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Lokales

20. November 2017 | 06:49 Uhr

Naturschutz : Barriere für Fische verschwindet

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Eine weitere Barriere für Fische verschwindet im Gebiet der Oberen Warnow. Am Radebach bei Klein Labenz wird eine Fischtreppe gebaut, so dass die Wassertiere künftig auch flussaufwärts Richtung Labenzer See gelangen.

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erstellt am 17.Nov.2011 | 11:09 Uhr

Eine weitere Barriere für Fische verschwindet im Gebiet der Oberen Warnow. Am Radebach bei Klein
Labenz wird eine Fischtreppe gebaut, so dass die Wassertiere künftig auch flussaufwärts Richtung Labenzer See gelangen. Dieser Weg war bislang durch ein Wehr versperrt.

Die Bauarbeiten sollen, wenn die Witterung es zulässt, noch in diesem Jahr abgeschlossen werden. Abgeholzte Erlen entlang des Bachlaufes, die für die Bauarbeiten weichen mussten, werden im Frühjahr nachgepflanzt, erklärte gestern Kathrin Brozio von der Landgesellschaft Mecklenburg-Vorpommern.

Diese Gesellschaft ist Träger für ein von der Europäischen Union gefördertes Naturschutzprojekt am Radebach zwischen Labenzer See und Blankenberg. Das beinhaltet neben dem Bau des Fischaufstiegs in Höhe der Brücke am Klein Labenzer Badestrand auch den Schutz des Bibers am Radebach. Dafür kauft die landeseigene Stiftung für Umwelt und Natur fast 13 Hektar Erlenbruch vom Waldbesitzer auf.

Baumeister Biber hatte den Anstoß für das Naturschutz-Projekt am Radebach gegeben. Der hatte durch seine Bautätigkeit an Dämmen an einer nahe gelegenen Biberburg das Wasser so weit angestaut, dass es bis dicht an eine in Klein Labenz über dem Bach verlaufende Trinkwasserleitung für die Versorgung von Weiße Krug reichte. Die Gefahr bestand, dass die Isolierung der Leitung Schaden nimmt und es über den Winter zu Frostschäden kommt. Gleichzeitig standen durch die Bau tätigkeit des Bibers Waldflächen mit Erlen unter Wasser.

Mittlerweile hat der zuständige Versorger Eurawasser die Leitungen unter den Flusslauf verlegt. Der Naturpark Sternberger Seenland versuchte zudem, mit einem so genannten Bibertäuscher gegenzusteuern. So nennen sich von Menschen verlegte Drainagen im Biberdamm, die einen stetigen Abfluss des Wassers garantieren sollen, Überschwemmungsflächen eingrenzen und dem Nagstier trotzdem noch genug Lebensraum lassen.
Das brachte Entlastung, sagt Jan Lippke, der stellvertretende Leiter des Naturparks Sternberger Seenland. Aber ein Bibertäuscher sei auch mit erheblichem Aufwand verbunden. Jede Woche müssen die Drainagen kontrolliert werden, da der Biber immer wieder versucht sie zuzubauen, so Lippke. Der Aufwand wurde aber zeitweise betrieben, damit der hohe Wasserstand im Umfeld der Biberburg nicht zu viel Schaden anrichtet. Erlen sind zwar nicht so empfindlich, aber wenn sie mehr als 100 Tage unter Wasser stehen, bekommen sie Probleme, erklärt Fachmann Lippke. Vor diesem Hintergrund wurden auch Grundstücke am Ufer des Radebachs für den Naturschutz aufgekauft. Hier kann der Biber jetzt quasi schalten und walten wie er will.

Die Umgebung ist als Schutzgebiet von europäischem Rang eingestuft, als ein so genanntes FFH (Fauna-Flora-Habitat)-Gebiet. Ein zum Erhalt der Natur erstellter FFH-Managementplan beschreibt einen sehr naturnahen Bachlauf, nur in kleinen Abschnitten in der Struktur verändert, mit Vorkommen von Fischotter, Biber, Bachneunauge, Forelle, Steinbeißer und Gemeiner Flussmuschel.

Einige Exemplare dieser besonders geschützten Arten - darunter Bachneunauge und Steinbeißer - gingen am Montag beim Abfischen ins Netz. Die Fische wurden anschließend ebenso wie die Muscheln nach dem Vermessen umgesetzt. Das war nötig, um die Baugrube für die Fischtreppe freizulegen. Der Bau dieses Aufstiegs kostet rund 100 000 Euro.

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