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Lokales

24. November 2017 | 01:09 Uhr

Auszubildende auf der Erfolgstreppe

vom

svz.de von
erstellt am 26.Okt.2010 | 07:13 Uhr

Lützow | Anstatt Pumps und Kostüm trägt sie am liebsten eine beigefarbene Latzhose - Sophie Stolpe. Staub und Lärm machen ihr nichts aus. Gegen den Krach in den Werkstatthallen der Lützower Firma Treppenmeister Derstappen gibt es kleine grüne Ohrstöpsel. Hier lernt Sophie Stolpe aus Hagenow bereits im dritten Lehrjahr Tischlerin und gehört landesweit mit zu den besten Handwerkerinnen. Denn die Hagenowerin nimmt am Wettbewerb "Top Azubi 2010" teil. Die Handwerkskammer Schwerin schickt acht Lehrlinge ins Rennen - eine davon ist Sophie Stolpe.

Die 21-Jährige steht kurz vor ihrer Gesellinnenprüfung, die im nächsten Sommer stattfinden wird. Aber Tischlerin sei zunächst nicht ihr eigentliches Berufsziel gewesen: "Ein Handwerk zu lernen, das war klar. Ich hatte mich aber zunächst als Zimmerfrau beworben, aber das war dann doch zu schwer. Tischlerin ist jetzt das Beste, was ich machen konnte." Unter der beigefarbenen Latzhose trägt die Hagenowerin einen Pullover mit auffallend pinkfarbenen Streifen. Auch Ohrringe in einem knalligen Grünton gehören zu ihren Klamotten. Ein typisches Mädchen aber - das war sie noch nie. "Ich würde jetzt nicht sagen, dass nicht doch irgendwo eine kleine Tussi in mir steckt. Aber wenn die Haare mal nicht liegen, dann liegen die halt nicht. Ich setze die Prioritäten einfach anders." Dennoch verzichtet Sophie Stolpe nicht ganz auf Schönheitsprodukte - ein schwarzer Lidstrich über den Wimpern umrandet die großen graugrünen Augen.

Wenn die 21-Jährige die Werkstatthallen betritt, ist sie ganz in ihrem Element. Überall riecht es nach dem Werkstoff, von dem die Auszubildende so begeistert ist - nach Holz. Am liebsten arbeitet sie mit Buche, da es weniger reißt und einfach zu handhaben ist. Für das Naturprodukt hat sie schon in der Kindheit und Jugendzeit viel übrig gehabt. "Ich hab mit meinem Vater früher schon viel gebaut und gebastelt." Und das hat sich bis heute gehalten. Sei es ein Gartentor oder eine Tür, die im Haus ihrer Eltern oder Großeltern erneuert werden muss, all das macht Sophie Stolpe freiwillig und sehr gern. "Seit Beginn meiner Lehre ist das mein Privileg, die handwerklichen Arbeiten zu Hause zu erledigen."

Nicht nur das Arbeiten mit Holz bringt ihr sehr viel Spaß, auch mit ihren Kollegen versteht sie sich gut. Neben der 21-Jährigen arbeitet noch eine Gesellin und eine Auszubildende im ersten Lehrjahr bei der Lützower Firma. Und auch in der Berufschule ist Sophie Stolpe nicht die einzige Frau. Aber mit Vorurteilen hat sie nie zu kämpfen gehabt. Im Gegenteil - mit Männern zu arbeiten sei besser: "Die sind einfach entspannter, nicht so zickig und sie gehen nicht wegen jeder Kleinigkeit auf die Palme."

Abwechslung findet die Tischlerin in ihrer Freizeit - da arbeitet sie für den Arbeiter-Samariter-Bund im Sanitätszug. Auch das ist eher ein männlicher Job, aber das stört die 21-Jährige nicht. "Mir haben schon immer die Aufgaben von Jungs mehr Spaß gebracht." Und ihr Hobby ist ihr dabei noch bei der alltäglichen Arbeit sehr hilfreich. Denn wenn etwas in der Werkstatt passiert, ist Sophie Stolpe sofort zur Stelle und kann Erste Hilfe leisten. Bis zu ihrer Gesellinnenprüfung ist noch ein bisschen Zeit, aber einen Plan hat sie jetzt schon. "Ich weiß genau, wie mein Gesellenstück aussehen soll."

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