Auf Kompromiss-Suche in Schwerin : Barrierefreies Bauen mit Stolperfallen

<strong>Vorbildlich während der Bauphase:</strong> Ein provisorischer Bahnsteig auf dem Marienplatz war klar gekennzeichnet und auch für Rollstuhlfahrer zu erreichen. <foto>Reinhard Klawitter</foto>
Vorbildlich während der Bauphase: Ein provisorischer Bahnsteig auf dem Marienplatz war klar gekennzeichnet und auch für Rollstuhlfahrer zu erreichen. Reinhard Klawitter

Einerseits klagen immer wieder Schweriner vor allem auf dem Marienplatz über Stolperfallen. Andererseits wünschen sich Blinde und Sehbehinderte aber klare Kanten, an denen sie sich orientieren können.

svz.de von
06. März 2013, 11:30 Uhr

Für wen werden Plätze, Straßen und Wege in der Stadt saniert? Für Bürger mit einem Handicap oder für die "normalen" Schweriner? Wird nun besonders auf die mehr als 20 000 Behinderten , auf Eltern mit Kinderwagen und Verletzte mit Krücken Rücksicht genommen, oder wird der Weg geebnet für alle anderen? Offenbar bergen diese Frage einiges Konfliktpotenzial. Denn einerseits klagen immer wieder Schweriner vor allem auf dem Marienplatz, aber auch auf dem Platz der Jugend über Stolperfallen. Andererseits wünschen sich Blinde und Sehbehinderte beispielsweise klare Kanten, an denen sie sich orientieren können.

Auf dem neu gestalteten Marienplatz gibt es offenbar eine ganze Reihe von Stolperfallen. Unterschiedliche Bordsteinhöhen ließen sich aber durch die Straßenbahnsteige nicht vermeiden, hieß es dazu von der Stadtverwaltung. Und sie durch einen weißen Anstrich besser kenntlich zu machen lehnt Baudezernent Wolfram Friedersdorff aus gestalterischen Gründen ab. Auch die ebenerdige Verlängerung der Helenenstraße über den Platz hinweg macht so manchem Straßenbahnfahrgast beim Aussteigen zu schaffen. Denn manchmal kommt die Bahn so zu stehen, dass eine Tür nicht direkt am Bahnsteig liegt. Die Folge: Ein unverhoffter Schritt in eine unerwartete Tiefe. Nahverkehrsgeschäftsführer Norbert Klatt weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass behinderte und ältere Fahrgäste die mittleren Türen der Straßenbahn benutzen sollten. Dort sein ein fast ebenerdiger Ausstieg möglich. Im Übrigen wird die Quertrasse auf dem Marienplatz für Rollstuhlfahrer oder auch Eltern mit Kinderwagen gebraucht, so die Stadtplaner.

Dass nicht jeder kleine Absatz auch zur Stolperfalle werden muss, zeigt die Mecklenburgstraße. "Hier sind die für Sehbehinderte nötigen drei Zentimeter eingehalten", sagt der Chef des Behindertenbeirates Manfred Rehmer. "Von Problemen habe ich noch nie gehört." Überhaupt sei die Zusammenarbeit der Stadtverwaltung mit dem Behindertenbeirat sehr gut. "Bei allen Bauvorhaben werden wir gefragt und in so manchem Fall wird ein Kompromiss gefunden. Oft lösen wir die Probleme bei einem Vor-Ort-Termin." Rehmer will nicht, dass Behinderte und Nicht-Behinderte gegen einander ausgespielt werden. "Die Stadt gehört allen Bürgern. Wir müssen vor allem die Barrieren im Kopf abbauen." Und Baudezernent Friedersdorff sagt: "Je barrierefreier wir die Stadt gestalten, um so mehr Kompromisse müssen wir eingehen."

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