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Lokales

22. Oktober 2017 | 03:08 Uhr

Auf Piratenjagd

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erstellt am 17.Aug.2010 | 07:37 Uhr

Stralsund | Mit 30 Knoten rast das Speedboot der Marine über den Strelasund. Klatschend setzt das auf und ab springende Hartschalenschlauchboot über das Wasser, ehe der Bootsführer abbremst und einen engen Kreis zum Hafen zieht. Sein Fahrlehrer ist zufrieden und weist die Besatzung zum nächsten Manöver an. Im Marinehafen von Parow schwenken Rekruten einen Kranausleger über die Kaikante. Das Speedboot kommt an den Haken und wird aus dem Wasser gehievt.

Die Führerscheinprüfung für die angehenden Kraftbootführer der mehr als 50 Kilometer pro Stunde schnellen Spezialboote gehöre seit einiger Zeit zum Ausbildungsprofil der Marinetechnikschule in Stralsund, sagt Oberleutnant zur See Steven Wernecke. Das Lehrprogramm schließe auch die Qualifizierung des Bordpersonals der Fregatten ein, die bei der Piratenabwehr vor der Küste von Somalia zum Einsatz kommen. "Sie müssen auch in der Lage sein, in Fahrt ein Speedboot samt seiner Besatzung über die bis zehn Meter hohe Bordwand der Fregatte abzuseilen oder wieder aufzunehmen", sagt Wernecke. Schon in wenigen Tagen wird der 38-Jährige in Djibouti seinen Dienst im Rahmen der EU-Operation "Atalanta" antreten.

Der Kommandeur der Marinetechnikschule, Kapitän zur See Bernd-Peter Rahner, sieht die 1996 eingeweihte Lehrbasis in erster Linie als Dienstleister für die deutsche Marine. Unabhängig von der gegenwärtigen Diskussion über eine mögliche Aussetzung der Wehrpflicht in der Bundeswehr bleibe die Lehreinrichtung zuständig für die Grundausbildung von Rekruten und die technische Qualifizierung von Bordbesatzungen, sagt er. Das schließe seit einigen Jahren und in zunehmendem Maße auch die technische Vorbereitung des Flottenpersonals auf Auslands- und Spezialeinsätze wie den Schutz vor Piraten ein.

Kommandeur Rahner führt in eine Ausbildungshalle für Marinewaffentechnik, an der Soldaten an dem Marineleichtgeschütz 27 hantieren. Demnächst werde auch ein veraltetes Geschütz gegen das moderne 127-Millimeter-Geschütz ausgetauscht, sagt er. "Wir bekommen die neuen Entwicklungen immer zuerst." Zeitsoldaten sollen hier die Bedienung des größten Waffensystems der deutschen Marine trainieren. Mit einem Kaliber von 127 Millimetern und Reichweiten von über 20 Kilometern könne die Marine mit der hochpräzisen Waffe auch Operationen an Land durch gezielten Beschuss unterstützen, sagt Rahner.

Mit den Aufträgen am Horn von Afrika oder vor dem Libanon hätten sich auch die Einsatzzeiten der Schiffe verlängert, betont Rahner. Die Besatzungen seien heute länger auf sich allein gestellt. "Sie können nicht einfach den ADAC rufen, wenn ein System an Bord ausfällt. Deshalb legen wir heute auch mehr Wert auf die Bereiche Instandsetzung sowie Schadensabwehr im Fall eines Lecks oder eines Brandes an Bord".

Seit Dezember 2009 verfügt die Lehreinrichtung deshalb über eine neue Übungsstrecke für die Brandbekämpfung an Bord. Dabei werden die jungen Frauen und Männer besonderen physischen und psychischen Belastungen ausgesetzt. Ähnlich wie im Notfall wabert zum Beispiel dichter Kunstnebel durch die mit Wärmestrahlern aufgeheizte Übungsstrecke. Blitze und Lärm erschweren zusätzlich die Orientierung im Schiffsinneren.

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