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Lokales

23. August 2017 | 17:53 Uhr

Baum-Experte in der Mühlenstraße

vom

Warnemünde | Bäume sind Individualisten. Trotz gleichen Alters und ähnlichen Standorts können sie unterschiedlicher nicht sein. Eine Erkenntnis, die jene Warnemünder gewonnen haben, die gestern den Baum-Experten Prof. Dirk Dujesiefken beim Gang durch die Mühlenstraße auf Schritt und Tritt begleiteten. Der Inhaber und Leiter des Instituts für Baumpflege Hamburg war im Auftrag der Hansestadt Rostock nach Warnemünde gekommen, um sich ein Bild vom Zustand der 67 Linden zu machen. Werden sie die geplanten Sanierungsarbeiten in der Mühlenstraße, das Verlegen von diversen Versorgungsleitungen überstehen? Ist es sinnvoll, den etwa 130 Jahre alten Kopflinden eine Chance zu geben? Oder sollen sie durch neue Exemplare ersetzt werden? Und wie ist der Zustand der Wurzeln?

Ungünstige Bedingungen durch Umweltgifte verschärft

Experte Dujesiefken will sich umfassend informieren. Deshalb haben Fachleute der Firma ASA-Bau ganz vorsichtig mit Schaufel und Pinsel nicht wie zunächst vorgesehen die Wurzeln von zwei, sondern von vier Bäumen freigelegt. "Wenn wir hier etwas machen, dann soll es kein Glücksspiel werden. Stattdessen wollen wir versuchen, ein Grundmuster herauszufinden", sagt der Institutsleiter.

Klar wird auch dem Laien bei diesem Rundgang, dass die Bäume in der Mühlenstraße niemals ideale Bedingungen vorgefunden haben. Sie stehen wie die Häuser auf Dünensand. Darunter befindet sich Salzwasser, darüber aufgeschüttetes Material wie beispielsweise alte Ziegelsteine. In neuerer Zeit hat sich die Situation durch Hunde-Urin sowie durch Motoröle, Streusalze und andere Umweltgifte verschärft. Ganz zu schweigen von all den Leitungen, die in den Jahrzehnten kreuz und quer im Wurzelbereich verlegt worden sind. Die Bäume haben sich den Umweltbedingungen entweder angepasst oder sind teils abgestorben. Das Exemplar gleich neben der Apotheke beispielsweise hat eine armstarke Hauptwurzel ausgebildet, die unterirdisch nicht etwa in Richtung Straße, sondern in den Vorgarten eines Hauses hineingewachsen ist.

Wie Dujesiefken berichtet, ist seinem Institut die Mühlenstraße nicht fremd. Immer dann, wenn die Rostocker Baum-Fachleute sich nicht sicher sind, ob diese oder jene Kopflinde noch standfest ist, ziehen sie die Hamburger Experten zurate. "Fakt ist, dass die Bäume unterschiedlich viel Fäulnis im Innern haben. Hervorgerufen wird diese durch sogenannte Kappwunden", erklärt der Professor. Unklar bleibt, so Stefan Patzer vom Grünamt, wann die Warnemünder Linden zu Kopfbäumen geschnitten worden sind.

Während der Sanierung die Planungen anpassen

"Die Anwohner wünschen sich eine gepflegte Straße mit Gas, Telefon und Wasserleitungen. Andererseits soll der Baumbestand erhalten bleiben", erläutert Dujesiefken. Da müsse Klartext geredet und je nach Priorität entschieden werden. Dujesiefken verweist darauf, dass im Zuge einer Sanierung die Planungen dem konkreten Fall angepasst werden könnten.

Ob das während der Baumaßnahme bis ins Detail möglich sein wird, da hat Jörn Meyer seine Zweifel. Sein Ingenieurbüro nutzte gestern die offenen Straßenteile, um nach Leitungen Ausschau zu halten. "Vor zwölf Jahren gab es die ersten Planungen für die Mühlenstraße. Die sind an der Diskussion der Warnemünder gescheitert", sagt Meyer. Er verweist auf den Platz vor dem Hotel am Leuchtturm. Auch dort seien vor fünf Jahren Bäume gefällt worden. "Die, die heute dort stehen, sind eine Pracht", findet der Ingenieur.

Bis Ende August will das Hamburger Institut sein Gutachten vorlegen. Dann können solidere Aussagen zum Zustand der Wurzeln getroffen und Schlußfolgerungen für den weiteren Planungsprozess gezogen werden. Sollte die Bürgerschaft auf ihrer Sitzung am 8. September weiterhin an ihrem Beschluss zur Fällung der Bäume und zur Neupflanzung festhalten, dann werden alle wahlberechtigten Rostocker an die Urnen gebeten.

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erstellt am 20.Aug.2010 | 07:38 Uhr

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