Jugendhaus : Auf Suche nach der Alternative

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Das Jugendhaus in der Rostocker Straße soll zum Ende des Jahres geschlossen werden

Herzklopfen gibt Bianca Lübke zu. „Herzklopfen darüber, was ihr tut für euer Jugendhaus“, sagt die Mitarbeiterin des kreislichen Jugendamtes zum Start des SVZ-Stammtisches gestern Abend. Rund ein Dutzend Kinder und Jugendliche kamen, um mit Verantwortlichen an den verschiedenen Schalthebeln über die Zukunft ihres Hauses an der Rostocker Straße zu diskutieren. Zuvor hatten sie über 1000 Unterschriften zum Erhalt ihres Hauses gesammelt, die sie heute vor der Kreistagssitzung dem Landrat übergeben wollen.

Gleich zu Beginn des SVZ-Stammtisches betont Bianca Lübke: Der Jugendhilfeausschuss habe mit seinem Beschluss, die Förderung des beliebten Treffs in der Nordstadt einzustellen, nicht die Personalstelle gestrichen. Die bleibe für ein Alternativangebot bestehen.

Doch auch für das Gebäude sind vielleicht noch nicht alle Messen gesungen, wie Vertreter aus allen Fraktionen der Stadtvertretung zu signalisieren bemüht sind. Hartmut Reimann (SPD) beklagt, dass die Beschlussvorlage zur Schließung des Hauses morgen in der Stadtvertretung ohne vorherige Beratung in den Gremien auf den Tisch kommen wird. „So einfach geht das nicht. Das wird mit uns nicht zu machen sein.“ Zumal im Haushaltsentwurf der Stadt für 2014 die bisher üblichen Mietkosten von 45 000 Euro sowie Personal- und Sachkosten von 27 000 Euro für das Jugendhaus bereits eingestellt wären. Es sei Sache der Politik und nicht der Kinder, nach einer Alternative zu suchen. Sascha Zimmermann gar habe von der beabsichtigten Schließung erst aus der Zeitung, aus der SVZ, erfahren. Er komme sich vor wie bei einem Ehestreit, sagt der FDP-Mann – zwischen Träger der Einrichtung sowie der Politik auf der anderen Seite gäbe es wohl ein Kommunikationsproblem.

Denn: Bereits im Mai, so ist von Bianca Lübke zu erfahren, sei diskutiert worden, wohin das (zu) wenige zur Verfügung stehende Geld aus dem hoch verschuldeten Kreishaushalt für die Jugendarbeit gehen solle – und dies mit großem Fragezeichen für das Güstrower Jugendhaus.

Was Maria Schulz, langjährige Besucherin, sehr verwundert: „Warum wurden wir davon nicht früher informiert? Dann hätten wir schon längst etwas unternehmen können.“ Nicole Zimmermann pflichtet bei: „Ohne unsere Initiative wäre am 31. Dezember einfach zu gewesen. Und dann? Es geht doch um unsere Kinder!“

Bianca Lübke beteuert: „Wir haben bis zur letzten Minute um das Haus gerungen.“ Indirekt bestätigt das Frank Tschiesche, Geschäftsführer des Trägers Internationaler Bund (IB): Er sei erst am 11. Oktober vom Bürgermeister (fehlte gestern aus Termingründen ebenso wie der Jugendhilfeausschuss) informiert worden, dass ein Ausgleich des Defizits von 8000 Euro bei den Betriebskosten – entstehend wegen der maroden Bausubstanz – nicht infrage käme. Da sei er zur Kündigung des Mietvertrages geradezu verpflichtet.

Deutlich wird in der Diskussion: Um mehr als eine Zwischenlösung könne es in der Stadtvertretung morgen wohl nicht gehen. 300 000 Euro Sanierungskosten – die wären offenbar nicht aufzubringen.

Bleibt die Frage nach der Alternative. Zwei Möglichkeiten sind bisher im Gespräch: die ehemalige PGH nahe der Feuerwehr und die Förderschule im früheren Gymnasium auf dem Distelberg. Ersteres stellt Maria Schulz in Frage: „Da müsste doch auch erst mal investiert werden.“

Eine weitere Idee bringt Gisela Karmann, für die Jugendarbeit in der Stadt zuständige Amtsleiterin, ins Spiel: Die Tanzgruppe könnte auch in die Sporthalle in der Kessinerstraße gehen. „Dann zerbricht die Gruppe“, fürchtet allerdings Vanessa Bade (15).

Gänzlich verworfen wird der Gedanke, doch die Jugendhäuser in der Weststadt und in der Südstadt zu nutzen. Das sei insbesondere berufstätigen Eltern mit ihren Kindern nicht zuzumuten, so Tobias Spott, Sprecher der Jugendlichen.

Ada Rösel stellt Hilfe in Aussicht: Die Förderschule, deren Leiterin sie ist, hätte die räumlichen Möglichkeiten. Wohl müssten sich die Jugendlichen mit dem Gedanken erst noch anfreunden, und auch läge die Entscheidung freilich beim Landkreis.

Auf den Punkt bringt es Grit Papenhagen (IB): „Es geht darum, für die Kids in diesem Stadtteil einen Anlaufpunkt zu haben. Bitte lasst uns nicht zersplittern und selektieren.“


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