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Lokales

23. August 2017 | 19:29 Uhr

Bahn-Pendler gestern früh gestoppt

vom

Güstrow | Aufregung gestern auf dem Bahnhof, aber auch an einem sonst eher unbeachteten Haltepunkt in Güstrow-Primerburg. Ein Marder hatte gegen fünf Uhr den Zugverkehr lahmgelegt (siehe Seite 1). Wer in Richtung Rostock wollten, musste Busse im Schienenersatzverkehr nutzen.

In der anderen Richtung das gleiche Schauspiel. Zwischen Schwaan sowie Plaaz und Güstrow verkehrten Busse, in Güstrow-Primerburg blieb zunächst mancher Fahrgast ratlos stehen. Maren Polzin, die täglich aus Rostock nach Güstrow zur Arbeit fährt, hörte bereits auf dem Bahnhof von dem Malheur und nahm statt des Regionalexpresses den Zug der OLA über Laage nach Güstrow. "In Primerburg war Schluss", berichtet die Mitarbeiterin der Kreisverwaltung. Zum Glück habe sie von dort bei jemandem mitfahren können. "Die Pendler kennen sich untereinander", erklärt Maren Polzin. Einige hätten schon von unterwegs eine Abholung vom Bahnhof Primerburg organisiert. Eine Stunde zu spät sei sie so an ihrem Arbeitsplatz gewesen. "Mache ich eine Stunde länger", sagt die Rostockerin und nimmt es gelassen.

Geschlagene Stunden auf Schienenersatzbus gewartet

Renate Förster war gestern etwas ungehaltener. Eine geschlagene Stunde habe sie auf dem Güstrower Bahnhof auf einen Bus gewartet. Kurz nach acht Uhr ging es dann nach Schwaan. Dort habe man nochmal eine gute halbe Stunde warten müssen. Planmäßig, wie es sich gehört, sei der Zug 9.27 Uhr dort Richtung Rostock abgefahren. "Hätte man den Zug jetzt nicht früher fahren lassen können. Es war doch sowieso alles durcheinander?", fragt sich die Güstrowerin, die seit 18 Jahren zur Arbeit nach Rostock fährt und sich auch in der gestrigen Situation die schnellstmögliche Variante gewünscht hätte.

Relativ entspannt nahms Martina Clemens, die aus Hamburg nach Hause, nach Burg Stargard unterwegs war: "Ich fahre alle zwei Wochen diese Strecke. Nachmittags kommt so etwas hin und wieder vor, aber am Vormittag ist es der erste Ersatzverkehr für mich."

Dass sich die Verspätungen bei solch unvorhersehbaren Ereignisse möglichst gering halten, haben die Bahnen Busunternehmen vertraglich gebunden, die kurzfristig freie Kapazitäten einsetzen. Martin Petsch von Güstrower Clubreisen z.B. sicherte gestern von Güstrow nach Primerburg den Anschluss: "Ich kam erst spät am Abend zuvor von einer Tagesreise wieder und hatte heute frei. Da kam früh der Anruf - kein Problem."

Von Tieren ausgelöste Vorfälle, so räumt Bahnsprecher Giesbert Gahler ein, gäbe es hin und wieder. Doch in der Regel seien es Greifvögel, die auf Isolatoren sitzen und beim Auffliegen mit dem Flügelschlag Schäden verursachen. Marder seien eher die Ausnahme. Das Güstrower Tier überlebte seinen Ausflug in die Bahnanlagen gestern erwartungsgemäß nicht.

Während Marder ihr Unwesen hauptsächlich in Häusern treiben, passt der Vorfall vom frühen Morgen für Dr. Hans-Heinich Krüger durchaus ins Bild. "Der Marder kann sehr gut klettern und kommt so einen Gittermast problemlos hoch", beschreibt der Wildbiologe des Otterzentrums Hankensbüttel am Rande der Lüneburger Heide. Dass ein so kleines Tier einen solchen Schaden verursacht, veranlasst den Experten nach den Isolierungen der Oberleitung zu fragen. Vielleicht habe es dort bereits eine Schwachstelle gegeben.

Solche Vorfälle, durch Marder verursacht, seien nicht häufig, kämen aber vor, so Krüger. Ein Grund dafür sei die hohe Population, an der der Mensch nicht ganz unschuldig sei. "Wir bieten dem Marder beste Schlafplätze und reichlich Nahrung", betont der Wildbiologe. Der Marder sei ein jagdbares Tier, doch spiele die Jagd in Bezug auf eine Bestandsregulierung kaum eine Rolle. In Deutschland kommen Marder flächendeckend vor. Sie leben als feste Pärchen in großen Revieren, die im Todesfalle sofort neu besetzt werden, berichtet Krüger.

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erstellt am 21.Sep.2010 | 07:00 Uhr

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