"Aufgeben kommt nicht in Frage"

23-28533193.jpg

von
12. August 2009, 09:26 Uhr

Neu Gülze | Mitten im dicksten Berufsverkehr kam es am Mittwoch morgen auf der B 5 zwischen Boizenburg und Lauenburg zu kilometerlangen Staus. Weder Unfall, noch Baustelle, und trotzdem ging es zwischen Boizenburg und Lauenburg nur im Schritttempo vorwärts.

Sechs Gespanne bremsten den Berufsverkehr ausDie Schlange bildete sich hinter sechs Traktoren, jeder von ihnen zog eine Bodenbearbeitungsmaschine. An den Steuern saßen aufgebrachte Milchbauern aus der Boizenburger Umgebung. Wie beispielsweise Hans-Jürgen Michalska, jun. aus Neu Gülze. Der 29-Jährige ist fest entschlossen, um einen fairen Milchpreis zu kämpfen.

Seit Mai vergangenen Jahres laufen zielgerichtete Aktionen. Es gab u.a. Lieferboykotts, Besetzungen von Molkereien (betroffen war da auch Danone in Hagenow, die der Familienbetrieb Michalska aus Neu Gülze mit Milch beliefert), Demonstrationen in Berlin (wo Milchbäuerinnen vor dem Kanzleramt in den Hungerstreik getreten waren) und im belgischen Brüssel (zu jenem Zeitpunkt, als die Regierungschefs der EU tagten) sowie auch in Schwerin. Politiker versprachen, sich diesem Problem annehmen zu wollen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wollte es sogar zur Chefsache machen.

"Alles, was bislang passierte, war ein freier Fall des Milchpreises", resümiert der gelernte Meister für Landwirtschaft. Er ist, wie alle Milcherzeuger, von der Politik enttäuscht. Er spricht über einen Kampf um die blanke Existenz, den einige Kollegen inzwischen resignierend aufgegeben hätten. "Für mich und andere kommt das nicht in Frage", gibt er sich entschlossen.

Gleichgesinnte hatten am Montag in Körchow über das weitere Vorgehen beraten. Um eine möglichst breite Öffentlichkeit auf ihre Sorgen aufmerksam zu machen, fiel die Entscheidung für den bei der Polizei in Schwerin angemeldeten Sternmarsch, bei dem gestern um 5.30 Uhr in Boizenburg-Bahnhof die sechs Traktoren starteten und mit 20 km/h in Richtung Lauenburg tuckerten.

Etwa drei Stunden später rollte Michalska mit seinem Gespann wieder auf den Hof der Familie. Es wartete die Arbeit, die ein Landwirt an 365 Tagen im Jahr auszuführen hat. Das Füttern und Melken der Tiere gehört dazu. Michalska will, wie er entschieden sagt, aber auch nicht melken, bis der Arzt kommt. "Wir haben ein Recht auf einen fairen Milchpreis und darum kämpfen wir", meinte er. Der Milchbauer hatte nicht erwartet, dass die gestrige Sternfahrt bei jedem Kraftfahrer auf Verständnis stieß. Es herrschte Berufsverkehr. Aber öffentlichkeitswirksam sei sie auf jeden Fall gewesen. Und damit war sie auch ein Erfolg.

Was folgen könnte, ist Thema der nächsten Sitzung am Montag, dem 17. August, um 20 Uhr auf dem Hof Peters in Körchow.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen