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Lokales

22. September 2017 | 20:37 Uhr

Ausgerasteter Bauer im Gefängnis

vom

svz.de von
erstellt am 22.Jun.2010 | 07:32 Uhr

Parchim | Der Landwirt aus Damm bei Parchim, der in der Nacht zu Montag mit einem schweren Traktor samt Ladeschaufel das Haus seiner Tochter rammte und das Eingangstor durchbrach, muss ins Gefängnis. Das Parchimer Amtsgericht erließ gestern Haftbefehl wegen Zerstörung von Bauwerken und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte. Ein offenbar seit zwei Jahren schwelendes bäuerliches Familiendrama war am späten Sonntagabend eskaliert. Erst der Zugriff eines Sondereinsatzkommandos (SEK) der Polizei stoppte die Attacke des 53-jährigen Bauern und drei seiner Kinder auf eine vierte Tochter und deren Lebensgefährten.

Der aus Holland stammende Landwirt drehte offenbar wegen eines Feuerwehreinsatzes auf seinem Hof durch. Der 53-Jährige wollte danach mit seinem Traktor das Haus seiner Tochter Niesina B. (27) im Nachbardorf Malchow dem Erdboden gleich machen. Vier Erwachsene und ein sechsjähriges Kind feierten dort den Geburtstag des Lebensgefährten. Mit einem zweiten Schlepper und im Pkw rückten die Kinder des 53-Jährigen zur Unterstützung an - und stürmten mit Eisenstangen, Knüppeln und Holzlatten auf Polizeibeamte des Parchimer Reviers los, die den Streit schlichten wollten. Erst mit gezielten Schüssen in die beiden hinteren Treckerreifen konnten die beherzten Polizisten den Ackerschlepper im letzten Moment stoppen. Das Sondereinsatzkommando nahm schließlich nach Mitternacht die geflüchtete Bauernfamilie auf dem Gelände einer Tankstelle in Lübesse (Kreis Ludwigslust) fest. Gegenüber der Staatsanwaltschaft sagte der Bauer später aus, er habe den Traktor wegen eines technischen Defekts nicht stoppen können.

Anlass für den Ausbruch brutaler Lynchgewalt waren offenbar seit Jahren schwelende Familienstreitigkeiten. Am Sonntag gegen 22 Uhr war das Feuer auf dem Dammer Hofgelände des 53-jährigen Landwirts ausgebrochen. Nach Auskunft der Freiwilligen Feuerwehr Parchim brannten Abfälle - Holz, Dachbinder und Reifen - direkt neben dem Stallgebäude. Schon während der Löscharbeiten fielen der Landwirt und seine 17- und 15-jährigen Söhne sowie eine weitere 19-jährige Tochter durch wütende Ausfälle auf. Sie sollen gerufen haben: "Das haben wir alles Niesina und ihrem Mann zu verdanken." Oberstaatsanwalt Stefan Urbanek von der Schweriner Anklagebehörde bestätigte, dass der Landwirt seiner älteren Tochter unterstelle, das Feuer gelegt zu haben.

Vor Ort schien eine andere Variante den Hassausbruch zu erklären. Danach war dem Landwirt gar nicht recht, dass die Feuerwehr anrückte. Er soll gerufen haben: "Für so ein kleines Feuer kommt ihr?" Dieser Schilderung zufolge sei die Bauernfamilie erst wegen der Alarmierung der Feuerwehr, für die sie Niesina B. verantwortlich machten, mehr und mehr in Rage geraten. Immerhin könnte ein Verfahren wegen umweltgefährdender Abfallbeseitigung drohen.

Niesina B. soll seit zwei Jahren ständig von ihrem Vater und ihren Brüdern attackiert werden. Damals trennten sich die Eltern, die Mutter soll in ein Frauenhaus geflüchtet sein. Einige Kinder, auch Niesina B., sollen zur Mutter halten. Am Tag nach dem nächtlichen Angriff kämpfte die 27-Jährige mit den Tränen: "Haufenweise Anzeigen gegen meinen Vater wegen Sachbeschädigung und Körperverletzung liegen vor. Er ist unberechenbar. Niemand hilft uns. Der hat einen Freifahrtschein."

Der väterliche Stall in Damm brannte schon einmal ab. Im November 2006 waren dabei sechs Kälber in den Flammen umgekommen - Brandstiftung nicht ausgeschlossen.

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