Aus jedem Bild schaut die Sonne

Drei  Bilder mit   Eindrücken von seiner Thailand-Reise in diesem Herbst hat Götz Schallenberg bereits gemalt. Dazu gehört auch die weltweit bekannte Kulturlandschaft  mit dem so genannten James-Bond-Felsen im Phang-Nga-Nationalpark.Rüdiger Rump (2)
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Drei Bilder mit Eindrücken von seiner Thailand-Reise in diesem Herbst hat Götz Schallenberg bereits gemalt. Dazu gehört auch die weltweit bekannte Kulturlandschaft mit dem so genannten James-Bond-Felsen im Phang-Nga-Nationalpark.Rüdiger Rump (2)

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01. November 2010, 08:24 Uhr

Kuwalk | Drei Bilder - Eindrücke einer Reise zeigen, die Götz und Sybille Schallenberg im Herbst nach Thailand führte - sind fertig. Sie ergänzen die Auswahl der Werke, die der Maler und Grafiker seit der Kuwal kade im Sommer, übrigens die Nummer 12B statt der 13, auf dem Künstlerhof in Kuwalk ausstellt. Die in Acryl gemalten Landschaften bekunden in leuchtenden Farben Freude am Sehen und Erleben, geben Zeugnis mediterraner Lebensweise. Und aus jedem Bild schaut die Sonne. "Als Energiespender und Kompositionsträger innerhalb des Bildes", sagt Schal lenberg. "Ich stelle sie manchmal auch dorthin, wo sie eigentlich nicht scheint, im Norden."

Kuwalk, das einzelne Gehöft, liegt etwa 50 Meter nach Brandenburg hinein, ist von dort aber nicht direkt erreichbar, sondern nur über das mecklenburgische Klein Pankow oder Kreien, erklärt der Hausherr schmunzelnd. Selbst die Post muss von Meyenburg aus diesen Umweg fahren, rund 30 Kilometer. Der einzige Zufahrtsweg aus der Prignitz sei an Privat verkauft worden und seitdem dicht. Schallenbergs erwarben den Resthof 1984, bauten schrittweise Stallungen zu Atelier und Gästehaus sowie für ständige Ausstellungen aus.

Der Künstler war zuvor Direktor des Otto-Nagel-Hauses in Berlin. "Doch die DDR-Führung zog die Schrauben für Kunstschaffende immer mehr an. Das konnte ich nicht mittragen und legte aus Protest meinen Posten nieder." Wie andere in den Westen gehen wollte er nicht. "Das wäre konsequent gewesen. Aber ich hatte eine Familie mit drei Kindern und keine Ahnung, wie ich mir im Westen eine Existenz aufbauen könnte." Deshalb entschied sich Schal lenberg mit seiner Frau zur Flucht aufs Land, erfuhr Demütigungen durch Kultur-Obere sowie ein "indirektes Arbeits- und Ausstellungsverbot"; später engagierte er sich hier mit "Kunst im Dialog" für die Wende. Seine erste Ausstellung 1991 in Hamburg, der weitere unter anderem in Wuppertal und Munster folgten, habe ihm viel Selbstvertrauen gegeben. "Ich fand endlich wieder Anerkennung für meine Arbeit, nachdem ich jahrelang abgemeldet war", blickt der 65-Jährige zurück.

Er hat die Landschaft der Region bis nach Plau am See in verschiedensten Facetten gemalt. "Ich könnte sofort eine Ausstellung rund um Kuwalk machen", versichert Götz Schallenberg. Doch mit der Reisefreiheit hätten andere Motive Vorrang erlangt. "Zuerst waren wir nach Tunesien, das kostete damals am wenigsten. Als wir dann in Karthago standen, hat es Klick gemacht", erinnert er sich.

Auf einer Weltkarte im Atelier kennzeichnen Pinnnadeln jedes bishe rige Reiseziel in nunmehr 50 Ländern. Dicht an dicht stehen sie auf Griechenland und den umliegenden Inseln. Lebensart und Geschichte hätten es den Schallenbergs angetan. "Wir wechseln aber auch öfter von kulturell zu naturell geprägten Landschaften wie die Rocky Mountains. Aber hier, die USA, sind ein leerer Fleck. In die Städte müssen wir nicht. Und wenn kein Geld für Reisen da ist, bleiben wir zu Hause. Es ist hier doch auch schön, jetzt der goldene Herbst."

Auf den Reisen macht der Maler erst Studien, Skizzen und Fotos für Details. An einem Tag Badepause überträgt er alles in Pastell und Aquarell, die Eindrücke seien dann noch frisch. Zu Hause entstehen die Gemälde in Acryl und Großformat. Begeistert erzählt Schallenberg von Thailand. Allerdings habe ihn dort die deutsche Wirklichkeit eingeholt, fügt er kopfschüttelnd hinzu. Die kommunale Verwaltung ließ in der Zeit ohne Information sein Konto sperren - weil er die Müllabfuhr nicht bezahlt hatte. "Die findet hier auch nicht statt, ich soll den Müll in Säcken nach Wilsen bringen", schimpft der Kuwalker. Einen halben Tag habe er von Thailand aus herumtelefoniert, um wieder an Geld zu kommen.

Derzeit habe er sein viertes Bild aus dem Land in Arbeit und die Mappe noch voller Skizzen. Die aktuelle Ausstellung dauere bis Januar. Dann beginnt die Winterausstellung mit erotischer Kunst: Porträt, Figur, Akt. Und bei der 14. Kuwal kade Ende Juli 2011 heißt es "Im Fokus der Mensch".

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