Autos bleiben lange herrenlos

Der Inhaber des Autohauses, Jörg Dombrowski, vor einigen seiner Modelle. Der Verkauf von Neuwagen ist für die gesamte Branche kompliziert. Foto: Sabine Uhlig
Der Inhaber des Autohauses, Jörg Dombrowski, vor einigen seiner Modelle. Der Verkauf von Neuwagen ist für die gesamte Branche kompliziert. Foto: Sabine Uhlig

"Das bringt überhaupt nichts". So die einheitliche Meinung der Verantwortlichen der Sternberger Autohäuser angesichts der von der Regierung beschlossenen Steuerbefreiung für den Kauf eines Neuwagens. Sie hoffen auf weitere Initiativen der Bundesregierung für die Not leidende Autoindustrie und schlagen als Alternative eine Verschrottungsprämie vor.

svz.de von
21. November 2008, 07:56 Uhr

Sternberg | Auf ein mieses Geschäftsjahr in Sachen Neuwagenverkauf kann das Sternberger Autohaus Dombrowski bisher zurückblicken. Zu Buche steht ein Umsatzrückgang von zehn Prozent bei Neuwagen, gab der Chef des Unternehmens, Jörg Dombrowski zu Protokoll. Und eine Veränderung sei nicht in Sicht. Daran ändere auch das beschlossene Steuerprogramm der Regierung nichts. "Kein Mensch gibt mal 15 000 Euro aus, nur damit er je nach Hubraum 100 oder 200 Euro im Jahr einspart. Das ist doch unlogisch. Dieses Vorhaben verpufft und wird sich für uns nicht bemerkbar machen", ist sich Jörg Dombrowski sicher.

Sein Autohaus auf dem Sternberger Gewerbegebiet führt die Marken Ford, Opel und Lada. Und sein Firmengelände ist gut gefüllt mit Neuwagen ab einem Preis von 7 500 Euro.

Die Leute hätten einfach nicht das Geld, um regelmäßig neue Autos zu kaufen, ist seine Überzeugung. "Hier sollte die Regierung einsetzen und sich um sichere und vernünftig bezahlte Arbeitsplätze Sorgen machen", ist seine Meinung. Trotzdem käme kein Autohaus in Ost und West jemals wieder an frühere Stückzahlen beim Neuwagenverkauf heran, ist er sich sicher. "In die Autos wird von den Herstellern von Jahr zu Jahr vieles mehr hineingepackt, sie werden sicherer, haben eine höhere Qualität und damit auch eine höhere Lebensdauer", sagt der langjährige Autohändler.

Nur Verbrauch könnte die Nachfrage erhöhen
Nur wenn irgendwann einmal ein Quantensprung beim Verbrauch passiere - vielleicht wenn der Verbrauch auf 100 Kilometer bei vier statt jetzt im Durchschnitt bei sechs Liter Benzin liegt - könne er sich vorstellen, dass plötzlich für viele Kunden ein Neuwagenkauf wieder interessant werde.

In der Sternberger Region mit seinem hohen Anteil an älteren Einwohnern, die traditionell nicht so schnell einen neuen Wagen kaufen, verlegt sich Jörg Dombrowski darum seit Jahr und Tag auf den Verkauf von Gebrauchtwagen, Jahreswagen, jungen Neuwagen bis zu einem Fahrzeugalter von drei Jahren und Neuwagen für Firmen. Zu letzterer Position schätzt er ein, dass der Verkauf in diesem Jahr auf niedrigem Niveau etwa gleich geblieben ist.

Ähnlich stellt sich die Situation auch im Autohaus Sternberg, das für die Marke VW steht, dar. Verkaufsleiter Klaus Krompholz gab in seinem Unternehmen bis Ende September einen gleichbleibenden Verkauf im gewerblichen Bereich und einen schrumpfenden Umsatz bei privaten Auto-Interessenten zu Protokoll. In der Filiale in Sternberg sind in diesem Jahr bis Ende September ganze 50 Neuwagen verkauft worden. Das sind zwar sieben mehr als 2007, insgesamt bewege sich diese Zahl jedoch auf einem sehr niedrigen Niveau. Auch er ist der Meinung, dass sich die Steuerbefreiung nicht auswirken wird, höchstens Mitnahmeeffekte auftreten.

Besser wäre eine Prämie bei einer Verschrottung Er hätte sich zur Ankurbelung des Verkaufs etwas anderes gewünscht: eine Verschrottungsaktion. "Von den 43 Millionen Autos in Deutschland sind immerhin 15 Millionen älter aus zehn Jahre alt, sieben Millionen sogar älter als 15 Jahre. Hier hätte die Regierung anknüpfen sollen und damit zugleich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: der Autoindustrie beim Verkauf und auch der Umwelt", unterstreicht er. Der Verkaufsexperte rechnet vor, dass wenn nur fünf Prozent der über zehn Jahre alten Fahrzeuge für die Verschrottung ihrer Rostlauben 1000 Euro vom Staat erhalten und sich danach für einen Neuwagen entscheiden, immerhin 750 000 Fahrzeuge nachgefragt würden. "Das wäre eine wirkliche Hilfe für die Branche", meinte er.

Ein kleiner Lichtblick seien im Moment die niedrigen Spritpreise. Sollten sie für längere Zeit auf diesem Niveau bleiben, wäre das ein Hoffnungsfunke für uns, meinte er.

Vom Autocenter Schapert in Dabel gibt es ein paar optimistische Töne hinsichtlich des Steuergeschenks der Regierung. "Vielleicht kommt ja noch was. Nötig wär`s, wenn ich an den Umsatzrückgang beim Neuwagenverkauf gegenüber dem Vorjahr denke", meinte Jürgen Schapert. Fast alle Marken kann der Interessent in diesem Unternehmen erwerben bzw. reparieren und pflegen lassen. "Bis zum 40-Tonner halten wir mit", meinte Jürgen Schapert. Doch er ist realistisch: "Ich glaub, das Geld sitzt nicht mehr so locker bei den Leuten. Auf Verkaufszahlen, wie in den 90er-Jahren werden wir nie mehr kommen", meinte er.

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