Bagger statt Blockbuster

Filmplakat 'Staub'
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Filmplakat "Staub"

Wenn Regisseur Hartmut Bitomsky für seinen Dokumentarfilm "Staub" noch einen Drehort gesucht hätte, dann wäre er im Ludwigsluster Luna-Filmtheater fündig geworden. Dort liegt Staub in der Luft, so viel, dass Maurer und Zimmerleute nur schemenhaft zu erkennen sind in einem ausgehöhlten Gemäuer, das einmal ein Kino war und wieder ein Kino werden soll - und ein Veranstaltungszentrum.

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11. Februar 2009, 06:34 Uhr

Ludwigslust | "Da oben", sagt Architekt Oliver Richter und zeigt auf eine halbrunde Öffnung, die unterhalb wuchtiger Holzbalken ins Mauerwerk geschlagen ist, "da war mal ein Fenster". Irgendwann, bei einer der vorherigen drei Umbauphasen des über neun Jahrzehnte alten Kinos, ist das Außenfenster hinter Stein und einem angebauten Treppenhaus verschwunden. Jetzt, bei der Komplett-Entkernung des Gebäudes, ist es wieder aufgetaucht. So wie Zeitungen aus dem Jahr 1920 aufgetaucht sind, die als Wärmedämmung um Rohre gewickelt waren. So wie hinter abgeschlagenem Putz Wände zum Vorschein kamen, die mit 90 Jahre alten hellen Zementziegeln und rotbraunen Lochziegeln aus DDR-Zeiten hochgezogen wurden und verschiedene Erweiterungsphasen des Kinos dokumentieren.

Wintergarten und Treppe sind verschwundenSchubkarre für Schubkarre wird Bauschutt durch die offen stehende Eingangstür geschoben und in die Schaufel eines Baggers gekippt. Dort, wo die Baumaschine steht, da waren mal Treppe und Wintergarten. "Den Wintergarten bauen wir später wieder auf, nur größer", sagt Diplom-Ingenieur Richter. Im Moment sind die Arbeiter damit beschäftigt, das Fundament für die Wände des Projektor-Raumes zu bearbeiten. Durch einen schmalen Graben drückt sich graue Betonmasse, die langsam aushärtet. Acht Meter lang, vier Meter breit - das sind die Maße des Vorführraumes, aus denen in sieben Monaten Projektoren Bilder an zwei Leinwände werfen sollen. "Es werden zwei Kinosäle gebaut. Der vordere Saal hat 40 Plätze, der hintere 70", weiß Oliver Richter. Es bedarf einer ausgeprägten Vorstellungskraft, um sich in dieses Winter kalte, dunkle Gerippe aus Stein und Holz bequeme Kinosessel zu denken, in denen Popcorn essende Cineasten auf den Hauptfilm warten. Doch so soll es mal sein, wenn die Arbeiten wie geplant bis September abgeschlossen und 1,3 Millionen Euro verbaut sind und der Ort "Veranstaltungszentrum Luna" genannt wird. Denn neben den Kinos sollen auch Kleinkunst und Veranstaltungen anderer Art Einzug halten. Bis dahin gibts noch viel zu tun - und es heißt "Bagger statt Blockbuster". Die Haustechnik muss im Keller verschwinden, die Wohnung über dem Foyer will fertig und die Dachschalung ausgebessert werden. Fenster und Türen müssen eingesetzt werden, später noch die Schallschutz- und Brandschutzplatten sowie das gesamte Kino-Interieur.

In der Übergangszeit zeigen die Luna-Betreiber Bettina Westermann und Christian Quis noch Streifen in der Turnhalle am Friedhofsweg. Der Film "Staub" ist aber nicht im Programm.

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