Bakterien gegen Prozessionsspinner

Mit der Sprühkanone werden die Insekten bekämpft.dpa
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Mit der Sprühkanone werden die Insekten bekämpft.dpa

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04. Mai 2011, 06:45 Uhr

Ludwigslust | Feuer frei: Kommende Woche greift auch die Stadt Ludwigslust in den Kampf gegen den Eichenprozessionsspinner ein. Einen Hubschrauber wie vergangene Woche vom Straßenbauamt Schwerin eingesetzt, kann sich die Stadt nicht leisten - dafür wäre die Fläche auch zu klein. Deshalb setzt die Stadt auf eine Kanone, die ein Bakterium versprüht. Dies soll die Verpuppung des Insekts verhindern. 10 000 bis 15 000 Euro ist der Stadt der Einsatz laut Umweltamtsleiter Holger Böwe wert. Denn auch im Stadtbereich breitet sich das Insekt zusehends aus. Und weil der Falter die Gesundheit des Menschen gefährdet, ist nach Ansicht von Stadtförster Karl-August Ihde schnelles Handeln geboten.

Gleich in zweifacher Hinsicht sind die Brennhaare der Raupe für den Menschen gefährlich: Der Hautkontakt mit den feinen Härchen kann eine Allergie (Raupendermatitis) auslösen. Außerdem kann das Einatmen, der durch die Luft fliegenden Härchen zu Reizungen an Mund- und Nasenschleimhaut, zu Bronchitis, schmerzhaftem Husten und Asthma führen. Bei empfindlichen Personen schlimmstenfalls gar zu allergischen Schockreaktionen.

Gefährlich sind die Haare des dritten Larvenstadiums. Dieses ist im Mai und Juni erreicht. "Deshalb ist jetzt genau die richtige Zeit für den Sprüheinsatz", sagt Stadtförster Ihde. Die Mitarbeiter der Grabower GLB GmbH versprühen das Bakterium "Bacillus thuringiensis" ab kommendem Montag. Zumindest dann, wenn das Wetter mitspielt. Denn bei dem Einsatz darf es nicht regnen. "Sonst kann sich das Bakterium nicht gleichmäßig auf den Baumkronen verteilen", sagt GLB-Geschäftsführer Dirk Prieß. Es sei wichtig, dass die Insekten mit dem Bakterium in Kontakt kommen. Dies sei sowohl über die Nahrungsaufnahme, als auch über den Kontakt möglich. Dauer des Einsatzes: höchstens drei Tage.

Für den Menschen sei das Gemisch aus Wasser und Bakterium absolut ungefährlich, sagt Prieß. Auch auf Tiere habe es keinerlei negative Auswirkungen. Einzig den Eichenprozessionsspinner hindere es an der Verpuppung. Burkhard Roloff von der Umweltschutzorganisation Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) bestätigt dies. "Das Bakterium ist die deutlich bessere Wahl als zu Insektiziden zu greifen", so Roloff.

Haupteinsatzorte der Sprühkanone sind im Stadtgebiet die Straßen "Am Brink" und Timphorstweg, in Weselstorf die Straße des Friedens, in Techentin die Eichenallee, die Bauernallee und die Techentiner Straße. Besonders pikant: In Techentin haben die Prozessionsspinner die große Eiche auf dem Kita-Gelände befallen. "Hier ist der Einsatz ganz besonders wichtig", sagt Ihde.

Die Geschichte des Schädlings im Landkreis ist jung. Noch vor wenigen Jahren gab es die Insekten in der Region nicht. "Erst vor etwa fünf Jahren wurden erstmals Eichenprozessionsspinner in Dömitz gesichtet", erinnert sich Dirk Prieß. Über Südeuropa und Süddeutschland sei der Weg der Schädlinge verlaufen.

Für eine Ausrottung ist es bereits zu spät

Doch die Ausbreitung der Population nimmt von Jahr zu Jahr zu. Gänzlich stoppen lässt sich das Vorhandensein des Insekts mittlerweile nicht mehr. "Der Einsatz kann die Population lediglich eindämmen und bewirken, dass das Problem nicht Überhand nimmt", sagt Stadtförster Ihde. Es sei überdies unmöglich, jeden einzelnen befallenen Baum zu erreichen.

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