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Internationales Jugendcamp in Schlowe unter dem Thema "Verstrahlt" : Badespaß mit ernstem Hintergrund

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Das internationale Jugendcamp des Kinderrings Berlin in seinem Freizeit- und Erholungszentrum Schlowe steht dieses Jahr unter dem Thema "Verstrahlt". Als die Planung begann, waren die Castor-Transporte gerade aktuell.

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erstellt am 28.Jul.2011 | 08:39 Uhr

Schlowe | Ausgelassen springen die Mädchen und Jungen mit ihren Hüpfbällen ins Wasser. Ein Großteil hatte durchgehalten und war in kurzen Sprüngen bis zum Strand gelangt, andere kamen weniger damit zurecht, sie packten kurzerhand die mit Luft gefüllten Geräte und rannten damit ins kühle Nass. Alle tragen Schutzbrillen und weiße Overalls mit dem auf den Rücken gemalten Symbol "Atomkraft? Nein, Danke!"

Das internationale Jugendcamp des Kinderrings Berlin in seinem Freizeit- und Erholungszentrum Schlowe steht dieses Jahr unter dem Thema "Verstrahlt". Als 2010 die Planung begann, waren die Castor-Transporte gerade wieder aktuell und wurde weltweit in Richtung 25. Jahrestag der Katastrophe von Tschernobyl geschaut, erklärt Bernhard Keller, der Leiter des Camps. Die Ereignisse im März in Fukushima hätten die Brisanz noch verschärft. "Selbst wenn der Bundes tag inzwischen den langfristigen Ausstieg aus der Atomenergie beschlossen hat und daher bei uns etwas die Luft heraus zu sein scheint, bleibt große Aufmerksamkeit geboten", meint Keller. Und weil Kinder nicht nur von Diskussionen leben würden, sondern Anschaulichkeit brauchten, sei die einen Reaktor unfall nachgestellte Aktion entstanden. Eine Nachtwanderung, die die Flucht aus verstrahltem Gebiet simulierte, hatte es vorher gegeben. "Erlebte Angst" nennt Keller das. In Workshops vertieften die rund 70 Teilnehmer aus Russland, Ungarn, der Ukraine und Deutschland, von acht Jahren bis Anfang 20, das Thema, verglichen unter anderem die Produk tion von Atomenergie in den vier Staaten. "Am meisten", sagt Bernhard Keller, "berührt hier die Ungarn diese Problematik." Auch Alternativen bei der Energiegewinnung spielten eine Rolle. So stehe ein Besuch des Wasserkraftwerkes in Zülow auf dem Programm.

Das internationale Camp organisiert der Kinderring Berlin, der Mitglied des Jugendrings Parchim ist und seine Präsenz in Mecklenburg-Vorpommern verstärken will, alle zwei Jahre. Dazwischen erfolgt der Gegenbesuch junger Leute aus Deutschland. Keller arbeitet sonst als Referent in dem Jugendverband und leitet einen Kinderklub in Berlin-Pankow. Schwerpunkte der Organisation aus der Bundeshauptstadt sind Ferienlager, politische Bildung, Ausbildung von Gruppenleitern und internationale Treffen.

Stiftungen für den Jugendaustausch fördern den Aufenthalt mit 15 Euro pro Tag und Teilnehmer. "Das hilft uns mächtig, sonst wäre das Ganze nicht finanzierbar", räumt Keller ein. Das jetzige Camp dauert 17 Tage, davon einige in Berlin. Die Älteren, die schon mehrmals hier waren, würden sich jedes Mal auf Schlowe freuen, weiß Bernhard Keller. Gern helfen sie bei der Organisation. "Ganz wichtig sind auch die Deutsch-Russen, -Ukrainer und -Ungarn, weil sie beide Sprachen können. Sonst haben es diese jungen Menschen in Deutschland oft recht schwer, doch hier blühen alle richtig auf. Ihr gebrochenes Deutsch bedeutet immer noch viel mehr als das der ausländischen Gruppen", erklärt der Leiter des Camps, in dem Eigenversorgung angesagt ist. Die Teilnehmer bereiten nicht nur traditionelle und typische Gerichte aus ihren Ländern zu, sondern auch "ganz witzige Sachen".

Über Demokratie wird im Camp nicht nur gesprochen, sie wird auch praktiziert. Dazu gibt es ein Lagerparlament, das aus jeweils zwei Vertretern der Länder besteht. Der Bürgermeister wird zu Beginn direkt gewählt. Bewerben kann sich jeder. Der 16-jährige Máté Telek aus Nordungarn bekam die meisten Stimmen. Er habe das beste Wahlprogramm vorgetragen - und dabei die beste Show abgeliefert, wie Bernhard Keller schmunzelnd erzählt. Das Parlament habe beispielsweise eine Verschiebung des Frühstücks um eine halbe Stunde auf 9.30 Uhr bewirkt. Die werde abends drangehängt, wobei niemand an Fernsehen oder an Filme, die vorsorglich bereit liegen, denke, denn der Gesprächsstoff gehe nie aus.

Morgen nach dem Frühstück werden die Koffer gepackt, und am Sonntag beginnt in Schlowe ein Ferienlager mit 40 Kindern, vorwiegend aus Berlin und MV.

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