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Lokales

11. Dezember 2017 | 04:57 Uhr

Bald Weinanbau im Bützower Land?

vom

svz.de von
erstellt am 21.Mai.2010 | 08:44 Uhr

Bützow/Gülzow | Im Landkreis Güstrow könnten Landwirte in Zukunft Wein, Aprikosen und Pfirsiche anbauen. Auch die Hirse als mediterrane Pflanze ist auf dem Vormarsch. Nasse Winter und trockene Sommer stellen Landwirte vor neue Herausforderungen in Anbau, Bewässerung und Bodenbearbeitung. Die Landesforschungsanstalt in Gülzow testet neue Anbaumethoden und Sorten. Auch Doppelernten sind im Klimawandel ein Thema. Mit einem Temperaturanstieg in Deutschland von zwei bis vier Grad rechnet der Deutsche Wetterdienst bis zum Ende des Jahrhunderts.

"Wir haben hier in Gülzow erste Weinstöcke im Anbau, um zu sehen, ob dies eine Pers pektive bietet", sagt Prof. Christian Gienapp, Leiter der Landesforschungsanstalt. Er gehe außerdem davon aus, dass bereits kurzfristig südländische Aprikosen- und Pfirsichsorten in MV wachsen. Auch hier fänden bereits erste Untersuchungen statt.

Die Sommer in MV würden länger und wärmer. Die Wissenschaftler der Landesforschungsanstalt haben in den vergangenen zehn Jahren beobachtet, "dass alle Obstsorten zehn bis 14 Tage früher in die Blüte gehen", sagt Gie napp. Die Vegetationszeit sei länger. Dadurch ließen sich auch höhere Erträge erzielen. Wichtig auch bei der Futter- und Energiepflanze Mais. Hier sei es möglich, spätreife Sorten anzubauen, "die ansonsten nur im Süden richtig wachsen können", sagt Christian Gie napp. Der Vorteil für die Landwirte: Diese Pflanzen könnten mehr Stärke und damit Energie produzieren. Der Leiter der Landesforschungsanstalt geht davon aus, dass spätreife Maissorten nach und nach auch im Norden angebaut werden.

Eine Alternative, insbesondere für den Anbau von Energiepflanzen für die Biogasproduktion, biete die Hirse. Der Zepeliner Landwirt Poppe Gerken hat damit erste gute Erfahrungen gesammelt. Zweimal hat er das Spelzgetreide bereits angebaut. "Die Hirse verträgt Wassermangel besser als Mais", sagt Ger ken. Sie sei insbesondere für leichtere Böden geeignet.

Etwa ein Drittel der Ackerfläche in MV seien "leichte Standorte", sagt Christian Gienapp. Gerade auf diesen Böden werde man in Zukunft über Beregnungssysteme nachdenken müssen. "Einige Flächen werden für die Landwirtschaft auch gar nicht mehr oder nur noch bedingt einsetzbar sein", so der Institutsleiter. Beispielsweise als Weide- und Grasland oder für den Anbau von minderwertigen Energiepflanzen. Die Hirse birge hier Zukunftspotenzial.

Gienapp sagt: "Der Klimawandel ist nicht vom Tisch zu wischen. Er ist längst eingeläutet." Auch wenn gerade nach dem jüngsten Winter und dem kalten und feuchten Frühjahr die Skepsis bei Landwirten groß sei. "Selbst Wissenschaftler haben unterschiedliche Theorien", sagt Dr. Regina Rinas, Leiterin des Bützower Landwirtschaftsamtes. Es sei noch viel Aufklärungsarbeit bei Landwirten nötig, sie für das Thema zu sensibilisieren. Da stehe man noch am Anfang der Diskussion. Verschiedene Forschungsvorhaben befassen sich mit dem Thema.

Im Vordergrund stünden momentan aber Bemühungen, "Wasser stärker und länger in der Fläche zu binden", so Rinas. Schon jetzt sei beispielsweise der Kartoffelanbau, hier im Kreis Bad Doberan weit verbreitet, ohne zusätzliche Bewässerung schwierig. Um Wasser zu binden, müssten Landwirte ihre Bewirtschaftsverfahren umstellen, was teilweise schon passiere, indem nicht mehr gepflügt, sondern gemulcht wird. "Um das Kapillarwasser zu halten", erläutert Christian Gienapp. Wichtiger denn je sei ein hoher Humusgehalt, beispielsweise durch den Anbau von Zwischenfrüchten und dem Verbleib von Stroh auf dem Acker.

Zwei Ernten pro Jahr könnten bei steigenden Temperaturen keine Seltenheit mehr sein. Wenngleich Gienapp damit rechnet, dass das Wetter in den nächsten Jahrzehnten starken Schwankungen unterliegt.

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