Bagger knackt 50 Wohnungen weg

Das gut 33 Jahre alte Wohnhaus wird nicht mehr benötigt: Wittenberge schrumpft weiter. Barbara Haak
Das gut 33 Jahre alte Wohnhaus wird nicht mehr benötigt: Wittenberge schrumpft weiter. Barbara Haak

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20. Januar 2010, 08:57 Uhr

wittenberge | Es knirscht und knackt, der Abrissbagger hat eine Betonplatte in seinem Greifer, lässt sie auf die Erde gleiten. Der Blick ist frei in eine der 50 Wohnungen, die in der Dr.-Salvador-Allende-Straße seit Montag abgebrochen werden. Blaugemusterte Tapete, hellgraue Fliesen: Das muss einmal eine Küche gewesen sein. Der Bagger greift erneut zu, reiß die nächste Platte aus der Verankerung. Nun gibt es auch die Küche nicht mehr. Die Wohnungsgenossenschaft "Elbstrom" (WGE) lässt den längs zur Allendestraße stehenden Wohnblock mit den Eingängen 14 bis 22 abtragen und reagiert damit auf den zunehmenden Leerstand in diesem Neubaugebiet der Stadt. Mittlerweile steht hier nach Angaben der WGE jede dritte ihrer Wohnungen leer. "Wir verzeichnen deutliche Wanderbewegungen aus dem Allende-Viertel in Richtung Külz-Berg", sagt der geschäftsführende Vorsitzende Karsten Korup.

Markiert der Rückbau einen Schritt in Richtung Aufgabe dieses Wohngebietes durch die Genossenschaft? "Nein", sagt Korup, davon könne jetzt nicht die Rede sein, auch wenn schon entschieden ist, "dass wir drei weitere Häuser nicht mehr vermieten, um die Leerstandsentwicklung vernünftig zu kanalisieren" Keine Neueinzüge wird es nach dem Willen der Genossenschaft in die Häuser Salvador-Allende-Straße 41 bis 49 (50 Wohnungen) und in die Eingänge 63 bis 67 (30 Wohnungen) sowie in die Kyritzer Straße 11a bis 13 b und 23 bis 29 (insgesamt 100 Wohnungen) geben. Vom Abriss dieser Häuser spricht der geschäftsführende Vorstandsvorsitzende nicht. Den Abbruch kann die Genossenschaft sich auch nicht leisten. "Bevor wir weitere Weichen in diese Richtung stellen, erwarten wir eine Neuregelung der Altschuldengesetzgebung", sagt Korup. Wie er erklärte, zahle die Genossenschaft auch nach dem Abriss weiter die auf den Häusern liegenden Kredite, die zum Bau zu DDR-Zeit notwendig waren, ab. Anders sehe es aus, hätte die WEG das vom Bund aufgelegte Altschuldenhilfegesetz in Anspruch nehmen können. Genau das habe sie aber nicht. "Am Stichtag war unser Leerstand dafür noch nicht hoch genug", sagt Karsten Korup. Er erwartet vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung, eine dringende Überprüfung dieser Regelung.

Da die Stadt weiter schrumpfen wird, werden auch künftig Wohnungen nicht zu vermieten sein, bleiben Stadtumbau und der damit verbundenen Abriss ein großes Thema. Laut Bevölkerungsvor ausschätzung, die das Landesamt für Bauen und Verkehr erarbeitete, wird Wittenberge im Jahr 2030 noch 12 500 Einwohner haben. Das entspräche einem Rückgang gegenüber 2006 um über 35 Prozent. Ähnlich stark wird das Schrumpfen übrigens nur noch für Lenzen (gut 34 Prozent auf 3000 Einwohner)prognostiziert, während Perleberg mit einem Minus von 20 Prozent auf dann 10 300 (im Jahr 2030) vergleichsweise gut abschneidet.

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