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Auswanderer aus Güstrow : Auswandern: Schock oder Chance?

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Für viele Jugendliche ist es ein Albtraum: Die Eltern haben einen neuen Beruf gefunden und wollen ans andere Ende der Welt ziehen. Das Horrorszenario: die guten Freunde verlieren und die Sprache nicht sprechen können.

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erstellt am 07.Apr.2011 | 08:49 Uhr

Güstrow | Für viele Jugendliche ist es ein Albtraum: Die Eltern haben einen neuen Beruf gefunden und wollen ans andere Ende der Welt ziehen. Das Horrorszenario: die guten Freunde verlieren, die Sprache nicht sprechen können und in der Schule versagen. Klecks hat zwei Gegenbeispiele gefunden, zwei ehemalige Güstrower.

"Ich war nicht geschockt. Aber es war ein komisches Gefühl", erinnert Lennard Radtke sich an den Tag, als seine Eltern ihm von ihren Plänen erzählten. Der 13-jährige ist im Dezember vergangenen Jahres nach Geelong nahe Melbourne in Australien umgezogen. "Wir hatten es aber schon seit 2008 geplant", erzählt Lennard. Seine Familie habe ihm und seiner Schwester sehr geholfen. "Wir haben viel darüber geredet, so konnte ich mit der Ungewissheit gut umgehen." Dennoch versuchte Lennard, in der letzten Zeit in Güstrow, jeden Moment mit meinen Freunden zu genießen. Lennards Eltern wollen, wie sie es in Deutschland schon hatten, ein Catering-Unternehmen aufbauen. "Deshalb sind wir auch hierher gezogen. Die Australier lieben es, sich bekochen zu lassen und sie geben schneller Geld aus als Deutsche", begründet Lennard den Umzug.

Vom Flachland ins Alpenland: Abschied fiel schwer

Ebenfalls wegen der Berufe ihrer Eltern ist Julia Martens umgezogen. Sie wohnt seit Sommer 2009 in Remigen in der Schweiz. "Das ist ein Dorf im Kanton Argau, nahe der Grenze zu Deutschland", erklärt sie. "Mein Vater hat hier ein Jobangebot bekommen, welches ihn sehr interessierte." Zuerst ist deshalb ihr Vater ins Alpenland gezogen, dann ist sie mit ihrem Bruder und ihrer Mutter gefolgt. Als ihre Eltern etwa ein Jahr vor dem Umzug anfingen zu planen, hatte sie eigentlich kein Problem damit. "Zuerst sollte alles ganz schnell gehen. Da ich nach der sechsten Klasse sowieso die Schule hätte wechseln müssen, war es mir egal, ob ich nun auf der neuen Schule oder in der Schweiz neue Freunde finden müsste." Der Vorgang zog sich jedoch in die Länge und Julia wechselte aufs John-Brinckman-Gymnasium. Da sie noch ein gesamtes Schuljahr auf der neuen Schule verbrachte, war der Abschied dann doch schwerer als gedacht. "Ich hatte schon neue Freunde gefunden, von denen ich mich jetzt verabschieden musste."

Bei Lennard war das ähnlich, wie Julia hat er noch Kontakt mit einigen Freunden, "mit vier oder Fünf Leuten", sagt Lennard. Die ersten Wochen in Australien verliefen für Lennard "ganz okay". Die Familie war einige Wochen auf der Suche nach einem Haus, wohnte bis dahin in einem Hotel und in einem Ferienhaus. Mittlerweile hat die Schule begonnen. "Ich habe schon viele Freunde gefunden und die Sprache verbessert sich mit jedem Tag." Er wurde von der 455 Schüler zählenden Schule sehr gut aufgenommen und fühlt sich sehr wohl dort. "Außerdem bin ich in einen Fußballverein eingetreten. Demnächst steht schon das erste Testspiel an," berichtet der ehemalige GSC-Fußballer. "Man sollte nicht warten, bis die Mitschüler einen ansprechen, sondern auf sie zugehen und eigenständig versuchen, Kontakte zu knüpfen."

Julia hat an die ersten Tage in der Schweiz weniger gute Erinnerungen. "Der erste Schultag war grausam. Ich kannte niemanden, aber vor allem verstand ich auch nicht viel, von dem was sie sagten, da das Schwitzerdütsch gewöhnungsbedürftig ist." Inzwischen rutsche ihr aber auch schon das ein oder andere Wort in dem Dialekt raus. "Insgesamt ist die Schule hier sehr anspruchsvoll. Es wird zum Beispiel viel Wert auf Französisch gelegt, da musste ich viel nachholen", erzählt Julia.

Deutschland vermisse sie nicht wirklich, außer natürlich ihre Freunde. Aber diese sieht sie, anders als Lennard, hin und wieder. "Letztes Jahr waren wir viermal in Güstrow." Dieses Jahr soll es aber nicht so oft sein. "Die Schweizer sind alle sehr freundlich und aufgeschlossen und haben uns sehr gut aufgenommen", erklärt die gebürtige Güstrowerin.


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