zur Navigation springen
Lokales

22. August 2017 | 16:58 Uhr

Basis an Caffier: "Ziemlich abgehoben"

vom

Sternberg | Weniger oder keine Zuschüsse mehr für die Feuerwehr - nach einer Aussage von Innenminister Lorenz Caffier (CDU) stockt Kameraden in der Region der Atem. Caffier erklärte gerade: Feuerwehren, die nicht sieben Tage in der Woche rund um die Uhr einsatzbereit seien, würden künftig kein Geld mehr aus Schwerin erhalten. Als kurzsichtig kritisiert Sternbergs Amtswehrführer Olaf Schröder diese Idee.

Szenario: Es brennt, aber kein Mann aus dem Dorf kommt zum Löschen. Ganz so weit weg muss diese Situation nicht sein. Denn kleine Wehren könnten sich auflösen, fürchtet Olaf Schröder. Wenn, wie der Innenminister fordert, Wehren fusionieren müssen, "dann geht uns Personal verloren", so Schröder. "Wir haben Feuerwehren nicht zum Selbstzweck, damit sie Osterfeuer machen können", sagt er. Vielmehr gebe es ein funktionierendes Netzwerk an Kameraden im Amt, die sich gegenseitig bei Einsätzen unter die Arme greifen. Auch die kleinen Wehren seien dabei ein wichtiger Faktor. Würden diese verschwinden, da Schwerin den Geldhahn zudreht, fürchtet Schröder Arges. Er ist sicher: Bei Fusionen "sind ganz wenige bereit überzuwechseln". Macht der Minister also Ernst und zwingt kleine Wehren über den versiegenden Geldfluss in die Knie, werde es über kurz oder lang weniger Blauröcke geben.

Status quo: Die 13 Gemeinden des Amtes seien derzeit mit elf Wehren ausgestattet. Noch seien alle im Wesentlichen einsatzbereit. Aber: "Drei sind kritisch, an der Grenze", so Schröder. Heißt: Da die Männer und Frauen am Tage auswärts arbeiten müssen, könnten im Notfall zu wenige zum Einsatz vor Ort sein. Daher gebe es im Sternberger Amtsbereich ein ausgeklügeltes Konzept. Die größeren Wehren in Brüel, Sternberg und Dabel seien "die Achse im Amt". Im Rendezvous-Verfahren werde bei Einsätzen stets neben kleinen auch eine dieser größeren Wehren alarmiert. Es komme aber auch oft vor, dass eben die Kleinen den Großen helfen. Auch wichtig: Bei vielen Einsätzen sei Ortskenntnis gefragt. Als Anfang Mai ein Mann bei Borkow vermisst wurde, "hat die Feuerwehr aus dem Ort ihn gefunden". Auswärtige hätten keine Chance gehabt, so Schröder.

"Mich stört dieses Pauschalisieren", reagiert der Amtswehrführer auf den Minister-Vorschlag. Geld sei für alle Wehren wichtig, da Ausrüstung auf neuem Stand sein müsse.

"Ziemlich abgehoben" findet Axel Gräber, Wehrführer in Dabel, die Caffier-Aussage. Seine Reaktion: "Dann soll der Minister doch von Schwerin vom Schloss aus Brandschutz gewährleisten." Die Dabeler Kameraden haben derzeit noch keine Personalsorgen beim Einsatz, aber: "Viele arbeiten auch die Woche über in Hamburg", so Gräber. Auch Dabel sei auf die Hilfe der Kameraden aus kleinen Nachbar-Wehren angewiesen.

Zum Thema Fusionen von Wehren winkt der Dabeler ab: "Freiwillige Feuerwehr und Zwang - das widerspricht sich doch schon in sich." Axel Gräber plädiert vielmehr dafür, die Arbeit der Blauröcke mehr zu würdigen: "Die Feuerwehr hat im Dorf eine große gesellschaftliche Bedeutung." Nicht zuletzt leiste sie wertvolle Jugendarbeit. Die Dabeler Jugendwehr wurde in diesem Jahr Deutscher Vize-Meister. Ohne dieses Engagement der Wehr würden sich auch diese Jugendlichen nur langweilen und vielleicht auf dumme Gedanken kommen.

Im Amt Neukloster-Warin löst der Caffier-Vorstoß derzeit keine Sorgen aus. Alle neun Wehren seien einsatzbereit, erklärt Amtswehrführer Hans-Uwe Börner. Dennoch halte er von dem Vorschlag "gar nichts. Wenn kein Geld mehr ankommt, wird alles kaputt gemacht", so Börner.

zur Startseite

von
erstellt am 26.Sep.2010 | 04:16 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen