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Lokales

18. November 2017 | 00:20 Uhr

Auto-Corso wie vor 20 Jahren

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erstellt am 03.Okt.2010 | 05:45 Uhr

Selmsdorf/Schlutup | Es war ein Bild wie vor 20 Jahren: Hupende Autos mit Warnblinkanlage an, Autofahrer, die winken und auf den Bürgersteigen Menschen, die klatschen. In der Luft lag ein nostalgischer Geruch. Der von Trabbis. Fünf davon waren nach Schlutup gekommen, um am ehemaligen Grenzübergang Lübeck-Schlutup das Fest "20 Jahre Deutsche Einheit" zu feiern. Nordwestmecklenburgs Landrätin Birgit Hesse (SPD) hat den kleinen Autocorso angeführt. Sie saß auf dem Beifahrersitz und lächelte. Hinter ihr nahm Ex-Landrat Udo Drefahl Platz. Es folgten vier weitere Trabbis, ein Barkas und ein Wartburg. Dort, wo sich die Menschen am November 1989 in den Armen lagen, lachten und weinten, weil der Eiserne Vorhang fiel, herrschte auch gestern wieder Gänsehautatmosphäre. "Mir kam es so vor, als wenn gerade die Grenze geöffnet wurde. Rechts und links der Straße standen die Menschen und mitten drin die vielen Trabbis", sagte Helga Janneck aus Schlutup. Ingrid Schatz, 2. Vorsitzende des Vereins Grenzdokumentationsstätte hatte bei diesem Anblick einen "Klos im Hals und sogar feuchte Augen".

Für Werner Kadura und seine Frau Monika aus Grevesmühlen kamen "unwahrscheinlich schöne Erinnerungen" hoch bei dem Anblick. Für sie dauerte die Fahrt nach Schlutup einen Tag nach der Grenzöffnung vier Stunden. "Die Grenzer aus der Bundesrepublik haben uns erst einmal einen Atlas geschenkt, damit wir uns in Lübeck zu Recht finden." Knapp ein Jahr später, heute vor 20 Jahren, am Tag der Deutschen Einheit, waren sie in Berlin am Brandenburger Tor - ein bis heute "unvergessener Tag".

Für Birgit Hesse gehört der Moment des Mauerfalls zu den "glücklichsten Stunden ihres Lebens." "Ich bin den Leuten dankbar, die damals friedlich auf die Straßen gegangen sind", sagte sie. Sonst wäre ihr Leben nämlich ganz anders verlaufen. Dann wäre die Schleswig-Holsteinerin nicht Landrätin von Nordwestmecklenburg geworden und hätte auch ihren Mann Lutz nicht kennen gelernt - einen Mecklenburger. Nach dem vergangenen Jahr war es bereits das zweite Mal in fast 21 Jahren nach der Grenzöffnung, das Ost und West gemeinsam gefeiert haben. Auf die Beine gestellt haben die XXL-Party die Gemeinde Selmsdorf und der Verein der Grenzdokumentationsstelle in Schlutup. Von der Grenzdokumentationsstätte marschierten die Gäste die 800 Meter zur Bühne auf dem ehemaligen Todesstreifen. Musikalisch angeführt von der Spielvereinigung Moisling. Dort wo gestern Abend zur Musik von Peter Schilling mehrere tausend Menschen feierten - war früher eine unüberwindbare Grenze. Mauern sind aber auch bei einigen noch in den Köpfen, sagt Lüdersdorfs Bürgermeister Erhard Huzel. "Perfekt ist noch nicht alles. Aber es ist viel erreicht worden. Was sich allerdings noch verbessern muss: das Gefühl wir gehören zusammen".

Wismars Wirtschaftssenator Michael Berkhahn sagte: "Blühende Landschaft gibt es zwar noch nicht", wie Einheitskanzler Helmut Kohl es vorausgesagt hatte. Und so richtig sei auch noch nicht zusammengewachsen, was zusammen gehöre. Aber Rom sei auch nicht an einem Tag erbaut worden. "Und was wir, die Deutschen, in 20 Jahren geschafft haben, haben die Römer nicht in 200 Jahren geschafft." Politische Prominenz aus Lübeck suchte man beim Einheitsfest übrigens vergeblich. Weder Bernd Saxe war da, noch Lübecks Stadtpräsidentin Gabriele Schopenhauer. "Ja, aber das sollte man nicht überbewerten", meint Birgit Hesse "Das liegt daran, dass an diesem Wochenende unwahrscheinlich viele Veranstaltungen sind."

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