Aus für Slater Charterbasis

Kuhnle-Tours verabschiedet sich von Slate. Fotos: Wolfried Pätzold
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Kuhnle-Tours verabschiedet sich von Slate. Fotos: Wolfried Pätzold

Die Kuhnle-Tours GmbH, der nach eigenen Angaben größte Hausbootvermieter Deutschlands, hat seine Charterbasis in Slate überraschend aufgegeben. Für Parchim, dass sich zur maritimen Drehscheibe auf der Elde-Müritz-Wasserstraße mausern will, ist es ein derber Rückschlag.

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06. Januar 2009, 10:31 Uhr

Parchim-Slate | "Kuhnle-Tours zieht um. Im Frühling wird Schwerin zum neuen Heimathafen der Hausbootflotte", heißt es in einer Pressemitteilung, die den Medien zum Jahresende vom Stammsitz des Charterunternehmens im Hafendorf Müritz in Rechlin übermittelt worden ist. "Die bisherige Basis in Parchim-Slate wird geschlossen", endet die Meldung lapidar. "Es ist eine Entscheidung für Schwerin und nicht gegen Parchim", beschwichtigt Pressesprecherin Eva Irina Mühleck im Gespräch mit unserer Redaktion. "Unsere Charterfirma wird im Jahr der Bundesgartenschau sechs Boote in der mecklenburgischen Landeshauptstadt stationieren. Direkt unterhalb des Schlosses können die Bootscrews dann ihr Hausboot übernehmen und zu Törns über die Stadtseen, den Bugaaußenstandorten oder auch in Richtung Elbe oder Müritz ablegen", wirbt der Marktführer für seinen neuen Hafen.

Wirtschaftsamt der Stadt völlig überraschtHolger Geick, Chef des Wirtschaftsamtes der Parchimer Stadtverwaltung, erfährt erst durch die Anfrage unserer Redaktion vom Rückzug der Kuhnle-Tours-Gruppe aus der Kreisstadt. "Einfach schade! Das wirtschaftliche Umfeld hat gestimmt. Es bleibt abzuwarten, welche Auswirkungen die Entscheidung auf die Region hat", so der auch für den Tourismus zuständige Verwaltungsbeamte.

Parchim trifft die Schließung der Charterbasis mehrfach. Mit der Ansiedlung vor rund 14 Jahren war der Ortsteil Parchims bei Hausbootfreunden aus ganz Europa ins Visier gerückt. In unzähligen Hochglanzkatalogen wurde so auch für das Image von Parchim und die wichtige Wasserstraße geworben. Das Hausbootunternehmen verfügt inzwischen über 130 Schiffe, zählte 2008 etwa 18 000 Gäste und fuhr einen Umsatz von rund acht Millionen Euro ein.

Nachdem sich die Kreisstadt auf die Fahnen geschrieben hat, sich zum maritimen Drehkreuz auf der Elde-Müritz-Wasserstraße zu entwickeln, passte die Charterbasis am Stadtrand haargenau ins Konzept. Schließlich nutzten auch viele Kuhnle-Kunden, die ihr Hausboot in Slate in Empfang genommen hatten, den Wasserwanderrastplatz am Fischerdamm als ersten Anlaufhafen.

Besonders bitter ist die Entscheidung auch deshalb, weil Kuhnle die Bundesgartenschau zum Anlass für einen Umzug nach Schwerin nimmt, wo sich Parchim als Außenstandort der Buga tüchtig ins Zeug wirft.

Die Stege im Slater Hafen, die Anfang der 90-er Jahre von den Inhabern des dortigen Hotel- und Gaststättenbetriebes "Slater Fährhaus" aufgebaut worden sind und an die Charterbasis verpachtet worden waren, bleiben auf jeden Fall erhalten. "Der Vertrag wurde zwar kurzfristig gelöst, aber wir bleiben gelassen", so Inhaberin Ulla Meier. Nachdem bekannt geworden war, dass Zuwachsraten im Hausbootgeschäft vor allem auf der Müritz zu erzielen sind und die Nachfrage in Slate zurückging, hatte man vor Ort ohne hin mit einer Reaktion gerechnet.

Hafeneigner will nun selbst durchstartenUlla und Wolfgang Meier wollen nun die Chance beim Schopf fassen, und die Anleger komplett für die eigenen Gäste nutzen. "Bei uns kann nun jeder mit seinem Boot anlegen und die Einrichtungen unseres Hauses nutzen. Auch die Dieseltankstelle ist begehrt", meint die Chefin des Slater Fährhauses. "Und vielleicht interessiert sich ein neuer Bootsvermieter für diesen schönen Platz", so die Geschäftsfrau zuversichtlich.

Peter Menzel, der bisher den Hut in der Charterbasis in Slate auf hatte, wechselt nach Unternehmensangaben zum neuen Schweriner Hafen. Offen ist, ob die Reinigungskräfte ihren Job an anderen Unternehmensstandorten fortführen können.

Kuhnle-Sprecherin Eva Irina Mühleck ist sich sicher, dass die Kunden auch weiterhin von Schwerin aus zu Fahrten in Richtung Mecklenburger Seenplatte aufbrechen werden. Selbst die vergleichsweise hohe Anzahl von Schleusen - von Schwerin bis in die Müritz sind zehn Schleusen zu passieren - erlauben weiter Vier-Tage-Fahrten durch eine wunderschöne Natur. Dabei könnten die Hobby-Kapitäne und ihre Besatzungen dann auch Parchim einen Kurzbesuch abstatten.

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