplan mit der Bau fläche, eingezeichneten Stellplätzen, vorgesehener Erschließung, Grundstücksgrenzen und die Geländestruktur", so die Fachdienstleiterin Bauordnung und Planung. Sie rät Bauwilligen, sich von Anfang an in der Bauaufsichtsbehörde des Landkreises beraten zu lassen. "So lassen sich im Vorfeld eventuelle Probleme aus der Welt schaffen", so die Fachdienstleiterin.

Was aus Schönherrs nachgebautem Bauernhaus wird, bleibt abzuwarten. Der Bestenrader hofft, dass sein Kunstwerk stehen bleiben darf.

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