Babynahrung und Bettchen stehen auf dem Wunschzettel

von
07. Dezember 2009, 10:12 Uhr

Wittenberge | Sechs Familien mit ihren 25 Kindern haben das DRK Prignitz und die Sanitätsbereitschaft Wittenberge zur Weihnachtsfeier eingeladen. Eine Feier für Kinder, deren Eltern kaum Geld für Geschenke haben und manchmal auch nicht für ein Kinderbettchen. Armut in der Prignitz.

Unbeschwerte Stunden, raus aus dem Alltag. Ein Lächeln in die Gesichter zaubern, in denen nicht jeden Tag ein Lächeln zu sehen sein wird, umreißt Uwe Damnig von der Kreisgeschäftsstelle das Ziel an diesem Sonnabend im Wittenberger Veritaspark. Stundenlang haben Vorstandsmitglied Jürgen Jahnke und die rund 15 Mitglieder der Sanitätsbereitschaft Wunschzettel gelesen, sind auf Einkaufstour gegangen, haben Päckchen gepackt. Lebkuchen auf den freundlich eingedeckten Tischen, im Nebenraum steht schon der Beamer für einen lustigen Kinderfilm, der heute zu sehen sein wird.

Seit dem vergangenen Jahr richten die Sanitäter diese Weihnachtsfeier aus. Für ihre ehrenamtlichen Einsätze auf Volksfesten bekommen sie eine Aufwandsentschädigung, die sie nach gemeinsamer Absprache für diese von Armut betroffenen Familien stiften, erzählt Jahnke. Eine willkürliche Auswahl treffen sie nicht, vertrauen weder ihrem Bauchgefühl noch den Aussagen unbeteiligter Dritter. "Wir arbeiten mit dem Jugendamt zusammen. Sie nennen uns Adressen von wirklich hilfsbedürftigen Familien", erklärt Damnig.

Meist genügt ein Anruf und wenige Tage später liegen Wunschzettel vor. Auf denen stehen so banale Dinge wie Babynahrung, Windeln, Schuhe, Bettbezüge oder Kinderbetten. "Ja, manche Geschwister müssen sich ein Bett teilen", weiß Uwe Damnig. Und das im Jahr 2009, mitten in Deutschland. Armut beginnt nicht hinter imaginären Grenzen, sie ist mitten unter uns.

Natürlich werde auch Spielzeug gewünscht, möchten Eltern Motoriktrainer für ihre Kleinen haben, hoffen Jungs auf ein Auto. All das versuchen die Mitglieder des DRK zu erfüllen. "Dazu gehen wir auch in unsere Kleiderkammer, suchen vieles zusammen", ergänzt Uwe Damnig. Das DRK holt Familien sogar mit dem Auto ab, wenn sie sonst selbst nicht kommen könnten, so wie Katja Winterfeldt. Sie freut sich über diese Einladung, ihre zweijährige Tochter guckt neugierig. "Ich wünsche mir für meine große Tochter ein Juniorbett", sagt sie.

Jedes dritte Kind in der Prignitz gilt als arm. Uwe Damnig beobachtet, wie sich die Situation verschärfe. Im Sommer lädt der Kreisverband Kinder ins Feriencamp ein. "Wir bringen ihnen Handtücher, Unterwäsche, Schuhe mit. Alles wird gebraucht", so Damnig.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen