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Lokales

13. Dezember 2017 | 00:46 Uhr

Auftakt mit Zeitreise

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erstellt am 27.Mai.2010 | 07:43 Uhr

Perleberg | Weit zurück in die Vergangenheit reisten am Mittwochabend die zahlreichen Gäste, die zum Auftakt der Veranstaltungen im Kulturland Brandenburg 2010 in den großen Sitzungssaal des Rathauses kamen. Frauengestalten stehen in diesem Jahr im Blickpunkt der Kampagne. Die Perleberger arbeiten sich dabei bis Oktober auf dem Zeitstrahl nach oben. Der Auftakt gab vorgestern Anna Hasse (geb. 1645), weiter geht es dann mit Dorothea Ritter (1714-1762), Lotte Lehmann (1888-1976) und Frieda May (1903-1975).

Um die Lebensumstände der Anna Hasse etwas genauer zu ergründen, hatte man sich mit Dr. Matthias Rogg vom Militärgeschichtlichen Forschungsamt Potsdam einen ausgewiesenen Experten zum Thema 30-jähriger Krieg in die Rolandstadt geholt. Als zweite des Frau des Perleberger Bürgermeisters Matthias Hasse begleitete sie ihren Mann in den schweren Jahren nach dem 30-jährigen Krieg, zog dessen neun Kinder aus erste Ehe und weitere neun gemeinsame Sprösslinge auf. Ihre Lebensleistung ist in Perleberg eng mit dem Rathaus als Wirkungsort ihres Ehemannes verknüpft.

In den Kriegsjahren mussten Perleberg und die die Prignitz schwere Verluste hinnehmen. Menschen kamen in großer Zahl ums Leben oder flüchteten: "Während 1618 in der Stadt 5000 Familien registriert waren, zählte man 1652 nur noch 2000 Familien" hatte Dr. Matthias Rogg recherchiert. Belegt ist auch, dass Perleberg Ende 1638 mehrfach geplündert wurde.

Was die Familiengröße der Hasses anbelangt, so war sie mit insgesamt 18 Kindern für die damaligen Verhältnisse überdurchschnittlich und Anna mit ihren nur 18 Jahren, als sie am 20. Januar 1663 in die Ehe mit dem 22 Jahre älteren Matthias Hase einwilligte, unterdurchschnittlich jung. Im Schnitt hatte ein Haushalt im 17. Jahrhundert vier bis sechs Personen, so Rogg, und geheiratet wurden ebenfalls recht spät. "Die Frauen waren zur Eheschließung etwa 28 bis 30 Jahre alt." In gut situierten Haushalten gab es allerdings mehr Kinder, schon allein weil die Sterblichkeit geringer war. Die Figur der Anna Hasse dient bereits länger als Identifikation für Perleberg, das ja überregional mit seinem historischen Stadtkern und der damit eng verknüpften Geschichte wirbt. Als weiteres Maskottchen konnte Bürgermeister Fred Fischer eine echte Hasse gewinnen, zumindest was den Familiennamen angeht: Elisa Hasse. Sie besucht die 7. Klasse des Gymnasiums und soll die Stadt künftig mit repräsentieren.

Unterdessen hatte sich Dr. Matthias Rogg vorgestern tatsächlich noch in der Rolandstadt verliebt, bei einem Stadtrundgang mit Martina Hennies als sachkundiger Begleiterin. "Ich komme im Sommer auf jeden Fall wieder, auf dem Motorrad, und bringe meine Frau mit", versprach er.

Kulturlandprojekt: Die weiteren Veranstaltungen

16. Juli, 19 Uhr, Jacobi-Kirche: Sentenzen zur religiöser Hoffnung in Notzeiten, Referent: Hans-Georg Furian
25. Juli, 15.30 Uhr: Kaffeekränzchen sowie Stadtführung für Frauen und Mädchen
15. August, 15.45 Uhr, Kino: Film „Lotte Lehmann – Stimme des Herzens“; ab 17 Uhr Diskussion mit Regisseurin Rita Lucia Nasser
16. Oktober, 10 Uhr: Schaustelle Stadtkern, Thema: Kriegsende und Flüchtlingsschicksale in Perleberg

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