Bahn: In Bützow gab es nie Service

Zugreisende müssen auf dem Bützower Bahnhof ohne Hilfe von Service-Personal auskommen. Das sei immer so gewesen, erklärt der Bahnmanager. Die Stadtvertreter wenden sich jetzt an die Politik.
Zugreisende müssen auf dem Bützower Bahnhof ohne Hilfe von Service-Personal auskommen. Das sei immer so gewesen, erklärt der Bahnmanager. Die Stadtvertreter wenden sich jetzt an die Politik.

Schlechter Service für Behinderte, fehlende oder falsche Zugansagen - seitdem die Deutsche Bahn Mitte Mai ihr Personal vom Bahnhof Bützow abgezogen hat, häufen sich die Beschwerden. Rostocks Bahnmanager Ingo Mau spricht vor den Stadtvertretern von Einzelfällen und davon, dass Service eine "Herzenssache" für die Bahn sei.

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08. September 2009, 08:55 Uhr

Bützow | Seit Wochen prangert der blinde Stadtvertreter Wolfgang Wehrmann den schlechten Service auf dem Bützower Bahnhof an. Seit Mitte Mai erfüllen neue elektronische Anzeigetafeln den Job des bisherigen Personals, außerdem ein Zugansager in Rostock. Wehrmann und viele andere Reisende stellen seitdem fehlende oder falsche Zug ansagen fest. "Das gefährdet die Reisenden", sagt Wolfgang Wehrmann und spricht von einem "unhaltbarer Zustand". Er fordert deshalb die Wiedereinführung der Service-Leistungen auf dem Bahnhof Bützow.

Für Ingo Mau, Bahnmanager der DB Station & Service AG, ist genau diese Forderung unverständlich. "In Bützow gab es nie Service-Personal, sondern nur Zugansager", erklärte er am Montagabend auf der Stadtver tretersitzung. Man könne also nicht einfordern, was es nie gegeben habe. Wenn der Bahnmitarbeiter "zwischen den Ansagen" Reisenden geholfen habe, sei das der gute Wille der Deutschen Bahn gewesen.

Bützow sei nun einmal kein Einzer- oder Zweier-Bahnhof in einer sechsstufigen Klassifizierung der Deutschen Bahn. Deshalb sei auch kein Service-Personal für den Dreier-Bahnhof Bützow vorgesehen. Einen barrierefreien Bahnhof durch Aufzüge werde es in Bützow voraussichtlich ab 2012 geben, erklärte Mau.

Von gravierenden Fehlern will Mau nichts wissen. Auch gestern erklärte der Bahnmanager auf Nachfrage von SVZ: "Ich weiß nur von einer einzigen technischen Störung im Juni." Mehrfach werden die Anlagen in Bützow kontrolliert. Es habe nichts gegeben. "Unsere Mitarbeiter arbeiten alle korrekt", erklärt Mau.

Wolfgang Wehrmann, Stadtvertreter Günther Sobek und viele andere Reisenden haben da andere Erfahrungen. Mau will davon nichts wissen. "Wir sind da, wenn wir geholt werden", sagt er und verweist auf das mobile Service-Team. Das besteht aus zwei Mitarbeitern, die in Früh- und Spätschicht für mehrere Bahnhöfe zuständig seien.

Rollstuhlfahrerin Andrea Groß aus Bützow erhielt eine Absage, als sie zum Arzt nach Rostock musste. Ihr Pech: Ein anderer Hilfsbedürftiger benötigte zum gleichen Zeitpunkt ebenfalls Hilfe. "Dann wird der bedient, der zuerst angerufen hat. Dem zweiten Anrufer wird ein anderer Zug angeboten", erklärt Mau. Seit Juni habe es 52 Anfragen für das mobilen Service-Team gegeben. Überschneidungen seien selten. "Willkommen in der Servicewüste Deutschland", kommentierte Stadtvertreter Frank Schröder die Erklärungen von Ingo Mau. Er und alle Stadtvertreter stimmten der Forderung Wolfgang Wehrmanns zu, jetzt von der Landes- und Bundespolitik Positionen zum Thema einzufordern.

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