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Lokales

17. August 2017 | 11:41 Uhr

Bahnhof: Die Not mit der Notdurft

vom

Güstrow | "Sauerei" ist noch eines der harmloseren Worte, die fallen, wenn die Taxifahrer am Güstrower Bahnhof auf das seit Monaten geschlossene Toilettenhäuschen auf dem Bahnhofvorplatz angesprochen werden. Seit mehr als einem Vierteljahr gibt es am Bahnhof keine öffentliche Toilette mehr. Ob Taxifahrer, Bahnreisende oder Touristen - alle haben am teuer sanierten Umweltbahnhof der Barlachstadt ihre Not mit der Notdurft. "Das ist der Anfang vom Ende, wenn am Bahnhof das Klo dicht macht", erbost sich Taxifahrer Andreas Schuldt. Und sein Kollege Bernd Janoschka stimmt mit ein: "Es ist ein Trauerspiel: Die Leute laufen zur Toilette und es ist dicht. Manchmal bilden sich sogar Schlangen davor." Die Folge: Viele verrichten mangels Alternative ihre Notdurft in den Büschen. Doch Urinieren in der Öffentlichkeit wird laut Bußgeldkatalog der Stadt bestraft - ein baldiger Ausweg aus dieser Misere scheint nicht in Sicht.

Diesen Eindruck bestätigen die Aussagen der Stadt und der Deutschen Bahn zu diesem unappetitlichen Problem, denn zwischen beiden läuft aktuell ein Rechtsstreit wegen des Bahnhofklos. Die Bahn errichtete die Toilette im Zuge der Umgestaltung des Umweltbahnhofs und schloss gleichzeitig einen Vertrag mit der Stadt, die das Klo betreiben sollte. "Die Betreiberverantwortung liegt laut Vertrag in den Händen der Stadt", sagt Burkhard Ahlert, Sprecher der DB AG für Mecklenburg-Vorpommern, gestern auf SVZ-Nachfrage. Doch dieser Verantwortung wolle die Stadt nicht mehr nachkommen. In einem Schreiben habe sie der Deutschen Bahn mitgeteilt, dass sie zum Betreiben der Toilette keine finanziellen Mittel mehr habe, so Ahlert. Daraufhin sei ein Streit über unterschiedliche Rechtsauffassungen entbrannt, weil laut Vertrag eine Kündigung frühestens 2011 möglich sei, so Ahlert.

Güstrows Bürgermeister Arne Schuldt bestätigt den Streit: "Die Toilette gehört der DB AG. Aber wir mussten jährlich 18 000 Euro für die Unterhaltung bezahlen. Aufgrund unserer Haushaltslage ist das nicht mehr finanzierbar." Zudem wolle doch die Bahn ihren Service vor Ort verbessern, dazu gehöre doch wohl auch eine öffentliche Toilette, ist Schuldt überzeugt.

Wer wirklich dringend aufs Klo muss, kann noch die öffentliche Toilette in der Empfangshalle des Bahnhofs nutzen, die ist aber nur zu den Öffnungszeiten des Bahnhofs zugänglich.

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erstellt am 07.Sep.2010 | 06:12 Uhr

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