Autoren hautnah erleben

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02. Januar 2010, 08:37 Uhr

Parchim | Heerscharen von Schülern ermöglichte das Parchimer Stadtbibliotheks-Team auch im vergangenen Jahr wieder die hautnahe Begegnung mit Autoren. So freuten sich beispielsweise die Viertklässler der Parchimer Grundschule West über eine Deutschstunde, die einmal nicht in ihren Klassenräumen stattfand. Sie hatten sich auf den Weg in die Stadtbibliothek gemacht, um den Autor Uwe Kant zu erleben und seinen Geschichten zu lauschen. Der Autor von vielen bekannten Kindergeschichten wie "Das Klassenfest", "Der kleine Zauberer und die große 5", "Die liebe lange Woche" oder "Wie Janek eine Geschichte holen ging" wird in erster Linie der Elterngeneration der heutigen Schüler bekannt sein.

Kant, 1936 als viertes Kind eines Gärtners in Hamburg-Lurup geboren, verbrachte einen Großteil seiner Kindheit in Parchim. Als er drei Jahre ist, zieht seine Familie wegen drohender Bombenangriffe in das Haus der Großeltern am Burgdamm 3. Er besucht hier die Oberschule und legt sein Abitur ab bevor er als Student der Germanistik und Geschichte die Universitäten in Rostock und Berlin besucht. Nach dem Studium arbeitet Kant als Lehrer in Lübbenau im Spreewald, später dann als Literaturredakteur des "Magazins" in Berlin. Seit 1967 ist er freischaffender Schriftsteller und Journalist. In der alten Heimat lebt Kant seit nun mehr zehn Jahren wieder, er bewohnt ein Haus in Neu Ruthenbeck in der Gemeinde Friedrichsruhe.

Viele Erinnerungen und Geschichten verbinden ihn mit Parchim, das Haus seiner Großeltern beschreibt er genau und so wundert es nicht, dass prägende Kriegserlebnisse auch als Geschichten die Wege in seine Bücher finden. "Vor dem Frieden" hat er mit gebracht und liest den Kindern daraus vor. Eine Parchimer Geschichte, die von Zuckerei, Pudelmütze, dem Güterbahnhof und kleinen Holzflugzeugen erzählt, eine Geschichte, die er genau so erlebt hat, während der Kriegsjahre in Parchim.

"Die Zeit der Menschen sollte der Frieden sein", bringt Kant den Schülern nahe. "Ich betrachte das Lesen vor Kindern immer als eine gewisse Besonderheit, denn die Rückkopplung, was gefällt und was nicht, ist sofort da", vergleicht Uwe Kant kindliches und erwachsenes Publikum. Er versuche mit seiner Arbeit einen Bogen zu spannen und zu erreichen, dass sich das gerne-zuhören-oder-lesen in bunten Büchern und eine gewisse Bedeutung oder Botschaft nicht ausschließen. Ein Anspruch, der in der heutigen Zeit der grellbunten und oftmals geistlosen Medienwelt nicht hoch genug zu bewerten ist. Den Kindern gefällt, was der Autor für sie mit gebracht hat und sie hören interessiert zu. "Die Geschichten fanden wir toll, vor allem die Vor dem Frieden," sind sich Daniela Pagel und Alina Umrikhin aus der Klasse 4b einig. Und auch ihre Mitschüler hatten viel Freude an diesem Unterricht der besonderen Art.

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